HSV-Handballer Leif Tissier in der Hamburger Arena beim Zweitliga-Handballspiel gegen ThSV Eisenach © Witters

HSV-Handballer: Der letzte Schritt ist oft der schwerste

Stand: 16.06.2021 15:37 Uhr

Den Zweitliga-Handballern des HSV Hamburg fehlt nur noch ein Punkt zur Rückkehr in die Bundesliga. Heute könnte auf dem Sofa der Aufstieg gelingen. Dafür müsste Konkurrent VfL Gummersbach patzen.

von Christian Görtzen

Elbflorenz - das klingt eigentlich nach einem perfekten Ziel für eine schöne Gruppenreise. Die HSV-Handballer haben am Sonntag indes die Erfahrung gemacht, dass ein melodischer Name nicht zwangsläufig ein himmlisches Erlebnis zur Folge haben muss. Denn für Trainer Torsten Jansen und seine Mannschaft war es dies ganz und gar nicht. Vielmehr eine extreme Enttäuschung. Auch wenn der HSV im Dreikampf um die langersehnte Rückkehr in die Bundesliga weiterhin alle Trümpfe in den Händen hält.

Durch das 31:37 beim HC Elbflorenz 2006 aus Dresden, zugleich die höchste Saisonniederlage, muss der deutsche Meister von 2011 und Champions-League-Sieger von 2013 zumindest länger auf den Sprung nach oben warten - zurück in die Bundesliga, wo der Verein einst dank der millionenschweren Zuwendungen seines Mäzens Andreas Rudolph viele Jahre lang ein absolutes Top-Team war. Es spricht zwar vieles dafür, dass die Norddeutschen nur noch einige Tage weiter werden ausharren müssen, und nicht mindestens eine zusätzliche Saison. Aber: Fix ist eben noch nix, nachdem beim Tabellenvierten Elbflorenz der erste Matchball kläglich vergeben wurde. Der letzte Schritt ist oft der schwerste.

VIDEO: Sportclub Story: Aufstieg und Fall des HSV Handball (30 Min)

Tabellenzweiter HSVH fünf Pluspunkte vor Gummersbach

Zwei Spieltage vor Saisonende liegt nun der TuS N-Lübbecke dank der besseren Tordifferenz vor den punktgleichen Hamburgern (beide 54:14) auf dem Spitzenplatz. Die ersten beiden Teams steigen in die Bundesliga auf. Der Dritte VfL Gummersbach hat zwar erst 49:17 Zähler auf seinem Konto, aber auch noch drei Partien auszutragen. Mit drei eigenen Siegen und jeweils zwei Niederlagen eines der anderen beiden Kontrahenten könnte der zwölfmalige deutsche Meister noch vorbeiziehen.

HSVH-Profi Weller: "Nächste Chance nutzen"

Trotz des Wissens um die weiterhin gute Ausgangslage sei bei ihm nach der Niederlage in Dresden natürlich der "Frust riesig", sagte Niklas Weller dem NDR. Der erfolgreichste Gästespieler (acht Tore) ergänzte aber schnell: "Wir haben uns die Situation so erarbeitet, dass wir mehrere Chancen haben. Und deswegen werden wir uns nach ein paar Tagen des Nachdenkens daran machen, dass wir die nächste Chance in jedem Fall nutzen." Es gehe nun darum, "schnell die Köpfe frei zu bekommen", konstatierte Coach Jansen.

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Hausmann: "Dafür brennt man doch als Handballer"

Rückraumspieler Jannik Hausmann gewann dem Rückschlag gar flugs eine positive Seite ab: "Natürlich ist die Erwartungshaltung extrem hoch, aber deswegen machen wir es doch - dass alle darauf gucken, wenn es richtig um etwas geht. Da bekomme ich jetzt schon eine Gänsehaut. Dafür brennt man doch als Handballer." Er bezog sich damit auf das nächste Heimspiel des HSVH am Dienstag kommender Woche gegen den ASV Hamm-Westfalen. Dann wollen die Hanseaten den noch fehlenden Punkt holen.

Oder schon heute der Aufstieg auf dem Sofa?

Vielleicht aber ist das gar nicht nötig. Denn sollte Gummersbach heute Abend (19 Uhr) sein Nachholspiel nicht gewinnen, wäre Hamburgs Aufstieg vorzeitig perfekt, da bei Punktgleichheit der direkte Vergleich zugunsten des HSV spräche. Gegner des VfL ist dann - der HC Elbflorenz, der Partycrasher für das Jansen-Team am Sonntag. Punkten die Sachsen, könnten die Hamburger ihre Aufstiegssause dank der Hilfe ihres Bezwingers schnell nachholen. Wie es bei einem Aufstieg auf dem Sofa um die Gänsehaut bestellt sein würde, müsste sich erweisen. Sicherlich würde aber für den HSVH der Name Elbflorenz wieder einen melodischen Klang haben.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 13.06.2021 | 19:30 Uhr

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