Stand: 29.03.2015 08:49 Uhr  | Archiv

Dennis Schröder rockt die NBA

von Andreas Bellinger, NDR.de und Marc Mokrisch, NDR Fernsehen

Dennis Schröder ist angekommen. "Dort, wo er hingehört", sagt sein Bruder Che. Auch die Familie und sein Mentor Liviu Calin sind sich sicher - vor allem aber die Fans der Atlanta Hawks und Headcoach Mike Budenholzer. Der 21-jährige Braunschweiger hat sich bei dem Topteam durchgesetzt, das sich vorzeitig als Erster der Eastern Conference für die NBA-Play-offs qualifiziert hat. Dabei kommt ihm vieles noch immer vor wie ein Traum: "So ganz habe ich noch immer nicht realisiert, wo ich bin."

Den flippigen jungen Kerl auf seinem Skateboard kümmerte alles nicht. Pünktlichkeit und Disziplin - was soll das? "Er hatte halt immer seinen eigenen Kopf", sagt seine Mutter und lächelt auch in der Rückschau noch liebevoll. So war er eben, der Dennis Schröder aus Braunschweig, bevor er seine Profession fand und nun seit zwei Jahren als Basketballprofi in der der nordamerikanischen NBA für Schlagzeilen sorgt. Wenn er da war, war er da. Wenn nicht, dann eben nicht. "Dass er pünktlich sein solle, damit brauchte ich ihm erst gar nicht kommen." Mutter Fatou akzeptierte das; und der Rest der Familie auch, wie Dennis' ältere Schwester Awa dem NDR Sportclub versichert.

Ein Glücksfall für den Basketball

Wieso Liviu Calin den flippigen jungen Kerl mit seinem Skateboard trotzdem ansprach, weiß der Jugendtrainer der Braunschweig Phantoms Basketballer eigentlich bis heute nicht so ganz genau. Den Freigeist "in einen vernünftigen Rahmen zu bringen, hat schon ein bisschen gedauert", bekennt Calin. "Aber wir haben es geschafft, ihm zu zeigen, was der richtige Weg ist." Warum er sich das antat? Vielleicht war es die Art, wie sich der Junge mit gambischen Wurzeln auf dem Sportplatz bewegte, vielleicht war es die Ahnung, in Dennis ein außergewöhnliches Talent vor sich zu haben, vielleicht war es aber auch schlichtweg die Erfahrung eines gewieften Nachwuchstrainers.

Nowitzki: "Er hat alles, was man braucht"

Als sich Schröder und Calin begegneten, war es ein besonderer Glücksfall, von dem beide damals nichts ahnten, im Sportclub aber gleichermaßen schwärmen. Ein Glücksfall aber auch für den deutschen Basketball und inzwischen natürlich ebenso für die Atlanta Hawks in der NBA, für die er in dieser Saison pro Spiel im Schnitt 20 Minuten zum Einsatz kommt und 9,7 Punkte erzielt. Mittlerweile ist der 21-Jährige dabei, dem besten deutschen Basketball-Import, Dirk Nowitzki, als zweites "German Wunderkind" Konkurrenz zu machen. "Er hat alles, was man braucht, um hier erfolgreich zu sein, Schnelligkeit, einen guten Touch und eine gute Übersicht für sein Alter. Er ist jetzt eineinhalb Jahre in der Liga und weiß, wie alles abläuft. Er braucht keinen Rat mehr von mir", sagt Nowitzki. Spätestens in fünf Jahren will Schröder in der Auswahl der Besten dabei sein. "Dann will ich ein Allstar sein", betont er im NDR Interview und rutscht unruhig hin und her auf seinem Stuhl in der noch leeren Umkleide der Hawks.

Arroganz gilt in der NBA als Selbstbewusstsein

Dennis Schröder (Atlanta Hawks, l.) mit dem Trainer der Atlanta Hawks,  Mike Budenholzer © Witters Foto: Kevin Jairaj
Der Braunschweiger wird immer besser. Atlantas Headcoach Mike Budenholzer hält große Stücke auf seinen Point Guard.

Die Scheu vor den großen Namen in der "besten Basketball-Liga der Welt" (Schröder) hat er schon lange abgelegt. Dabei hatte er - wie Nowitzki und seine anderen Vorgänger aus deutschen Landen - im ersten Jahr Probleme, sich zu akklimatisieren. Das ist Vergangenheit, mehr und mehr gewinnt der 1,86 Meter große Niedersachse an Profil und Stärke. "Nowitzki ist einzigartig, aber auch Dennis hat das Zeug, ein Topspieler der NBA zu werden", sagt sein Trainer Mike Budenholzer. Dass der junge Kerl aus Deutschland als Heißsporn verschrien ist und auch im Umgang mit den Mitspielern nicht immer einfach war, interessiert Atlantas Headcoach jedenfalls nicht die Bohne. "Was in Deutschland als Arroganz gilt, wird hier in der NBA als Selbstbewusstsein bezeichnet", sagt Dennis' Bruder. "Er passt hier prima rein." Che ist mitgekommen nach Atlanta und kümmert sich um alles abseits des Basketballs. Vielleicht werde Dennis bald auch in Mode machen, verrät er im Interview. Alles ist möglich, wenn man sich in der NBA durchsetzt?

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 29.03.2015 | 23:15 Uhr

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