Hendrik Pekeler, Niklas Landin und Patrick Wiencek (v.l.) vom THW Kiel © imago images/Norbert Schmidt

THW-Handballer im Corona-Dilemma: Bundesliga beharrt auf Regeln

Stand: 19.02.2021 17:28 Uhr

Aus der Quarantäne fast direkt wieder auf die Platte - ein Wahnsinn, finden die Handballer des THW Kiel. Doch eine Verlegung des Bundesligaspiels gegen Magdeburg wurde abgelehnt. Aus Sicht von HBL-Boss Uwe Schwenker aus gutem Grund.

von Jan Neumann und Jan Kirschner

Der Präsident der Handball-Bundesliga (HBL) bestätigte, dass er in die Diskussion um das Ansinnen des THW eingebunden gewesen sei. "Ich trage die Entscheidung grundsätzlich mit", sagte er dem NDR. Es sei schwierig zu bewerkstelligen, jeder Mannschaft, die wegen eines Corona-Infektionsfalls in Quarantäne müsse, vier, fünf Trainingseinheiten vor dem nächsten Spiel zu gewähren. "Zumal wir vor der Saison entschieden haben, wie wir mit dieser Situation, wie sie jetzt eingetreten ist, umgehen. Und da war auch der THW involviert."

Szilagyi beklagt fehlendes Fingerspitzengefühl

THW-Geschäftsführer Viktor Szilágyi hatte die Entscheidung scharf kritisiert: "Die Jungs haben zwei Wochen lang nur im Wohnzimmer trainiert, durften nicht laufen gehen oder konnten auch nur einen Ball werfen. Da fehlt mir bei der Entscheidung, einer Verlegung nicht zuzustimmen, die Verhältnismäßigkeit und das Fingerspitzengefühl." Die Angst vor Verletzungen sei groß, aber die Punkte am grünen Tisch herzuschenken, sei für die Spieler keine Option gewesen.

Weitere Informationen
THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi gestikuliert am Spielfeldrand. © imago images / wolf-sportfoto

THW Kiel kritisiert HBL: Nur ein Tag Vorbereitung nach Quarantäne

Die Kieler Handballer dürfen erst am Sonnabend wieder trainieren. Am Sonntag steht das Bundesliga-Spiel gegen Magdeburg an. mehr

Das Ansinnen auf eine Spielverlegung prallte an den Statuten der Liga ab, wie Szilágyi bestätigte: "Die HBL-Regularien besagen, dass ein Spiel nur dann verschoben werden kann, wenn mehr als die Hälfte der Mannschaft wegen einer Quarantäne oder aufgrund von Verletzungen nicht zur Verfügung steht." Und das ist am Sonntag nicht mehr der Fall. Die spielleitende Stelle habe sich schlicht an das geltende Regelwerk gehalten, sagte Schwenker. Der Spielplan sei nun mal ambitioniert und das Vorhaben, die Saison wie geplant bis Ende Juni durchzuziehen, schwierig.

Ungleichbehandlung gegenüber Fußball

Alle miteinander seien gut beraten, gelassen mit der Situation umzugehen und sie, auch im gesamtgesellschaftlichen Kontext, so anzunehmen, wie sie ist: "Grundsätzlich sind wir in der komfortablen Situation gegenüber anderen Berufszweigen, dass wir überhaupt unserem Beruf nachgehen können." Gleichwohl habe er ein "gewisses Verständnis" für die Beteiligen, die natürlich keine optimale Vorbereitung auf das Spiel gegen Magdeburg hätten.

