Stand: 01.07.2015 13:54 Uhr  | Archiv

Andreas Dittmer: Schnellster Indianer der Welt

von Ines Bellinger, NDR.de
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Andreas Dittmer in Athen mit der Goldmedaille über 500 Meter. Über 1.000 Meter holte der Canadier-Fahrer auch noch Silber.

Auch wenn sein letzter Auftritt auf großer Bühne ein Schlag ins Wasser war: Dittmer hat in seinem Sport Einzigartiges geleistet. Mit 30 WM-Medaillen und 46 deutschen Meistertiteln ist er der erfolgreichste Canadier-Fahrer überhaupt. Seine erfolgreichste Zeit hatte er zwischen den Olympischen Spielen 2000 und 2004. Nach seinem Olympiasieg in Sydney blieb er im Einer über 1.000 Meter fast vier Jahre in großen Wettkämpfen ungeschlagen. Damals war er "der schnellste Indianer der Welt" - so erklärte Dittmer nicht Eingeweihten gern den Unterschied zwischen Canadier- und Kajak-Fahrern. Ein Foto mit Federschmuck und Kriegsbemalung ziert noch immer seine Website. Talent und Zähigkeit bekam Dittmer in die Wiege gelegt. Seine Mutter war Hürdensprinterin, sein Vater Kanute beim SC Neubrandenburg und sein erster Trainer. Wäre Andreas Dittmer ein zauderndes Kind gewesen, wäre er nach seinem ersten frustrierenden Kanu-Erlebnis im Alter von zehn Jahren schon nicht mehr eingestiegen. "Das Boot trieb von einer Seite des Baches zur anderen hinüber, ohne dass ich auch nur einen Schlag gemacht hatte. Heulend lief ich zwei Kilometer zurück ins Bootshaus." Doch Andreas biss sich durch. Ein Jahr später bekam er in einem Trainingslager seinen Spitznamen verpasst. "Weil ich so klein und frech war, haben mich alle immer nur 'Stifti' genannt. Das bin ich nie wieder losgeworden."

Mehr als zwei Mal um den Äquator

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Andreas Dittmer (vorn) mit seinem Partner Ronny Richter in einem Outrigger-Kanu.

Kanuten müssen hart im Nehmen sein. Bei Wind und Wetter absolvierte Dittmer unzählige Trainingseinheiten und schrubbte mit Blasen an den Fingern tausende Kilometer. Die Strecke summiert sich auf mehr als zwei Erdumrundungen. Manchmal war es beim Training so kalt, dass das Eis das Paddel hinaufkroch. Ab und zu nahm Dittmer auch ein unfreiwilliges Bad. Es gibt Athleten, die fassen nach all den Qualen und Entbehrungen, die sie in ihrer Karriere erlitten haben, ihr Sportgerät nicht mehr an. Andreas Dittmer sucht noch immer nach Kanu-Abenteuern. Schon kurz nach seinem letzten Rennen in Peking 2008 nahm er mit anderen Weltmeistern und Olympiasiegern am spektakulären Molokai-Hoe-Rennen auf Hawaii teil. In sogenannten Outrigger-Booten mit großen Auslegern paddelten die ehemaligen Champions 72 Kilometer von der Insel Molokai nach Oahu. Dittmer & Co., die sonst höchstens tausend Wettkampfmeter am Stück bewältigten, schmerzten nach fünf Stunden Fahrzeit in ihrem Sechs-Mann-Kanu die Muskeln, aber sie belegten als beste nicht-pazifische Paddler den 20. Platz von über hundert Teams.

Seine Frau heißt Anja - wie seine Schwester

"Unterwegs gibt es Wechsel mitten im Ozean. Man springt ins Wasser und krabbelt dann durch ein Loch ins Boot - das Ganze bei zweieinhalb bis vier Meter hohen Wellen", erzählt Dittmer. "Man darf keine Angst vor den Fischen mit den scharfen Zähnen haben - das ist schon ein großes Abenteuer." Inzwischen hat sich auch in Deutschland eine Outrigger-Szene etabliert, die sich regelmäßig zu Wettkämpfen trifft. Gemeinsam mit seinem Bootspartner Ronny Richter und anderen Kanu-Größen wie Birgit Fischer und Olaf Heukrodt gehört Dittmer zum 1. Outrigger Canoe Club. Privat hat Andreas mit seiner Heirat für ein Kuriosum in der Familie Dittmer gesorgt. Seine Frau heißt Anja genau wie seine erfolgreiche Triathlon-Schwester und das, so berichtet Dittmer, führt mitunter zu Missverständnissen: "Da kommt es schon mal vor, dass sich meine Frau bei einem Volkslauf anmeldet und sofort zur großen Favoritin erklärt wird."

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 16.04.2012 | 10:25 Uhr

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