Stand: 31.03.2009 22:25 Uhr  | Archiv

HBL: Witte bleibt Präsident

Das Präsidium der Handball-Bundesliga (HBL) hat seinem Vorsitzenden Reiner Witte den Rücken gestärkt. "Wir sind nicht der Meinung, dass Herr Witte seine Ämter ruhen lassen muss", sagte HBL-Vize Werner Fischer nach einer turnusmäßigen Präsidiumssitzung am Dienstag in Hamburg. Damit widersprach das Gremium einstimmig der Forderung des HSV-Präsidenten Andreas Rudolph vom Vortag, Witte solle sein Amt bis zur Klärung der Manipulationsvorwürfe gegen den Bundesligisten THW Kiel ruhen lassen.

"Habe mir nichts vorzuwerfen"

Rudolph hatte seinen Vorstoß mit der früheren Aussage Wittes begründet, er sei "in dieser Angelegenheit befangen und mit Uwe Schwenker freundschaftlich verbunden". Zudem habe der HBL-Chef die Vorwürfe "offensichtlich vorschnell zu den Akten gelegt". Dies habe nur Anlass zu weiteren Spekulationen gegeben. "Ich habe mir in dieser Sache nichts vorzuwerfen", sagte Witte nun. Er werde das normale Tagesgeschäft weiter erledigen, bei allen Entscheidungen, die den THW Kiel betreffen, aber wie bisher keine Stimme abgeben. Rudolphs Aussage, bei einem Besuch auf seinem Anwesen auf Mallorca habe THW-Manager Schwenker im Sommer 2007 über Schiedsrichterbestechung gesprochen, rückte Witte in ein anderes Licht. Die Erklärung des HSV-Chefs, die dieser vor rund drei Wochen in Hamburg dem Präsidium gegeben hatte, "wich inhaltlich von dem ab, was er gestern gesagt hat", sagte Witte. Laut Rudolph soll Schwenker geäußert haben: "Andreas, die Champions League werdet ihr nie gewinnen. Ich brauchte lange, um zu erfahren, dass dafür Schiedsrichter bestochen werden müssen."

HBL-Präsidium: Nicht zuständig

Das HBL-Präsidium erklärte, sich für die angeblichen Manipulationsversuche des THW in der Champions League nicht zuständig zu fühlen. Diesen Sachverhalt müssten die Gremien des europäischen Dachverbands EHF klären. "Wenn in Holland jemand bei Rot über die Ampel fährt, dann kann er dafür in Deutschland nicht bestraft werden", so Witte: "In der Bundesliga haben keinerlei Manipulationen stattgefunden." Selbst beim Nachweis von Bestechungen in der Champions League drohen dem THW in der Bundesliga keine Sanktionen. Der deutsche Rekordmeister muss weder Geldstrafen noch den Zwangsabstieg aus dem deutschen Oberhaus befürchten. "Die HBL hat in diesem Fall keine Sanktionsmöglichkeiten, da es nicht die Zuständigkeit der Bundesliga betrifft", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann.

Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung

Auf der Sitzung brachte die Verbandsspitze indes mehrere "Maßnahmen zur Reduzierung des Manipulationsrisikos in internationalen Wettbewerben" auf den Weg. So sollen "bindende Ethik- und Verhaltensregeln für Mitglieder und Funktionsträger" erarbeitet, eine "Analyseroutine für auffällige Spiele" eingeführt und Sportwetten genauer beobachtet werden. Zudem sollen Maßnahmen für die Schiedsrichter ergriffen werden, um die Anfälligkeit für Korruption zu senken. Ihre Ansetzungen sollen unter anderem auch in der Bundesliga - wie auf internationaler Bühne - künftig erst kurz vor Spielbeginn bekannt gegeben werden. Diese Themen werden auch bei der Aufsichtsratssitzung an diesem Mittwoch in Frankfurt/Main behandelt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 31.03.2009 | 22:40 Uhr

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