Stand: 26.05.2020 13:45 Uhr

Gehaltsverzicht im Handball: "Anders wird es nicht gehen"

Die goldenen Zeiten sind vorerst passé - auch im Handball.

Das Thema Gehaltsverzicht ist ein heißes Eisen - in der Corona-Krise wird es im Sport aber vielerorts als unverzichtbar im Überlebenskampf angesehen. Nach der Deutschen Eishockey Liga (DEL) fordert auch die Handball Bundesliga (HBL) einen deutlichen Gehaltsverzicht der Spieler vor einem Neustart. "Da braucht man keine Rechenkünste zu haben, da muss etwas passieren", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann. Es werde beim geplanten Neustart im Handball nicht so weitergehen können wie vor der Corona-Krise: "Wir werden hart an den Kosten schrauben müssen, anders wird es nicht gehen." Die Gehälter machen in der HBL momentan rund 65 Prozent der Kosten für die Vereine aus, in der zweiten Liga sind es sogar über 70.

Bohmann: Grundverständnis von Spielern da

Ähnlich wie in der DEL schwebt den Handball-Machern eine Größenordnung von 25 Prozent vor.

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Dies sei grundsätzlich ein "realistischer Wert", sagte Bohmann, aber "kein Patentrezept, teilweise wird der Verzicht in einigen Clubs auch deutlich höher ausfallen müssen." Anders als beim Eishockey sollen derartige Verabredungen aber nicht Bestandteil der Lizenzunterlagen werden. "Das ist aus meiner Sicht eine Vereinbarung, die zu Lasten Dritter getroffen wird. Das ist nicht unser Weg", sagte Bohmann. Es müsse "auch sichergestellt werden, dass die Spieler bei positiver finanzieller Entwicklung sofort partizipieren". Aus Gesprächen mit Johannes Bitter von der Spielergewerkschaft Goal wisse er, dass "ein Grundverständnis für die schwierige Situation auf Spielerseite da ist".

Aktuelle Vereinbarungen laufen bis 30. Juni

Neben den voraussichtlich durch sogenannte Geisterspiele geringeren Zuschauer-Einnahmen dürfte die HBL auch mit reduzierten Sponsoring-Erlösen zu kämpfen haben. Die bereits geltenden - und weitgehend geräuschlos erzielten - Vereinbarungen mit den Spielern laufen bis zum 30. Juni. "Die Vereine, und das ist ganz wichtig, wollen die Gehälter nicht drücken, um sich die Taschen voll zu machen, sondern um schlicht und einfach überhaupt weiter Handball spielen zu können", erklärte Bohmann.

THW Kiel wurde "Sofa"-Meister

Die HBL hatten ihre Saison im Zuge der Corona-Krise nach wochenlangen Diskussionen im April abgebrochen. Der THW Kiel wurde am grünen Tisch zum "Sofa"-Meister erklärt, die TSV Hannover-Burgdorf qualifizierte sich für die Euro League, die HSG Nordhorn-Lingen musste nicht absteigen. Im September oder spätestens im Oktober soll die neue Saison starten, Mitte Juni soll darüber entschieden werden.

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Sport aktuell | 26.05.2020 | 14:25 Uhr