Die Handballer der SG Flensburg-Handewitt klatschen in der leeren "Hölle Nord" ab. © IMAGO / Holsteinoffice

Jetzt live: Flensburg empfängt THW Kiel zum Handball-Derby

Stand: 27.03.2021 10:17 Uhr

Just zum Landesderby hat der THW Kiel der SG Flensburg-Handewitt die Tabellenführung in der Handball-Bundesliga abgeluchst. Holt sich Flensburg in eigener Halle den Spitzenplatz zurück?

von Matthias Heidrich und Thomas Koos

Das Gastspiel der "Zebras" in der "Hölle Nord" steht Corona-bedingt unter besonderen Vorzeichen. "Es ist das erste Derby komplett ohne Zuschauer und ich hoffe auch das letzte. Denn die Fans und die Emotionen gehören dazu", sagte THW-Trainer Filip Jicha dem NDR vor dem Topspiel Zweiter gegen Erster heute (18.05 Uhr, live im Ersten und im Stream bei NDR.de). Gerade in der engen SG-Halle, in der unter normalen Umständen mehr als 6.000 Handball-Anhänger ihr Team nach vorne peitschen.

Das weiß auch Nationaltrainer Alfred Gislason, der dort als Kieler Coach viele Nordduelle bestritten hat: "Die Stimmung in einer vollen Halle in Flensburg ist natürlich phänomenal. Jetzt ist sie so gut wie leer. Das macht sicherlich etwas aus."

"Wir spielen zu Hause, aber ohne Zuschauer. Deswegen ist der Heimvorteil eigentlich nichts wert. Das merkt man in dieser Saison extrem." Maik Machulla

SG-Trainer Maik Machulla hat neben den fehlenden Fans noch ganz andere Sorgen, denn nach den jüngsten Corona-bedingten Absagen der Partien gegen den Bergischen HC und in Melsungen muss der Vizemeister ausgerechnet im Duell mit dem großen Rivalen einen Kaltstart hinlegen. "Es ist dieses Jahr ein bisschen Lotterie. Wir haben seit drei Wochen kein Pflichtspiel absolviert und wären gerne in Bestbesetzung angetreten. Davon profitiert jetzt der THW", sagte der 44-Jährige, der Kiel in der Favoritenrolle sieht. "Die sind richtig gut drauf. Jede Position ist doppelt mit Weltklasse besetzt."

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Landin-Ausfall wiegt schwer beim THW

Den Flensburgern fehlen unter anderen die dänischen Nationalspieler Mads Mensah Larsen und Simon Hald, die sich in Corona-Quarantäne befinden. Das "dänische Problem" trifft allerdings auch den THW, und zwar an einem neuralgischen Punkt: Torwart Niklas Landin, beim Hinspielsieg der Kieler im vergangenen Oktober vor gut 2.000 Zuschauern der Matchwinner, sitzt ebenfalls in häuslicher Isolation. "Er ist ohne Zweifel der beste Torhüter der Welt, deswegen wiegt sein Ausfall schwer für den THW", sagte Gislason.

Jicha vertraut allerdings seinem Team: "Es ist auch für alle anderen die Möglichkeit, sich zu beweisen. Ich bin total überzeugt von unserer Abwehr und unseren Torhütern." Neben Dario Quenstedt wird wie zuletzt schon Routinier Mattias Andersson das Tor der "Zebras" hüten. Kiel hat seinen 42 Jahre alten Torwarttrainer und Ex-Profi, der auch sieben Jahre für Flensburg spielte, als "Landin-Ersatz" in den Kader genommen.

Vorentscheidung im Meisterschaftsrennen?

Gewinnt Titelverteidiger THW (33:3), hat Flensburg bereits sechs Minuspunkte auf dem Konto. Nach dem 29:21 im Hinspiel würde auch der direkte Vergleich, der in dieser Saison bei Punktgleichheit erstmals ausschlaggebend ist, an den Rekordmeister aus Kiel gehen.

Von einer möglichen Vorentscheidung im Titelrennen wollen vor dem Schleswig-Holstein-Duell dennoch weder die Flensburger noch die "Zebras" etwas wissen. "Die Tabelle ist so seltsam wie das gesamte Jahr. Wir leben in einer Pandemie und so fühlt sich die Tabelle auch an", sagte Jicha. Machulla sieht das ähnlich: "Man kriegt zwei Punkte, aber es sind immer noch 20 Spiele zu spielen und 40 Punkte zu vergeben", rechnet er für seine SG vor. "Wir tun uns keinen Gefallen damit, die Liga nur auf Kiel und Flensburg zu reduzieren."

Die weiteren Verfolger wie der Tabellendritte Magdeburg liegen allerdings schon weit hinter dem Spitzenduo zurück. Nationalcoach Gislason, ohnehin ein Freund klarer Worte, legt sich deshalb bei der Titelfrage fest: "Es sind noch viele Spiele zu spielen. Aber es ist jetzt schon klar, dass einer von beiden deutscher Meister wird."

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Dieses Thema im Programm:

Sportschau | 27.03.2021 | 18:05 Uhr

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