Stand: 24.04.2019 20:37 Uhr

Flensburg nach Heim-Desaster vor Königsklassen-Aus

von Hanno Bode, NDR.de
Für Jim Gottfridsson (M.) und seine Flensburger gab es gegen Veszprem viel zu selten ein Durchkommen.

Dem deutschen Handball-Meister SG Flensburg-Handewitt droht wie in der Vorsaison das Viertelfinal-Aus in der Champions League. Die Schleswig-Holsteiner verloren am Mittwochabend das Hinspiel gegen den ungarischen Rekordchampion Veszprem mit 22:28 (15:15) und müssen nun am 4. Mai (17.30 Uhr) im zweiten Vergleich mit den Magyaren auswärts ein kleines Wunder schaffen, um noch das Ticket für das Final Four in Köln (1. und 2. Juni) zu lösen. Dafür bedarf es aber einer enormen Leistungssteigerung. Denn insbesondere im zweiten Abschnitt zeigte der Bundesliga-Tabellenführer kein gehobenes europäisches Niveau.

"Haben uns das Leben schwer gemacht"

"Ich bin ein bisschen enttäuscht von der zweiten Halbzeit, dass wir uns da das Leben so schwer gemacht haben. Auf der anderen Seite muss man auch ehrlich sagen, dass wir heute auf eine Mannschaft getroffen sind, die es uns wahnsinnig schwer gemacht hat und die unglaublich gut verteidigt hat", sagte Flensburgs Trainer Maik Machulla im Interview mit NDR Info. "Wir waren einfach in zu vielen Bereichen nicht gut genug", fasste er treffend zusammen.

Deutscher Meister startet furios

Die Partie begann so ganz nach dem Gusto der Gastgeber. Abwehrchef Tobias Karlsson führte sich in seinem letzten europäischem Heimspiel für die SG - der Schwede beendet im Sommer seine Karriere - mit einem Ballgewinn ein. Im Gegenzug traf Magnus Joendal zum 1:0. Im Anschluss erhöhten Magnus Röd und der künftige Veszprem-Profi Rasmus Lauge (wechselt zur neuen Saison zu den Magyaren) per feinem Solo auf 3:0 (4.). Ein anderer, nicht so prominent besetzter Gegner hätte nun vielleicht Muffensauen bekommen, in der "Hölle Nord" nach allen Regeln der Kunst vorgeführt zu werden. Doch es handelte sich hier eben nicht um eines dieser häufig spannungsarmen (und damit unsäglichen) Gruppenspiele des aufgeblähten Wettbewerbs, sondern um ein Viertelfinale. Und Veszpréms Weltauswahl zeigte sich von ihrem schwachen Start gänzlich unbeeindruckt.

SG mit Bruch im Spiel, aber Moral

Nahezu wie auf Knopfdruck begann das Ensemble des spanischen Trainers David Davis plötzlich zu funktionieren. Zunächst konnte der sehr präsente Mate Lekai mit seinem zweiten Schlagwurf zum 4:4 ausgleichen (10.). Bald darauf führten die Ungarn mit 9:6 (19.). Sie besaßen Sekunden später per Tempogegenstoß sogar die Gelegenheit, auf vier Tore zu erhöhen - doch Dejan Manaskov scheiterte aus prächtiger Wurfposition an Flensburgs Schlussmann Benjamin Buric. Machulla, der die grüne Karte bereits seit einer Weile in der Hand hielt, nahm nun seine erste Auszeit. Sachlich und ruhig redete der Übungsleiter auf seine Spieler ein, gab ihnen ein paar Anregungen für das Angriffsspiel und forderte: "Wir müssen schneller zurückkommen."

Viel von dem, was Machulla sich vorstellte, setzten seine Akteure hernach um. Im Positionsangriff fanden sie gegen die hochgewachsene Veszprém-Deckung nun bessere Lösungen. Und in der Abwehr wurde jetzt beherzter zugepackt. Zur Halbzeit war der Ausgleich geschafft und damit eine gute Grundlage für die zweite Hälfte, in der ja ein angenehmer Vorsprung für das Rückspiel herausgearbeitet werden sollte.

Machulla-Team nach Pause völlig von der Rolle

SG Flensburg-Handewitt - Veszprem 22:28 (15:15)

Tore SG Flensburg-Handewitt: Glandorf 5, Jöndal 5/2, Lauge Schmidt 3, Svan 3, Hald 2, Golla 1, Gottfridsson 1, Jeppsson 1, Röd 1
Veszprem: A. Nilsson 6, Lekai 3, Mackovsek 3, Ilic 2, Mahé 2/1, Manaskov 2, Marguc 2, Nagy 2, Strlek 2, Tönnesen 2, Gajic 1, P. Nenadic 1
Strafminuten: 6/8
Zuschauer: 5.118

Doch diesbezüglich war der Wunsch der Vater des Gedanken. Denn der Bundesliga-Tabellenführer hatte so ziemlich alles in der Kabine gelassen, was ihn in den Minuten vor der Pause ausgemacht hatte: Aggressivität, Spielfreude und Entschlossenheit. So konnten die Gäste auf 20:16 davonziehen (39.). Machulla zückte erneut die grüne Karte. Abermals blieb er in seiner Ansprache ruhig. "Jetzt weiter, Tor für Tor. Weiter Ausstrahlung, das ist mir wichtig", sagte er zu seinen nicht gerade optimistisch dreinblickenden Handballern. Aber die Sache mit dem "Tor für Tor" hatten offenbar nur die ein paar Meter neben den Flensburger stehenden Ungarn richtig verstanden. Jedenfalls erhöhten sie sogar auf 22:16 (44.).

Das große Manko: der Positionsangriff

Die Hausherren waren zu diesem Zeitpunkt seit acht Minuten ohne eigenen Treffer. Erst Lauge beendete dieses SG-Drama. Dass sich der Däne der guten, alten Brechstange bediente und einfach mal mit dem Kopf durch die Wand ging, passte ins Bild. Denn aus dem Positionsangriff heraus klappte bis dahin bei den Norddeutschen gar nichts. Immerhin: Lauges Einzelaktion sowie ein Torwartwechsel von Buric zu Torbjoern Bergerud sorgten für einen kleinen Energieschub bei den Hausherren. Die Betonung liegt allerdings auf "kleinen". Denn viel mehr als ein "Zucken" war es nicht, was die schockierten Flensburger Fans von ihrem Team zu sehen bekamen. Eine Aufholjagd war in Anbetracht des Auftritts der Norddeutschen im zweiten Durchgang - mit Verlaub - unvorstellbar.

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Sport aktuell | 24.04.2019 | 21:25 Uhr

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