Stand: 17.12.2018 13:01 Uhr

Machulla: Perfektionist mit Fingerspitzengefühl

von Johannes Freytag, NDR.de

"Er kam, sah und siegte", könnte man über Handballtrainer Maik Machulla sagen, der im Sommer 2017 den Trainerposten beim Bundesligisten SG Flensburg-Handewitt übernahm, auf Anhieb deutscher Meister wurde und in der laufenden Saison mit seinem Team gerade die perfekte Hinrunde mit 17 Siegen in 17 Spielen gespielt hat. Doch der Blick zurück zeigt, dass der Erfolg Machulla und seinen Flensburgern nicht zugeflogen, sondern das Ergebnis harter Arbeit ist: Der Anfang vor eineinhalb Jahren war mit zwei Siegen und zwei Niederlagen holprig, am Ende der Hinrunde im Dezember 2017 hatten sich schon sieben Minuspunkte angehäuft. Der Wechsel vom Co-Trainer zum Chefcoach verlief längst nicht so reibungslos, wie es in der Rückschau den Anschein haben könnte.

Schnell aus Anfangsfehlern gelernt

"Er war ein bisschen verkrampft am Anfang", erinnerte sich SG-Rechtsaußen Lasse Svan. Assistenzcoach Marc Bult spürte eine gewisse "Nervosität" beim neuen Chef: "Er wollte alles richtig machen und vor allem alles alleine machen." Aber Machulla lernte schnell: "Er hat gemerkt, dass er Dinge abgeben muss. Und er kann gut damit spielen, was er delegieren kann und was er selber machen muss", sagte Ex-Handballprofi Henning Fritz, der einst mit Machulla in Magdeburg zusammenspielte und sich als enger Freund noch immer regelmäßig mit ihm trifft. So installierte der neue SG-Trainer einen Athletikcoach und stellte den Profis auch einen Psychologen an die Seite. Überhaupt ist Kommunikation für Machulla sehr wichtig: "Er bezieht die Spieler ständig mit in seine Ideen ein", verrät Bult.

Wendepunkt CL-Niederlage in Montpellier

Rückschläge wie die herbe Champions-League-Niederlage in Montpellier (17:29) gehörten zum Flensburger Lernprozess dazu: "Als junger Trainer war es für mich ganz wichtig, so einen Dämpfer zu erleben und dann die Konsequenzen daraus zu ziehen", sagte Machulla und bezeichnete diese Partie, vor allem wegen des anschließenden souveränen Erfolgs beim THW Kiel, als Wendepunkt der Saison, an deren Ende die Meisterschaft stand. Mit dem Titelgewinn fiel "ganz viel Ballast" ab, gab der 41-Jährige zu. Die Erwartungshaltung an ihn als Nachfolger des langjährigen SG-Coaches Ljubomir Vranjes sei sehr groß gewesen. "Die Meisterschaft gibt mir nun viel Sicherheit und zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind."

Akribie und Wohlfühlatmosphäre

Durch den Erfolg sei die Arbeit "ein bisschen einfacher und entspannter" geworden, aber es gebe keinen Grund, sich zurückzulehnen: "Ich arbeite sehr an mir, bin einer, der viel reflektiert und schaut, was man noch optimieren kann", erklärte Machulla, der nach den Spielen mit einem persönlichen Coach analysiert, ob beispielsweise die Auszeiten richtig gesetzt waren, ob die Ansprachen stimmten: "Wie wirke ich auf die Mannschaft ein, wirke ich nervös, sehr angespannt oder bin ich zu locker?" Akribie ist der eine Charakterzug des gebürtigen Greifswalders, auf der anderen Seite setzt der SG-Coach aber auch auf eine Wohlfühlatmosphäre, beispielsweise durch familienfreundliche Trainingszeiten: "Natürlich kann ich auch Training um 16 Uhr ansetzen, dann müssen die Väter weg, wenn die Kinder aus der Schule kommen. Das würde aber nur Unzufriedenheit bringen."

"Titelfavorit? Nein, das ist der THW"

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All diese kleinen Dinge bilden den Grundstock dafür, dass die Flensburger trotz des Umbruchs mit sechs neuen Spielern ohne Punktverlust Tabellenführer sind. "Wenn er diese Konsequenz, diese Lockerheit und Offenheit für neue Themen weiter lebt, dann kann er hier noch einige Titel holen", wagte Freund Fritz eine optimistische Prognose. Ganz so forsch gibt sich Machulla selbst nicht: Eine erneute Meisterschaft sei "ein schönes Ziel und wir sind momentan auf einem guten Weg. Aber wir wissen auch, was in der Rückrunde noch alles auf uns zukommt. Was diese Mannschaft seit Monaten leistet, ist phänomenal, aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht den Spannungsbogen verlieren."

Die Favoritenrolle im Titelkampf schob Machulla dem direkten Verfolger THW Kiel zu, der in der Tabelle vier Punkte Rückstand auf den schleswig-holsteinischen Landesrivalen hat. Der Rekordmeister verfüge über eine "eingespielte Mannschaft", die nur ein einziges Problem habe: "Dass wir noch keine Punkte liegengelassen haben".

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Sportclub | 16.12.2018 | 22:50 Uhr

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