Stand: 13.08.2019 15:48 Uhr

THW Kiel vor dem Saisonstart zurückhaltend

von Jan Kirschner, NDR.de
Der neue Coach Filip Jicha tritt beim THW Kiel in große Fußstapfen.

Zumindest auf lange Sicht wird der THW Kiel deutscher Handball-Rekordmeister bleiben. Allerdings liegt der letzte der 20 Bundesliga-Titel schon vier Jahre zurück. Seit 2015 mussten die "Zebras" der SG Flensburg-Handewitt oder den Rhein-Neckar Löwen den Vortritt lassen. Entsprechend giert das Umfeld nach der 21. deutschen Meisterschaft.

Die THW-Offiziellen äußern sich hingegen zurückhaltend. "Wir sollten die Kirche im Dorf lassen", meinte der neue Chefcoach Filip Jicha am Dienstag auf der offiziellen Saison-Pressekonferenz. "Ich sehe den Hunger in meiner Mannschaft, aber sie muss erst einmal lernen, wie man Meister wird. Aus Respekt tippe ich auf Flensburg." Die Manager-Ebene spürt den Erwartungsdruck offensichtlich stärker. "Wir wollen uns in der Champions League etablieren - und das heißt, dass wir in der Bundesliga an der Spitze stehen müssen", sagte Viktor Szilagyi.

Facelifting auf vielen Ebenen

Der Österreicher ist vom Sportlichen Leiter zu einem der beiden Geschäftsführer aufgestiegen und bildet nun ein Duo mit der langjährigen Geschäftsstellenleiterin Sabine Holdorf-Schust. Überhaupt hat sich der THW einem Facelifting unterzogen. Der Aufsichtsrat stellte sich neu auf, das neue Trainingszentrum in Altenholz erlebte seine erste Bundesliga-Vorbereitung. Und auch Cheftrainer Jicha steht für einen Neuanfang. Der 37-jährige Tscheche gehörte - wie auch sein Assistent Christian Sprenger - 2012 zur erfolgreichsten THW-Mannschaft aller Zeiten und hat nun nach einem "Lehrjahr" unter Vorgänger Alfred Gislason das Zepter an der Seitenlinie übernommen.

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"Er hat in elf Jahren als Trainer des THW so große Spuren hinterlassen, dass ich diese gewiss nicht ausfüllen werde", erklärte Filip Jicha. "Ich werde meinen eigenen Weg gehen. In meiner Karriere bin ich vielen Trainern begegnet, von jedem habe ich mir etwas abgeschaut, was ich dann nach meiner Art modifiziere."

Der neue Coach ließ seine Schützlinge in der Vorbereitung auch mal zu drei Einheiten täglich antreten und setzte dabei gerne auf ein Training in Kleingruppen. Aber ob der Erfahrungsschatz schon für die oberste Kategorie der Handballlehrer reicht? Die Spieler zweifeln nicht daran. "Er leitet das Training so souverän, dass man denkt, dass er es schon seit Jahren machen würde", stellte Patrick Wiencek fest. Domagoj Duvnjak ergänzte: "Filip Jicha war ein überragender Spieler, als Trainer wird er sicherlich genauso erfolgreich sein."

Quenstedt und Horak die einzigen Neuen

Auf dem Transfermarkt agierte der THW diesmal zurückhaltend. Da kein Akteur aus der ersten Sieben ausschied, konnten sich die Verantwortlichen mit Kader-Ergänzungen begnügen. Torwart Dario Quenstedt (SC Magdeburg) möchte zusammen mit Stammkeeper Niklas Landin "ein harmonisches und sehr erfolgreiches Gespann bilden". Der 36-jährige Tscheche Pavel Horak wurde als Alternative für die Deckung verpflichtet. Er sieht seinen Job sehr pragmatisch: "Ich bin so etwas wie ein Handball-Soldat, der die Anweisungen stets zu erfüllen versucht." Unruhe könnte im Laufe der Saison dennoch an der Personalfront entstehen: Immerhin sechs Verträge laufen im kommenden Sommer aus. Zudem wird dann auch der bereits eingetütete Wechsel des norwegischen Rückraum-Asses Sander Sagosen vollzogen.

Start mit fünf Spielen binnen elf Tagen

Ein weiteres Fragezeichen: Wie werden die THW-Profis den prallen Spielplan, bedingt durch die Rückkehr in die Champions League, wegstecken? Schon in den kommenden Tagen kommt es zum Warmstart: zwei Pokalspiele am Wochenende, Supercup am 21. August, Bundesliga-Auftakt am 25. August und nur zwei Tage später die erste Begegnung beim IHF Super Globe in Saudi-Arabien. "Man braucht eigentlich mehr als 365 Tage im Jahr, um angesichts der vielen Spiele und der Belegung der Arena immer mindestens 48 Stunden Abstand zwischen zwei Begegnungen zu haben", erklärte Holdorf-Schust. Die Geschäftsführerin rechnet in der Bundesliga stets mit einem "vollen Haus",auch für die Partien in der Champions League sind bereits 6.000 Dauerkarten verkauft. "Kiel ist und bleibt eine Handballstadt", sagte sie. Die dennoch Sehnsucht nach der 21. Meisterschaft hat.

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Schleswig-Holstein Magazin | 13.08.2019 | 19:30 Uhr

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