Unsere Geschichte

Als die Camper in den Norden kamen

Mittwoch, 17. Juni 2020, 21:00 bis 21:45 Uhr

Die Deutschen lieben die Freiheit des Campings. Dabei ist Camping ein generationsübergreifendes Phänomen: Während die Jungen noch mit dem Zelt oder im ausgebauten Bus unterwegs sind, bevorzugen die Älteren den fest installierten Wohnwagen auf dem Dauercampingplatz oder das Reisemobil als rollendes Hotel. Im Rekordjahr 2018 zählten die Campingplatz-Betreiber in Mecklenburg-Vorpommern mehr als fünf Millionen Übernachtungen.

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Einen schönen Platz für ihr Zelt haben sich zwei jungen Frauen am Rande eines Sees ausgesucht. (Aufnahme aus den 50er-Jahren) © picture alliance/dpa-Bildarchiv

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Urlaub auch für wenig Geld

Begonnen hatte alles in den 1930er-Jahren, als der Tüftler Arist Dethleffs sein erstes "Wohnauto" konstruierte. So richtig populär wurde Camping aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg, zu Beginn des Wirtschaftswunders. Es bot einen Urlaub, den sich damals fast jeder leisten konnte - und es musste nicht immer unbedingt Italien sein. In Hamburg war der Campingplatz am Falkensteiner Elbufer so etwas wie die "Riviera des kleinen Mannes". Hier zeltete die Hamburger Arbeiterklasse, inklusive feinem Sandstrand und Bad in der Elbe. Auch heute noch genießen hier viele Dauercamper von April bis Oktober in ihren Wohnwagen das Elb-Panorama.

Leichte Wohnwagen für kleine Autos

Klassiker: Der Borgward Arabella zieht den Eriba Puck von 1964. © NDR/Lona Media GbR
Camping wie vor 50 Jahren: Ein Borgward "Arabella" zieht einen Eriba-Puck-Wohnwagen von 1964.

Der Erfolg des Campings stieg mit der wachsenden Mobilität der Deutschen weiter an. Maria Dhonau, die "Grande Dame" der Caravan-Branche, eröffnete 1960 eine Tankstelle und begann Wohnwagen zu verkaufen. Die waren damals Leichtgewichte, denn früher hatten die Autos noch nicht so viele PS wie heute.

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Volleyballspielende FKK-Urlauber in der DDR 1982. © Bundesarchiv / CC-BY-SA (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.de)

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Ein kleines Stückchen Freiheit

Dieses Problem kannte man auch auf der anderen Seite der deutsch-deutschen Grenze. Über ganze 26 PS verfügte ein Trabi, da musste ein leichter Wohnwagen her. Nur, dass die DDR-Bürger sowohl auf das Auto als auch auf den Wohnwagen bis zu 18 Jahre warten mussten. Zudem war Camping in der DDR zu Beginn als unsozialistisch, weil zu individualistisch, verpönt. Die Staatsführung sah die Werktätigen lieber beim Kollektivurlaub im FDGB-Heim. Doch Camping wurde trotzdem zur Massenbewegung. Ein kleines Stückchen Freiheit, da war die Partei machtlos.

Im vereinten Deutschland ist die Faszination ungebrochen. Die Camper sind ein Wirtschaftsfaktor im Norden, denn sie kaufen nicht nur Campingausrüstung, sondern geben im Urlaub auch viel Geld aus.

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Autor/in
Heike Nikolaus
Redaktion
Christoph Mestmacher
Produktionsleiter/in
Tim Carlberg