Sendedatum: 23.06.2020 21:15 Uhr

Getreten und geschlagen: Tierquälerei in Milchbetrieb?

von Jan Körner

Die Landwirtschaft ist selten eine Bilderbuchidylle, das zeigt sich besonders in der Tierhaltung. Doch als Panorama 3 Videos aus einem Kuhstall bei Flensburg zugespielt bekommt, ist schnell klar: Hier geht es nicht nur um die üblichen Bedingungen in der Massentierhaltung. Ein Mann beschimpft eine Kuh, schlägt sie mit der Faust. Mit einem Besenstiel aus Metall wird ein Tier gestoßen, bis der Stiel verbogen ist. Viele der Milchkühe in dem Stall haben stark geschwollene Beine und Gelenke, die Klauen sind in einem schlechten Zustand. Anonym erzählt uns ein Mann von den Zuständen auf dem Hof: "Wenn die Tiere Medikamente nehmen sollten, dann haben sie sich natürlich mal gewehrt. Dann haben sie eins aufs Maul gekriegt."

Getreten und geschlagen: Tierquälerei in einem Milchbetrieb?

Panorama 3 -

Ein Stall, in dem Kühe kaum gehen können, ein Melkstand, an dem sie geschlagen werden. Normale Milchkuhhaltung oder Tierquälerei?

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"Lang andauernde Vernachlässigung"

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Vertrauensmann Tierschutz in der Landwirtschaft Schleswig-Holstein: Edgar Schallenberger.

Für Panorama 3 schaut sich der emeritierte Tiermedizinprofessor Edgar Schallenberger die Aufnahmen aus dem Kuhstall an. Als "Vertrauensmann Tierschutz in der Landwirtschaft Schleswig-Holstein" wacht er über den Umgang mit Tieren in den Ställen und auf den Weiden im Land. "Wenn so etwas wiederholt praktiziert wird", sagt er zu den Faustschlägen, "dann ist das mit Sicherheit ein Vergehen gegen das Tierschutzgesetz." Eindeutig ist auch sein Urteil zu den geschwollenen Beinen und Gelenken: Das entstehe nicht innerhalb weniger Tage und deute auf eine lang andauernde Vernachlässigung der Tiere hin.

Der Betreiber des Hofs will vor der Kamera nicht mit Panorama 3 reden. Für die Schläge fühlt er sich nicht verantwortlich, das sei sein Sohn gewesen. Dass einzelne Tiere mal lahmen, sei normal in einer großen Herde.

Milch von kranken Kühen

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Ein Informant berichtet über die Zustände auf dem Hof in Schleswig-Holstein.

Doch es gibt noch ein weiteres Problem: Der Informant berichtet, dass auch die fußkranken Tiere gemolken werden. Mit möglichen Folgen auch für den Menschen, sagt Schallenberger: "Eigentlich darf nur die Milch gesunder Tiere gemolken und in den Verkehr gebracht werden. Das sind keine gesunden Tiere. Ich möchte die Milch von solchen Kühen nicht trinken."

Die Milch des Hofes geht an den "Deutschen Milchkontor". Wir fragen die Molkerei, wie regelmäßig sie die Höfe, die ihnen die Milch liefern, kontrollieren. Die Molkerei schickt nach unserer Anfrage am vergangenen Freitag unangemeldet einen Außendienstmitarbeiter vorbei. Dieser habe aber nichts Auffälliges feststellen können, heißt es. Doch dass in seiner Gegenwart Kühe geschlagen worden sind ist eher unwahrscheinlich.

Inzwischen liegt auch eine Anzeige gegen den Hof vor. Doch ob die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren einleitet,  wird in den kommenden vier Wochen entschieden.

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Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 23.06.2020 | 21:15 Uhr