Boris Herrmann © picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Loic Venance

Vendée Globe: Weltumsegler Boris Herrmann "absolut glücklich"

Stand: 28.01.2021 20:35 Uhr

Boris Herrmann hat sein Debüt bei der Vendée Globe mit Bravour gemeistert. Der tragische Verlust des möglichen Podestplatzes auf den letzten Kilometern konnte das Glück des Hamburger Weltumseglers nicht trüben.

Am Ende seines 80-tägigen Abenteuers drückte Boris Herrmann seiner kleinen Tochter Marie-Louise einen dicken Kuss auf die Stirn und zog seine Frau Birte an sich. Dann hängte sich der Weltumsegler aus Hamburg eine Deutschland-Flagge um und ließ im Hafen von Les Sables-d'Olonne den Champagner-Korken knallen. "Ich bin absolut glücklich mit dem Rennen, mit dem Resultat, mit allem", sagte Herrmann, die großen Glücksgefühle hatten den schweren Schock verdrängt. Kurz zuvor hatte der 39-Jährige am Donnerstag um 11:19 Uhr die Ziellinie der Vendée Globe vor der französischen Küste mit einer Rennzeit von 80 Tagen, 14 Stunden, 59 Minuten und 45 Sekunden gekreuzt und wurde schließlich Fünfter - ein noch besseres Ergebnis hatte ein schwerer Crash rund 90 Seemeilen vor dem Ziel mit einem Fischtrawler verhindert. Der Kapitän des spanischen Kutters weist jeden Vorwurf zurück.

"Ein unglaublich tolles Gefühl"

Die Schrecken der Nacht waren Boris Herrmann nach seiner umjubelten Ankunft anzusehen. Aber "ich bin sehr glücklich. Der kleine Schluckauf der vergangenen Nacht ist schon fast vergessen", sagte er. Und das, obwohl er durch den Zusammenprall seine Chance auf das Treppchen und die kleine Resthoffnung auf den ganz großen Coup eingebüßt hatte. "Ich wollte es hierher schaffen. Das war ein großer Traum vor 15 Jahren, jetzt endlich habe ich es geschafft", sagte der 39-Jährige. "Es ist ein unglaublich tolles Gefühl, dieses Abenteuer zusammen mit meiner Mannschaft abgeschlossen zu haben."

Einsamkeit, Stürme, Wellen, Stress

Am 8. November war der Familienvater wie 32 weitere Männer und Frauen zum Wettrennen durch drei Weltmeere aufgebrochen. Auf der rund 50.000 Kilometer langen Reise non-stop und alleine um die Erde kämpften sie mit den Kräften der Einsamkeit, mit Stürmen, den Wellen, die das Boot des später aus Seenot geretteten Franzosen Kevin Escoffier in der Mitte durchbrachen. Viele Experten staunten, dass der lange vorsichtige Herrmann, der vor allem ankommen wollte und insgeheim mit einem Platz unter den besten Zehn geliebäugelt hatte, bei der historisch umkämpften Vendée sogar die Chance suchte, als erster Nicht-Franzose das prestigereiche Event zu gewinnen. Dann kam der Schock. Eine Tragödie, die aber Herrmanns außerordentliche Leistung nicht schmälern kann.

"Die 80 Tage waren ganz schön hart. Jeden Tag Stress und Druck - aber jetzt ist es vorbei." Boris Herrmann

Herrmann einer der großen Vendée-Gewinner

Der erste Deutsche bei der Mensch und Material fordernden Regatta ist auch ohne Podestplatz ein großer Gewinner der Vendée Globe, bei der mindestens acht Teilnehmer das Ziel nicht erreichen. Mit taktischem Geschick und charismatischen Auftritten bei seinen Berichten von Bord gewann er eine immer größere Fanbasis. Regelmäßig schafften es die spektakulären Bilder in die großen Nachrichten- und Sportsendungen im TV, in den Sozialen Medien begeisterte er Tausende Fans - für den Segelsport in Deutschland eine völlig neue Dimension.

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Tim Kröger: "Eine gigantische Leistung"

"Er ist der Sieger der Herzen. Er hat dieses Rennen fantastisch kommuniziert. Dass er daran teilgenommen hat, dass er heil nach Hause gekommen ist, dass er uns alle mit auf See genommen hat in diese wahnsinnigen Bedingungen, das ist eine gigantische Leistung", lobte Hochsee-Profi Tim Kröger im NDR.

"Herzlichen Glückwunsch mein toller Freund, Boris Herrmann, unter den Top 5 das härteste Rennen der Welt zu beenden! Solo nonstop um die ganze Welt. Wir könnten nicht stolzer auf dich sein! Willkommen zuhause! Greta Thunberg bei Twitter

Herrmann, der unterwegs auch wichtige Klimadaten sammelte, habe eine "Leuchtturmfunktion" übernommen, sagte Mona Küppers. Er habe es geschafft, 'seine' Vendée Globe greifbar zu machen: "Die Anstrengung und die Einsamkeit auf der einen Seite. Die Faszination, die Freiheit und die Freude auf der anderen Seite." Die Präsidentin des Deutschen Segler-Verbandes (DSV) ist überzeugt, "dass die geweckte Leidenschaft für das Segeln nach der Vendée Globe nicht verpufft und dass es mehr Menschen in den Segelsport zieht".  

Einsamkeit das mit Abstand Schwierigste

Ob er die Vendée Globe in vier Jahren möglicherweise noch einmal angeht, vermochte Boris Herrmann so kurz nach den Strapazen der Hatz um den Globus nicht zu sagen. "Ja, vielleicht. Aber dafür ist es jetzt zu früh", sagte der Hamburger. "Das ist ein großes Projekt und diese 80 Tage waren wesentlich härter, als ich es mir jemals vorgestellt hätte."

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Boris Herrmann und seine härteste Regatta: Die 30-minütige Sportclub Story am Sonntag um 23.35 Uhr im NDR Fernsehen!

Die Einsamkeit sei für ihn das mit Abstand Schwierigste gewesen. "Ich bin nicht fürs Alleinsein gemacht. Ich bin kein Einzelgänger. Ich habe gern Menschen um mich. Die Vendée Globe ist kein Rennen, um Spaß zu haben." Es sei "eine menschliche Erfahrung gewesen, aber nicht immer eine einfache".

Nach 80 Tagen auf hoher See hat der neue deutsche Segel-Held Lust auf die kleinen Dinge. Zeit mit der Familie. Ein Bier. Und festen Boden. "Ich freue mich darauf, das Land wieder neu wahrzunehmen mit all den großen und kleinen schönen Dingen, die es an Land zu entdecken gibt."

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Sportclub | 31.01.2021 | 23:35 Uhr

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