TV-Tipp
Handball-Torwart Johannes Bitter © Witters

TV-Tipp: Nationalkeeper Johannes Bitter zu Gast im Sportclub

Außerdem im Sportclub: Stephan Schmidt, U19-Trainer von Hannover 96, der sich zu den Corona-bedingten Rückschlägen von Fußballtalenten äußern wird. mehr

Dass bei einem Corona-Fall sofort eine ganze Mannschaft in Quarantäne müsse, sei eine Ungleichbehandlung gegenüber anderen Sportarten, sagte Schwenker. "Wir brauchen nur in Richtung Fußball gucken." Auch stellte er die Vorgehensweise des Gesundheitsamtes infrage. Die Spieler seien alle zwei Tage getestet worden und auch nach zehn Tagen alle negativ gewesen. Da hätte das Gesundheitsamt seiner Meinung nach flexibler reagieren und den Spielern zumindest erlauben können, in einer Bubble wieder handballspezifisch trainieren zu können.

Schwache Bilanz gegen Magdeburg

Für THW-Trainer Filip Jicha wird es angesichts dieser Nebengeräusche nicht einfach sein, den Fokus auf das Meisterschaftsrennen und auf das Einfahren zweier wichtiger Punkte am Sonntag (16 Uhr) zu lenken. Die Bilanz gegen den SCM ist für den THW Kiel nicht gerade ermutigend. Die letzten vier Bundesliga-Begegnungen gegen Magdeburg gingen allesamt verloren. Darunter auch das bislang letzte Heimspiel gegen die Bördeländer am 17. Februar 2019. Die "Zebras" kassierten damals eine 25:28-Niederlage, die in jener Saison letztendlich die Meisterschaft kostete.

Auf die letzte Zwangspause folgte der CL-Titel

Die Frage, wie die Spieler eine längere, unfreiwillige Unterbrechung kompensieren, haben sie vor nicht allzu langer Zeit schon einmal selbst beantwortet. Im Dezember waren Magnus Landin, Domagoj Duvnjak und Pavel Horak positiv auf das Coronavirus getestet worden. Auch ihre Teamkollegen mussten in Quarantäne. Kurz vor Weihnachten kehrten sie in den Spielbetrieb zurück, wenige Tage später gewannen sie die Champions League in Köln.

Sieben Spiele bis 6. März

In den letzten zwei Wochen trainierten die THW-Akteure ausschließlich in den eigenen vier Wänden. Das individuelle Übungsprogramm soll vergleichsweise intensiver als im Dezember-Heimtraining gewesen sein, um das Fitness-Level zu halten, hieß es. Allerdings ist das Pensum, das nun folgen soll, diesmal auch noch umfangreicher: Nach dem Re-Start gegen Magdeburg folgen bis zum 6. März sechs weitere Spiele - drei pro Woche. Wenn denn alles wie geplant stattfinden kann.

Weitere Informationen
THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi gestikuliert am Spielfeldrand. © imago images / wolf-sportfoto

THW-Geschäftsführer Szilágyi: "Wir können das durchziehen"

Die THW-Handballer sind in Quarantäne. Geschäftsführer Szilágyi will die Saison dennoch mit aller Macht retten. mehr

Flensburgs Trainer Maik Machulla © imago images/foto2press

Handball und Corona - Machulla fordert "kreative Lösungen"

Flensburgs Trainer will die Saison sportlich zu Ende bringen. Kiels Teamarzt sagt, medizinisch sei das kaum zu verantworten. mehr

Tabelle der Handball-Bundesliga © picture-alliance / Sven Simon, NDR.de/Screenshot Foto: Anke Fleig / SVEN SIMON

Ergebnisse und Tabelle Handball-Bundesliga

Ergebnisse, Tabellenstände und die Spieltage im Überblick. mehr

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 21.02.2021 | 23:00 Uhr

Mehr Sport-Meldungen

Wolfsburgs Paulo Otavio (l.) setzt zur Scherengrätsche gegen Hoffenheims Munas Dabbur an, VfL-Torwart Koen Casteels rennt mit. © IMAGO / Michael Weber

Casteels' Zu-Null-Serie reißt - Wolfsburg verliert auch in der Liga

Nach dem Aus im DFB-Pokal hat es den VfL Wolfsburg auch in der Liga erwischt. Bei der TSG Hoffenheim setzte es die erste Niederlage seit dem 3. Januar. mehr