Stand: 08.09.2019 21:00 Uhr

Kanal-Cup: Deutschland gewinnt dramatisches Rennen

Der Deutschland-Achter hat unter dramatischen Umständen die 19. Auflage des Kanal-Cups für sich entschieden. Christopher Reinhardt (Dorsten) erlitt am Sonntag während des Rennens ebenso wie ein Crewmitglied im niederländischen Boot einen Schwächeanfall. "Beide mussten aufgrund von Erschöpfung ärztlich betreut werden. Es besteht keine Gefahr für einen der beiden, beide sind stabil", teilte der Veranstalter mit. Auch Achter-Coach Uwe Bender gab Entwarnung: "Christopher hat sich noch vor der Siegerehrung gemeldet und gesagt, dass es ihm gut geht." Beim gemeinsamen Abendessen war der 22-Jährige wieder zurück bei der deutschen Mannschaft.

Reinhardt war zum ersten Mal beim Kanal-Cup dabei und wurde ebenso wie der niederländische Ruderer Jacob van de Kerkhof im Anschluss ans Rennen noch auf dem Wasser medizinisch versorgt. Kaum an Land, wurden beide in ein Krankenhaus gebracht. Die Diagnose: Überbelastung. "Das war sicherlich das größte Drama, das wir je beim Kanal-Cup gesehen haben. Das macht mich sprachlos. Meine Sorge gilt jetzt nur den Sportlern", sagte der sichtlich geschockte Bundestrainer Bender dem NDR Sportclub kurz nach Zieleinlauf.

Bender: Das physische Limit überschritten

Der Kanal-Cup gilt als das härteste Ruderrennen der Welt, die Strecke ist sechsmal länger als bei normalen Rennen, das zudem nicht auf einer geschützten Regattastrecke, sondern auf einer offenen Seeschifffahrtsstraße ausgetragen wird. Der Wettkampf fordert den Athleten beim Kampf gegen Wind und Wellen auf dem Nord-Ostsee-Kanal alles ab. "Wir wissen, dass wir hier ans Limit der physischen Leistungsfähigkeit gehen müssen, aber hier sind sowohl die deutsche Mannschaft als auch der Holländer darüber hinausgegangen. Es war schlimm, so hilflos im Ziel zu stehen und das mitansehen zu müssen", so Bender.

Hohes Tempo fordert seinen Tribut

Eine Woche nach dem WM-Triumph in Österreich übernahm das Team um Schlagmann Hannes Ocik (Schwerin) von Beginn an die Führung und baute sie zunächst kontinuierlich aus. Doch das hohe Tempo forderte seinen Tribut. Schon ab der Streckenhälfte Reinhardt, der immer wieder mit dem Rudern aussetzte und phasenweise auf seinem Rollsitz lag, sowie in der Schlussphase van de Kerkhof kämpften völlig entkräftet mit Kreislaufproblemen. Trotz der dramatischen Vorfälle setzten beide Mannschaften das Rennen fort. "Sich die Kräfte ein bisschen einzuteilen, das kann er noch nicht so gut. Er kann entweder Vollgas oder gar nicht. Die 2.000 m hält er schon immer ganz gut durch, aber heute wurden ihm nochmal die Grenzen gezeigt", sagte Ocik über seinen jüngsten Teamkollegen.

Platz drei belegte hinter Deutschland und Vize-Weltmeister Niederlande, der nach Reinhardts erstem Schwächeanfall zwischenzeitlich die Führung übernommen hatte und dann in einem Kraftakt wieder vom DRV-Boot überholt wurde, Olympiasieger Großbritannien. Vorjahressieger USA landete beim Saisonausklang abgeschlagen auf dem letzten Platz.

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Schleswig-Holstein Magazin
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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 08.09.2019 | 13:00 Uhr