Stand: 20.08.2019 09:29 Uhr

"Recken" schielen wieder nach oben

von Jan Kirschner, NDR.de
Rechtsaußen Timo Kastening ist einer der Hoffnungsträger der "Recken".

Die TSV Hannover-Burgdorf ist inzwischen seit einer Dekade ununterbrochen erstklassig. Zuletzt vollzog sie starke Wellenbewegungen und rutschte nach einer mäßigen Saison vom sechsten auf den 13. Rang im Abschlussklassement ab. Als Konsequenz wurde ein mittelschwerer Umbruch eingeleitet. Geht es nun wieder in die obere Tabellenhälfte? Der Teamcheck.

So lief die vergangene Saison

Die "Recken" tanzten auf drei Hochzeiten, doch der Tanz wurde immer unrhythmischer. Ein großes Verletzungspech torpedierte immer wieder die taktischen Möglichkeiten. Ein langwieriger juristischer Streit mit dem Hallenbetreiber sorgte ebenso wenig für die nötige Ruhe an der Leine. Bezeichnend, dass zu Hause nur acht Siege in 17 Partien glückten. Tiefpunkt war die Heimschlappe gegen den späteren Absteiger Bietigheim, der sechs weitere Niederlagen folgten. Zu Weihnachten steckte die TSV im Abstiegskampf. Letztlich sicherte der Club den Klassenerhalt aber souverän. Im EHF-Cup waren die Füchse Berlin im Viertelfinale eine Nummer zu groß, sodass es in der niedersächsischen Landeshauptstadt in dieser Saison keinen internationalen Handball geben wird. Im DHB-Pokal hätte es fast für einen großen Erfolg gereicht. Die Hannoveraner scheiterten erst im Halbfinale knapp am SC Magdeburg.

Wer kommt, wer geht

Teilweise gewollt, teilweise gezwungen, musste die TSV einen Umbruch einleiten. Bei Linkshänder Kai Häfner konnten die Niedersachsen nicht mit dem Kontrahenten MT Melsungen mitbieten. Als Ersatz für den rechten Rückraum wurde der junge Kroate Ivan Martinovic verpflichtet, der zuletzt beim VfL Gummersbach als bester Torschütze für Aufsehen gesorgt hatte. Im Tor wünschten die "Recken" eine Neuausrichtung, ließen Stammkeeper Martin Ziemer (Füchse Berlin) ziehen und holten den italienischen Nationaltorhüter Domenico Ebner (SG BBM Bietigheim), der zusammen mit dem Slowenen Urban Lesjak das neue Gespann bilden wird. Aufgrund einer hohen Verletzungsanfälligkeit wurde die Zusammenarbeit mit dem Russen Pavel Atman, der zum Champions-League-Sieger Vardar Skopje wechselte, beendet.

Der junge schwedische Spielmacher Alfred Jönsson soll als Alternative zu Angriffsmotor Morten Olsen aufgebaut werden. Rechtsaußen Torge Johannsen und Linksaußen Lars Lehnhoff waren in die Jahre gekommen, der Abwehr-Spezialist Domagoj Srsen erfüllte nicht die Erwartungen. Stattdessen wurden die Nachwuchsleute Vincent Büchner, Jannes Krone und Veit Mävers mit ihren ersten Profi-Verträgen ausgestattet.

Der Trainer: Carlos Ortega

Bild vergrößern
Coach Carlos Ortega will mit der TSV in die Top Ten.

Der Spanier Carlos Ortega kam im Sommer 2017 aus dem dänischen Kolding nach Hannover und sorgte gemeinsam mit seinem Landsmann und Co-Trainer Iker Romero für eine Handball-Blüte am Maschsee. Einen sechsten Bundesliga-Platz hatten die "Recken" zuvor nur 2013 erreicht. Den Abschwung der vergangenen Saison überstand der 48-Jährige aber nicht ohne Schrammen. Gerade seine Kommunikation, die zwischen Deutsch, Spanisch und Englisch wechselt, produzierte Diskussionsstoff. An der fachlichen Qualität von Ortega, der als Spieler mit dem FC Barcelona sechs Mal die Champions League gewann, wird nicht gezweifelt. "Wir haben eine gute Mischung im Kader und wollen wieder um einen Platz unter den besten zehn Mannschaften mitspielen", erklärt der Spanier.

Erwartungen an die Saison

Bei der TSV Hannover-Burgdorf halten die Verantwortlichen ab Platz sieben alles für möglich. Die Spitzenclubs aus Flensburg, Kiel, Magdeburg, Mannheim, Melsungen und Berlin gelten als unerreichbar, aber im Heer der Mittelfeldteams würde man gerne den Ton angeben. "Wir haben uns qualitativ nicht verschlechtert", sagt Sportdirektor Sven-Sören Christophersen. Die Niedersachsen planen, junge Spieler mit Perspektive einzubauen. Aber ob diese Talente auf Anhieb einschlagen, muss abgewartet werden. Wichtig für dieses Vorhaben ist definitiv, dass die erfahrenen Kräfte wie Olsen, der neue Kapitän Fabian Böhm, Linksaußen Christian Ugalde oder die Kreisläufer Ilija Brozovic und Evgeni Pevnov als Steigbügelhalter fungieren können und wollen. Wenn die Verletzungsmisere diesmal ausbleibt, sollte ein zehnter Rang in jedem Fall möglich sein.

Weitere Informationen

TSV Hannover-Burgdorf: Die Recken aus Niedersachsen

Die Recken Hannover-Burgdorf entwickeln sich seit dem Aufstieg in die Handball-Bundesliga 2009 kontinuierlich weiter. News, Spielplan, Ergebnisse, Kader. mehr

Ergebnisse und Tabelle Handball-Bundesliga

Ergebnisse, Tabellenstände und die Spieltage im Überblick. mehr

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 14.08.2019 | 16:25 Uhr