Stand: 09.08.2018 08:40 Uhr

Otto Rehhagel: Modern ist, wer gewinnt

von Johannes Freytag, NDR.de
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Bremens ehemaliger Sportchef Klaus Allofs (l.) spielte als Bundesligaprofi bei zwei Vereinen unter Otto Rehhagel: In Düsseldorf und bei Werder.

Rehhagel hat Glück: Er folgt dem Notruf seines Ex-Vereins Werder Bremen. Die Hanseaten sind in der Zweiten Liga auf Erfolgskurs, aber Trainer Kuno Klötzer steht aus gesundheitlichen Gründen nach einem Autounfall nicht mehr zur Verfügung. Rehhagel springt ein, führt das Team 1982 zurück in die Bundesliga und dort auf Anhieb in die Spitzengruppe. Was das Fachblatt "kicker" in der Vorschau noch skeptisch beurteilt ("die Vergangenheit von Verein und Trainer lässt nicht unbedingt darauf schließen, dass die jetzige 'Ehe' gut geht"), ist der Anfang einer beispiellosen Erfolgs-Ära in Bremen. Werder, das in den Jahren zuvor nur in den unteren Tabellenregionen dümpelte, spielt nun dauerhaft oben mit. Nach zwei fünften und drei zweiten Plätzen geht 1988 der ersehnte Meistertitel endlich nach Bremen.

Erfolgsmischung: Junge Talente und Altstars

Rehhagels Konzept der "kontrollierten Offensive" hat Erfolg: Zudem gelingt es ihm, neben jungen Talenten wie Rudi Völler, Frank Neubarth, Johnny Otten, Norbert Meier, Karl-Heinz Riedle oder Frank Ordenewitz auch immer wieder, unbekannte ausländische Profis wie Rune Bratseth (Norwegen) oder Wynton Rufer (Neuseeland) und vermeintliche "Altstars" wie Klaus Allofs, Klaus Fichtel, Erwin Kostedde oder Manfred Burgsmüller perfekt in die Mannschaft zu integrieren. Neben einer weiteren Meisterschaft (1993) sowie zwei Pokalsiegen (1991 und 1994) gewinnt Werder unter Rehhagel 1992 auch den Europapokal der Pokalsieger - der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Für Furore sorgt der Club zudem mit vielen fulminanten Auftritten im Europacup, die als "Wunder von der Weser" in die Geschichte eingehen.

Fehlentscheidung München

Werder ohne Otto Rehhagel ist unvorstellbar geworden und so gerät die Pressekonferenz am 13. Februar 1995 zum Paukenschlag, als der Bremer Dauercoach seinen Abschied ausgerechnet zum großen Rivalen und Gegenentwurf Bayern München verkündet. Die vermeintliche Traumehe erweist sich jedoch als große Fehlentscheidung, Rehhagel kommt mit den Allüren der Münchner Stars nicht zurecht - die wiederum nicht mit dem Rotationsprinzip des Trainers. Dazu gesellen sich alsbald vereinsinterne persönliche Differenzen - Rehhagel wird nach einem 0:1 gegen Hansa Rostock entlassen, wenige Tage vor dem ersten Finalspiel im UEFA-Cup. Diesen Titel gewinnen die Bayern anschließend mit Interimscoach Franz Beckenbauer.

Als Aufsteiger zur Meisterschaft

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Einmaliger Erfolg: Rehhagel wird mit Aufsteiger Kaiserslautern deutscher Meister.

Wieder wählt Rehhagel den Umweg über die Zweite Liga - und wieder erweist es sich als die richtige Entscheidung. Der 1. FC Kaiserslautern, gerade erstmals in der Vereinsgeschichte abgestiegen, buhlt um die Dienste des 58-Jährigen. "Hier darfst du wieder Otto sein", lockt ihn Präsident Jürgen Friedrich, der einst mit Rehhagel gemeinsam für den FCK die Fußballstiefel schnürte. Anders als in München funktioniert die Ehe auf Anhieb. Kaiserslautern schafft die sofortige Rückkehr in die Beletage und wird ein Jahr später mit einem 4:0 am vorletzten Spieltag gegen Wolfsburg als erster Aufsteiger der Bundesliga-Geschichte deutscher Meister. Ausgangspunkt ist ein 1:0-Erfolg in der ersten Runde der Spielzeit 1997/98 ausgerechnet bei Bayern München. Otto Rehhagels Genugtuung über diesen Sieg spiegelt sich in einem minutenlangen Jubellauf durchs Olympiastadion wider.

Doch mit dem Meistertitel wachsen in der Pfalz auch die Erwartungen und Ansprüche. Rehhagel verliert zudem sein glückliches Händchen in der Mannschaftsführung. Jungnationalspieler Michael Ballack hat er ebenso wenig im Griff wie den französischen Weltmeister Youri Djorkaeff, der in der Pfälzer Provinz fehl am Platze wirkt. Am 20. September 2000 endet Rehhagels Amtszeit in Kaiserslautern - er nimmt seinen Hut.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 03.03.2013 | 22:45 Uhr

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