Stand: 19.05.2019 14:01 Uhr

Kiels Triumph - Ein Sieg für Coach Gislason

von Jan Kirschner, NDR.de
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THW-Coach Alfred Gislason wurde nach dem EHF-Cup-Sieg frenetisch gefeiert.

Die Getränkemischung machte den Unterschied. Wie schon beim DHB-Pokal nahm THW-Kapitän Domagoj Duvnjak den frisch errungenen EHF-Cup entgegen, küsste ihn, doch die Trophäe wollte er nicht als erster in die Höhe recken. Er winkte erneut Alfred Gislason ins Zentrum des Podestes. Der Coach zögerte kurz, nahm dann aber die Würdigung der Mannschaft an und hob den länglichen Pott nach oben. Dabei bespritzten die Spieler ihren Trainer diesmal nicht nur mit Sekt, sondern überschütteten ihn auch mit Bier. Kurz zuvor hatten die Zuschauer den Übungsleiter gefeiert.

Der 59-jährige Isländer drehte sich dazu um die eigene Achse und antwortete den Fans mit Beifall. "Ich bin ja etwas nordisch unterkühlt", lächelte er. "Aber diese Reaktion des Publikums war für mich wie ein Abschiedsgeschenk."

"Zebras" nach sieben Jahren im siebten Himmel

20 Titel für Gislason in elf Jahren

Im drittletzten Heimspiel mit dem THW war es wohl eher die Laudation der 10.285 Zuschauer für ein besonderes Trainer-Jubiläum. Seit 2008, als er an die Ostsee gewechselt war, fuhr Gislason nun seinen 20. Titel ein. Erstmals den EHF-Cup, den die Handball-Legende selbst als "zweitwichtigsten Titel im Vereinshandball“ bezeichnet - nach der Champions League, die er 2010 und 2012 mit den "Zebras" errang. Dieser bedeutsamen Einordnung des EHF-Cups folgte das Party-Protokoll aber nicht, denn die Feier in der Halle fiel kürzer aus als etwa nach dem jüngsten Triumph im DHB-Pokal. "Wir trinken jetzt noch ein Bier in der Kabine", kündigte Kreisläufer Patrick Wiencek an. Wenige Meter weiter stellte Mannschaftskollege Niclas Ekberg, der zum wichtigsten Spieler des Turniers gekürt wurde, klar: "Wir wollten diesen Titel unbedingt, doch die Champions League ist der Wettbewerb, in dem ich spielen möchte und den wir aufgrund der schweren, letzten Saison verpasst hatten." Im Herbst wird der THW wieder in die europäische Königsklasse aufsteigen - aufgrund seiner sehr starken Saison in der Bundesliga.

"Zebras" vom eigenen Publikum getragen

Für den THW war es der vierte Erfolg im EHF-Cup nach 1998, 2002 und 2004 - "erstmals im neuen Format", wie der Hallen-Moderator betonte. Die Schleswig-Holsteiner hatten die Organisation des Final Four übernommen und wurde mit einer prächtigen Kulisse belohnt. Weiß und schwarz waren die prägenden Farben im Rund, die THW-Sprechchöre erhallten im Dauertakt. "So eine fantastische Stimmung hatten wir wohl noch nie, und ich habe schon einige Derbys erlebt", meinte Rückraum-Ass Nikola Bilyk. Die Kulisse war ein klarer Heimvorteil und widersprach jeglichem Sportsgeist, der sich eine Ausrichtung eines Finals auf neutralem Boden wünscht.

THW mit makelloser Bilanz zum Sieg

Aber auch auf anderem Terrain hätten die "Zebras" höchstwahrscheinlich triumphiert. Sie waren das beste Team in der Konkurrenz. Zehn Spiele, zehn Siege - das ist eine eindeutige Sprache. Auch das Endspiel bildete da keine Ausnahme. Nach einer anfänglichen Nervosität überzeugte die variable Abwehr beim 26:22-Erfolg über die Füchse Berlin. Die breite Bank dominierte den Gegner. Da konnte Gislason im Rückraum rotieren und den Keeper Andreas Wolff für Niklas Landin bringen, ohne gravierende Leistungsunterschiede auszumachen.

Die Hoffnung auf das Triple lebt

Den Berlinern blieb nur die Resignation. "Da kämpft man die ganze Saison, um in dieses Finale zu gelangen, doch dann fehlte einfach die Kraft", sagte Füchse-Coach Velimir Petkovic. "Die Enttäuschung fällt aber etwas leichter aus, da es ein großartiger Trainer wie Alfred verdient hat, Titel um Titel zu sammeln." Der Gelobte zog derweil Bilanz. "Der Umbruch ist gelungen, der THW hat sehr gute Perspektiven für die Zukunft", sagte Gislason, um dann in die Gegenwart zurückzukehren. "Wir haben noch drei Spiele, und vielleicht kriege ich ja noch ein Geschenk aus Flensburg." Im Rahmen des letzten Derbys gab es eine Flasche Gin für den scheidenden Trainer, eine Niederlage des Landesrivale könnte das Triple aus DHB-Pokal, EHF-Cup und deutscher Meisterschaft komplettieren. Die Entscheidung fällt wohl erst am letzten Bundesliga-Spieltag am 9. Juni.

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Sportclub | 19.05.2019 | 22:30 Uhr