Kiels Handballer Steffen Weinhold liegt nach einem Foul am Boden. © imago images / Holsteinopffice

Handball: Weinhold stützt WM-Kritiker Wiencek und Duvnjak

Stand: 17.11.2020 12:57 Uhr

In Steffen Weinhold sieht ein weiterer Profi des THW Kiel die Austragung der Handball-WM im Januar in Ägypten kritisch. Zuvor hatten bereits Patrick Wiencek und Domagoj Duvnjak Bedenken geäußert.

"Aus gesundheitlicher Sicht kann man schon die Frage stellen, ob so ein Turnier mit den momentanen Vorgaben der Regierungen und der weltweiten Infektionslage zusammenpasst", sagte Weinhold den "Kieler Nachrichten". Der 34 Jahre alte Rückraumspieler betonte zudem die Wichtigkeit der nationalen Liga: "Natürlich ist die öffentliche Aufmerksamkeit, die die Nationalmannschaft und der Handball bei einer WM bekommen, extrem wichtig. Aber aus meiner persönlichen Sicht ist es auch extrem wichtig, die Bundesliga durchzubringen."

Wiencek: "Dann würde ich die WM nicht spielen"

Noch deutlicher hatte sich zuvor Wiencek in der ARD geäußert: "Wenn meine persönliche Meinung zählen würde, dann würde ich natürlich die WM nicht spielen. Es gibt nichts Wichtigeres als die Gesundheit. Und das vergessen leider einige Leute ganz schnell." Auch der ehemalige Welthandballer Domagoj Duvnjak, Wienceks Teamkollege in Kiel, hält eine WM aktuell für nicht sinnvoll. "Das ist zu gefährlich", sagte der Kapitän der kroatischen Nationalmannschaft "DAZN".

"Man sollte das absagen. Ich verstehe nicht, dass wir in dieser Situation dorthin fliegen müssen und unbedingt spielen sollen", sagte der Isländer Aron Palmarsson vom spanischen Topclub FC Barcelona, der von 2009 bis 2015 für die "Zebras" auflief.

Jogi Bitter: "Verantwortung unserem Sport gegenüber"

Johannes Bitter, Vorsitzender der Spielergewerkschaft GOAL, hat großes Verständnis für die Skepsis unter den Profis, befürwortet aber auch "Stand jetzt" eine WM-Austragung: "Wir müssen unsere Familien schützen, haben aber auch eine Verantwortung unserem Sport und den Verbänden gegenüber. Wir wissen manchmal selber weder ein noch aus, eine Entscheidung in die eine der andere Richtung kann fatale Folgen haben", sagte der Weltmeister von 2007 der "Sportschau".

Mammut-WM in Ägypten mit 32 Teams

Der Protest prominenter Profis dürfte den Handlungsdruck bei den Entscheidern indes verschärfen. Die Mammut-WM in Ägypten vom 13. bis zum 30. Januar findet erstmals mit 32 Teams statt. Die DHB-Auswahl bestreitet ihre Vorrundenspiele in der Gruppe A gegen Uruguay, Kap Verde und Ungarn in Gizeh. "Stand heute ist es eigentlich undenkbar, dass das reibungslos durchführbar ist", sagte THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi dem NDR.

Gensheimer: "Wir brauchen dieses Turnier"

Allerdings gibt es neben Bitter auch weitere Stimmern, die die Bedeutung des Turniers für den Handball herausheben. "Wir haben einfach die größte Strahlkraft mit der Nationalmannschaft, um unsere Sportart zu repräsentieren", sagte DHB-Kapitän Uwe Gensheimer von den Rhein-Neckar Löwen der ARD. "Jedes Jahr haben wir ein Millionen-Publikum vor den Fernsehern, und das hilft unserer Sportart enorm. Wir brauchen dieses Turnier."

Schwenker fordert Einbeziehung der Spieler

Nachdem zuletzt immer mehr Clubs ihre Abneigung gegen die WM kundgetan hatten, der Deutsche Handballbund aber (auch angesichts eines möglichen Umsatzausfalls von rund drei Millionen Euro) pro Weltmeisterschaft argumentierte, sieht Liga-Präsident Uwe Schwenker den Austausch mit den Profis als elementar an. "Wir können nicht über Köpfe hinweg entscheiden", sagte er der "BamS".

Für Wiencek ein überfälliger Schritt. "Wir sind diejenigen, die auf der Platte stehen. Und wir werden leider in solche Gespräche nicht einbezogen, ob es sinnvoll ist oder nicht", so der THW-Kreisläufer.

VIDEO: THW-Geschäftsführer Szilagyi: "Der absolute Worst Case" (8 Min)

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