Stand: 08.07.2020 09:30 Uhr  - NDR Fernsehen

Als die Deutschen das Reisen entdeckten

Anfang der 50er-Jahre für viele nur ein Traum - eine Reise nach Italien, etwa nach Rom.

In den 50er-Jahren war Italien das Traumziel der Deutschen. Mit Italien verbanden sie Sonne, Strand und Meer. Aber auch Kunst, Kultur und Dolce Vita. Gerade was das Essen betraf war Italien ein Land voller Exotik. Noch gab es nur sehr vereinzelt in Deutschland italienische Restaurants, und so war das Essen ein Abenteuer. Spaghetti und Pizza waren etwas vollkommen Neues für die deutschen Touristen. Auch Gemüse und Kräuter wie Brokkoli, Basilikum und Zucchini waren noch weitgehend unbekannt.

Hintergrund

Als das Baden im Meer zur Mode wurde

1794 eröffnet in Heiligendamm das erste deutsche Seebad. Wenig später entstehen auch an der Nordsee die ersten Badeorte. Schnell wird der Badebetrieb zum gesellschaftlichen Ereignis. mehr

Aber Italien blieb für die meisten Menschen oft nur ein Traum. Die Mehrzahl der Deutschen verbrachte ihre Ferien im eigenen Land. Eine Reise ging an Nord- und Ostsee, Bayern oder in den Schwarzwald. Doch Ende der 50er-Jahre ging es den Deutschen immer besser. Sie wollten sich etwas gönnen. Ein Urlaub gehörte dazu. Wenn es ins Ausland ging, stand ganz oben auf der Beliebtheitsskala Österreich. Dann erst folgten Italien, Schweiz, Jugoslawien, Belgien, Holland und Dänemark. Eine Urlaubsreise war aber noch nicht die Regel, viele blieben zu Hause - und genossen die freie Zeit in Schwimmbädern oder an Badeseen.

Bevorzugtes Verkehrsmittel: Die Bahn

Bild vergrößern
Ende der 50er-Jahre verreiste nur etwa jeder fünfte Urlauber mit dem eigenen Auto.

1960 gab es 13 Millionen Urlauber. Davon reisten 53 Prozent mit der Bahn. In der Ferienzeit wurden 1.400 Sonderzüge eingesetzt, um die Urlauber an ihren Bestimmungsort zu bringen. 20 Prozent verreisten mit dem Bus, und 1960 begaben sich immerhin 21 Prozent mit dem Auto auf in die Ferien. Nur ein bis zwei Schiffs- oder Flugreisen wurden gebucht. Das Fliegen war noch viel zu teuer. Außerdem hatten viele hatten Angst vor dem Fliegen. Auch Schiffsreisen waren reiner Luxus.

Hintergrund

Camping: Nach dem Krieg mit dem Zelt in die Freiheit

In den 1950er- und 60er-Jahren können sich nur wenige Menschen den Urlaub im Ausland leisten. Daher wird Camping in Ost und West zur erschwinglichen und heiß geliebten Alternative. mehr

Die Ansprüche vor Ort waren im Vergleich zu heute eher bescheiden. In den Pensionen wünschte der Urlauber fließendes Wasser auf dem Zimmer - kalt und warm. Viele konnten sich nur einen Campingurlaub leisten. Sie zogen mit Zelt und Wohnwagen los. Besonders in Italien wurden die Campingplätze unter den Deutschen sehr beliebt. Weitere Favoriten waren Bungalows in Feriendörfer. Da passte auch eine größere Familie rein. Ein weiterer Vorteil: Selber kochen war günstiger als essen gehen.

Erst in den 60er-Jahren ging es mit dem Pauschaltourismus so richtig los. Jetzt gab es auch die ersten Flugreisen nach Mallorca.

Weitere Informationen

Damp 2000: Von der Wiese zum Ferienresort

Anfang der 70er-Jahre entstand zwischen Flensburg und Kiel eine Ferienanlage der Superlative. In Damp 2000 hatten so viele Touristen Platz, wie in eine Kleinstadt passen. Doch es lief nicht alles nach Plan. mehr

Prora - Der "Koloss" von Rügen

Als "Seebad der 20.000" hatten die Nazis die riesige Anlage in Prora auf der Insel Rügen geplant. Lange Zeit verfielen die denkmalgeschützten Gebäude - heute sind sie wieder interessant. mehr

Wie Schnellpostkutschen das Reisen revolutionierten

Am 1. Juli 1841 nimmt die Schnellpostkutsche Diligence ihren Dienst zwischen Hamburg und Lübeck auf. Passagiere und Post kommen jetzt doppelt so schnell an - dank modernster Technik. mehr

Dieses Thema im Programm:

16.01.2012 | 21:00 Uhr

Mehr Geschichte in Video und Audio

02:18
NDR Fernsehen
05:39
Schleswig-Holstein Magazin
05:33
Hallo Niedersachsen

Norddeutsche Geschichte