Jubel bei Trainer Torsten Jansen (l.) vom HSV Hamburg und der Bank © Witters Foto: Tim Groothuis

Handball: HSV Hamburg behauptet sich "im großen Haifischbecken"

Stand: 08.10.2021 15:48 Uhr

Hamburg ist wieder ein wichtiger Punkt auf der deutschen Handball-Landkarte. Die Spieler des Handball Sportvereins Hamburg, kurz HSVH, haben anscheinend mühelos den Sprung aus der Zweiten in die Erste Liga gemeistert. Was macht sie so stark?

von Florian Neuhauss

Auch im DHB-Pokal lieferten die Hamburger ab. Am Mittwochabend hatten die Hanseaten den Spitzenclub Füchse Berlin am Rande einer Niederlage. Erst durch einen Treffer in den Schlusssekunden mussten sie das Spiel mit 28:29 verloren geben.

Trainer Torsten Jansen sprach einmal mehr in den höchsten Tönen von seinen Profis ("Eine Wahnsinns-Energieleistung"), zu was sein Team imstande ist, überrascht ihn allerdings nicht. "Wir spielen zum großen Teil schon länger zusammen und haben noch ein paar gute Charaktere dazubekommen", sagte der 44-Jährige dem NDR.

Einige Coups auf dem Transfermarkt

Der Aufsteiger überzeugt mit einer guten Mischung aus Talenten und Routiniers. Kannten Namen wie Gertges, Ossenkorp und Wullenweber bis vor Kurzem maximal geneigte Handball-Fans, klingen sie längst nicht zuletzt in den Ohren ihrer Bundesliga-Gegenspieler mächtig nach.

Torhüter Jogi Bitter vom HSV Hamburg © Witters Foto: Tim Groothuis
Torhüter Johannes Bitter ist das alte und neue Gesicht des HSV Hamburg.

Zudem holten die Verantwortlichen des HSVH vor der Saison nicht nur gute Charaktere hinzu, sondern auch richtig viel Qualität. Der Bundesliga-erfahrene Manuel Späth war gerade portugiesischer Meister mit dem FC Porto geworden. Henrik Bo Andersen brachte Champions-League-Erfahrung mit an die Elbe, Casper Mortensen hatte mit dem FC Barcelona die Königsklasse sogar gerade erst gewonnen.

Und dann ist da noch Johannes Bitter, dessen Verpflichtung der größte Coup war - weil eben auch "Barca" um die Dienste des deutschen Nationaltorhüters gebuhlt hatte.

"Natürlich bin ich stolz darauf, was wir mit der Truppe auf die Platte bekommen haben - trotz der Widrigkeiten", sagte Bitter nach der knappen Niederlage gegen die Füchse. "Aber dafür haben wir einen breiten Kader, dass wir auch mal Ausfälle verkraften können."

Team "viele Jahre" zu Selbstständigkeit erzogen

Nach dem jüngsten 31:23 gegen die HSG Wetzlar stehen die Hamburger in der Liga auf Europapokal-Rang fünf. Zu den Highlights der bisherigen Saison gehören auch der Erfolg gegen die Rhein-Neckar Löwen und der Kantersieg bei Bitters Ex-Club in Stuttgart.

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Großen Anteil am Höhenflug hat natürlich auch Jansen. Der gebürtige Rheinland-Pfälzer ist aber längst ein Meister des norddeutschen Understatements und sagt: "Die Jungs sollen Handball spielen - mit ein paar Kleinigkeiten, die vielleicht noch vom Trainerteam kommen. Viele Entscheidungen müssen sie allein treffen. Darauf haben wir sie viele Jahre lang hinerzogen, und das tun wir auch weiterhin so."

Wermutstropfen: Nur 1.895 Zuschauer bei Pokal-Höhepunkt

Besser darf und soll in Zukunft der Zuschauerzuspruch werden. In der 13.000 Besucher fassenden Arena, in der derzeit 5.000 Zuschauer erlaubt sind, verliefen sich im DHB-Pokal nur 1.895 Fans.

Freude beim HSV Hamburg © Witters Foto: Tim Groothuis
Grund zur Freude gibt es beim HSVH genug - nur über den Zuschauerzuspruch nicht.

Weil die heimische Sporthalle Hamburg wegen Problemen mit der Dachkonstruktion bis zum 17. Oktober gesperrt ist, müssen die Handballer aktuell in die große Arena ausweichen.

"Wenn alle schreien, dass sie ihr normales Leben zurück wollen, sich aber nicht solche Spiele angucken, dann fragt man sich schon, wie alles zusammenläuft", sagte Jansen. "Es hat abrupt mit den Zuschauern geendet. Anscheinend geht es nicht so schnell in die andere Richtung." Zwar wurde die Partie auch im TV übertragen. Doch ingesamt gibt es bei den Hamburgern in dieser Hinsicht noch viel Luft nach oben.

Cleverness im Haifischbecken gefragt

Bitter bemängelte, dass dem Team in den Schlussminuten der Begegnung gegen Berlin "ein bisschen die Cleverness gefehlt" habe. Der Drei-Tore-Vorsprung war schnell dahin. Jansen bejahte allerdings schon kurz nach dem Schlusspfiff die Frage, ob sich sein Team nun noch mehr auf die Liga konzentrieren könne, mit einem verschmitzten Lächeln. Und Bitter betonte: "Es gehört zum Lernprozess dazu, dass man im großen Haifischbecken so ein Spiel auch mal verliert." Es kommt für einen Aufsteiger bereits überraschend selten vor.

Am Sonntag gegen Flensburg

Nächster Prüfstein ist am Sonntag (16 Uhr) die SG Flensburg-Handewitt. Die Chancen auf einen Heimsieg im Nordduell stehen möglicherweise nicht schlecht. Schließlich ist der von Verletzungen gebeutelte deutsche Vizemeister am Mittwoch in Erlangen wie die Hamburger frühzeitig im DHB-Pokal gescheitert - im Gegensatz zum HSVH allerdings überraschend. Knapp 6.000 Karten sind für die Partie bereits verkauft worden. Dafür müssen einige Blöcke im Oberrang geöffnet werden. Auch das: vielversprechend.

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VIDEO: HSV-Hamburg-Torwart Bitter: "Wir sind wieder da" (7 Min)

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 07.10.2021 | 19:30 Uhr

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