Stand: 11.05.2017 12:24 Uhr

Thema der Woche: Lebenswerk

Schriftsteller Gerhard Henschel. © Yvonne Szallies-Dicks Foto: Yvonne Szallies-Dicks
Wir treffen diese Woche unter anderem Schriftsteller Gerhard Henschel.

Wir treffen diese Woche Menschen in Niedersachsen, die ihr Leben einer ganz besonderen Idee oder Aufgabe verschrieben haben und uns dieses "Lebenswerk" vorstellen. Unter anderem treffen wir Schriftsteller Gerhard Henschel, der sein Leben lang an einer Geschichte schreibt. Es ist ein Roman, in dem die Hauptfigur das gleiche Leben führt, wie der Autor selber. Außerdem besuchen wir eine 76-Jährige, die talentierte Reiter und Pferde finanziert und einen Verein, der für Stammzellenspender kämpft. Wir treffen Matthias Krause, der bereits Anfang der 80er-Jahre mit einigen Freunden eine Betriebsgemeinschaft für ökologischen Landbau gründete und sich seitdem für eine nachhaltige Landwirtschaft einsetzt. Außerdem begleiten wir Christian Köpper, der mit seinem Unternehmen die Gesellschaft verändern will, indem er jedes Projekt auf soziale und ökologische Ansätze untersucht. Und wir sind zu Gast beim Fußballverein SG Blaues Wunder und lassen uns zeigen, was ihn so besonders macht.

Roman-Reihe über das eigene Leben

Der niedersächsische Autor Gerhard Henschel schreibt an einer ungewöhnlichen Roman-Reihe über seine Generation - und sich selbst. Er erzählt von seiner Kindheit, Jugend und dem Erwachsenwerden. In seinen Büchern erlebt Henschel sein Leben als Figur Martin Schlosser noch einmal. Ungewöhnlich ist vor allem, woher er die Infos für seine Bücher bekommt, denn beim Schreiben verlässt sich Henschel nicht nur auf sein Gedächtnis. Im Keller seines Hauses in Bad Bevensen befindet sich ein riesiges Familienarchiv. Hier taucht er jeden Abend in die Vergangenheit ein, die in fast 600 Ordnern sorgfältig abgeheftet ist. Dazu gehören auch unzählige Fotoalben, Kalender, Zeitschriften, ein Ordner mit Beipackzetteln von Medikamenten und Tagebücher seiner Schwester. Bisher umfasst die Martin-Schlosser-Reihe sieben Romane und jeden Abend schreibt Henschel eine weitere Seite. Damit ist das Leben seines "Roman-Ichs" schneller als sein eigenes. "Ich habe ausgerechnet, dass ich mich mit etwa 75 Jahren selber einhole, wenn ich in dem Tempo weiterschreibe", so Henschel. Auf die Frage, ob der Roman dann abgeschlossen ist, sagt er: "Wie soll er fertig sein, solange ich lebe?"

Die "Cluster Sozialagentur"

Christian Köpper aus Hildesheim ist 35 Jahre alt und hat sich mit einem Geschäftsmodell selbständig gemacht, das in dieser Form in Deutschland einzigartig ist. Er hat vor neun Jahren die "Cluster Sozialagentur" gegründet, die nur Projekte umsetzt, die umweltfreundlich und sozial sind. Wir lassen uns von ihm erklären, wie man mit so einer Idee erfolgreich sein kann. Seine Auftraggeber sind häufig soziale Einrichtungen, Kommunen oder Schulen. Wenn beispielsweise eine Schule moderne Umweltprojekte umsetzen möchte, beauftragt sie Christian Köppers Agentur. Die macht ein Konzept und hilft bei der Finanzierung, indem sie zum Beispiel Geld aus Förderprogrammen organisiert. Und am Ende setzen die Agentur-Mitarbeiter das Projekt auch um. Außerdem bringt Christian Köpper Geld und Sachspenden aus der Wirtschaft in soziale Einrichtungen. Dieser soziale Ansatz lohnt sich auch finanziell: Die Agentur macht inzwischen einen Jahresumsatz von bis zu zweieinhalb Millionen Euro. Die 20 festen Mitarbeiter, die Christian Köpper mittlerweile beschäftigt, bezahlt er freiwillig nach dem Tarifvertrag öffentlicher Dienst.

Die Gemüse-Pioniere

Seit Anfang der 80er-Jahre widmet sich Matthias Krause dem Anbau von Bio-Gemüse. Er war damals der erste Gartenbau-Student, der diesen revolutionären Schritt wagte. Die Idee dazu kam ihm im Hörsaal. "Mir ist während meiner Ausbildung immer gesagt worden, dass Bio-Anbau nicht funktioniert", sagt er. "Und ich hatte einfach den Ehrgeiz, es auszuprobieren und zu zeigen, dass es doch geht und dass man davon einen existenzfähigen Betrieb aufbauen kann." Kurz darauf schlossen sich zwei Freunde dem Projekt an. Auf einem halben Hektar ernteten sie dann ihr erstes ungespritztes Gemüse. Um ihren Unterhalt zu finanzieren, hatten sie am Anfang aber alle noch andere Jobs. Denn auf den ersten Wochenmärkten machten sie nur einen Tagesumsatz von 36 D-Mark. Heute beschäftigen die Gemüse-Pioniere rund 35 Festangestellte und 15 Aushilfen.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 11.05.2017 | 19:30 Uhr