Maik Machulla von der SG Flensburg-Handewitt © imago images/Aleksandar Djorovic

Corona: Handball-Spiele von Flensburg, Kiel und Hannover abgesagt

Stand: 11.11.2020 16:29 Uhr

Die Corona-Fälle im deutschen Nationalteam haben auch für die Nordclubs gravierende Folgen: Die Handball-Bundesliga (HBL) sagte am Mittwoch die Spiele der SG Flensburg-Handewitt, der TSV Hannover-Burgdorf und des THW Kiel ab.

Nach dem positiven Test bei Nationaltorhüter Johannes Bitter (TVB Stuttgart) gaben die Füchse Berlin den Corona-Fall Marian Michalczik bekannt. Zudem befinde sich Nationalmannschaftskollege Paul Drux in vorsorglicher Selbst-Isolation. Der THW sollte eigentlich am Donnerstag gegen die Hauptstädter spielen, Hannover-Burgdorf zeitgleich gegen Frisch Auf Göppingen. Da zwei Spieler der Schwaben allerdings von der jüngsten Länderspielreise - am Donnerstag in Düsseldorf gegen Bosnien-Herzegowina und am Sonntag in Estland - zusammen mit Bitter im Auto nach Stuttgart zurückgekehrt waren, gelten sie als besonders gefährdet.

"Jetzt haben wir den Salat." HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann

Die HBL wies darauf hin, dass "nach wie vor eine Infektionsgefahr nicht gänzlich auszuschließen ist" und deshalb vorsorglich alle Spieler und Personen in ihrem Umfeld geschützt werden müssten. Darum sagte die Liga vorsorglich auch die Begegnung der Flensburger gegen MT Melsungen ab. Beide Teams hatten zusammen sieben Profis für die Länderspiele abgestellt. Die übrigen vier Mittwochspartien, darunter HSG Nordhorn-Lingen - Ludwighafen, werden wie geplant ausgetragen.

Sorgen der Spieler bestätigen sich

Mit den bestätigten Befunden im Team von Bundestrainer Alfred Gislason ist der Fall eingetreten, den viele Profis vor den Partien in der EM-Qualifikation befürchtet hatten. "Ich habe ein schlechtes Gefühl", hatte Hendrik Pekeler vom THW Kiel vor der Abreise dem NDR gesagt. "Es kommt nicht überraschend, dass nach der Nationalmannschaftswoche Spiele verschoben werden müssen", sagte am Mittwoch Kiels Manager Viktor Szilágyi, der im Vorfeld gewarnt hatte: "Es ist doch logisch, wenn Spieler aus verschiedenen Clubs und Ländern zusammenkommen, dass dann das Infektionsrisiko erhöht ist."

Frank Bohmann © picture alliance / dpa

AUDIO: Frank Bohmann: "Wir können nicht viele Spiele nachholen" (5 Min)

Die Absage treffe den THW "sehr hart". Ob die darauffolgende Partie der Kieler am Sonntag beim Bergischen HC stattfinden könne, "werden wir wohl erst einen Tag vorher beantworten können", so Szilágyi. Spielverlegungen seien für alle Clubs "eine große Herausforderung".

Bitter: Ursache der Infektion "unerklärlich"

Wo und wie Bitter sich mit dem Virus angesteckt haben könnte, wusste der Routinier selbst nicht. "Für mich ist unerklärlich, was Ursache der Infektion ist", sagte der Torhüter. "Wir Nationalspieler haben uns während des gesamten Lehrgangs sehr sicher gefühlt. Die Abläufe waren sehr gut und professionell."

Die letzte Hoffnung auf einen "falsch-positiven" Test hatte sich mit dem zweiten positiven Ergebnis am Dienstagabend zerschlagen. Bitter ist - wie auch Michalczik - weiter ohne Symptome und befindet sich bereits seit Montag in häuslicher Quarantäne. Der DHB hatte schon nach dem ersten positiven Test seine Empfehlung bekräftigt, dass Bitters unmittelbare Kontaktpersonen zunächst nicht am Training in ihren Vereinen teilnehmen sollten.

Schmäschke: "Spielabsage sehr zu bedauern"

Bei Hannover-Burgdorf wird normal trainiert, weil alle Corona-Tests der zurückgekehrten Nationalspieler und auch der übrigen Akteure negativ ausgefallen waren. SG-Nationalspieler Franz Semper werde indes auf "freiwilliger Basis vorerst von der Mannschaft isoliert und täglich auf das Coronavirus getestet", teilten die Flensburger mit. Trainiert wird ohne ihn. "Die Spielabsage ist sehr zu bedauern, aber sie entspricht den Vorsichtsmaßnahmen und dem verantwortungsvollen Umgang mit den Spielern", unterstrich Flensburg-Handewitts Geschäftsführer Dierk Schmäschke. "Wir hoffen natürlich, dass alle SG-Spieler auch weiterhin infektionsfrei bleiben. Wir werden uns leider mit solchen Situationen auch in Zukunft arrangieren müssen."

"Man hat gesehen, welche Risiken solche Reisen quer durch Europa mit sich bringen." SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke

Schmäschke ist bewusst, "dass sich Spieler auch im Verein infizieren können" - nicht zuletzt in der Champions League. "Es war klar, dass wir einige Spiele unter diesen Bedingungen verlegen müssen. Es dürfen nur nicht zu viele werden", so der Flensburger Manager.

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"Wir finden die Situation natürlich blöd, aber wir sitzen in einem Boot", erklärte HBL-Boss Bohmann, der ebenfalls vor dem erhöhten Infektionsrisiko bei Länderspielen gewarnt hatte: "Es sind nach DHB-Auskunft alle Vorgaben des Hygienekonzepts akribisch eingehalten worden, daher ist niemandem ein Vorwurf zu machen."

Weitere Länderspiele stehen in diesem Jahr nicht mehr an. Bohmann kündigte trotzdem an, "künftig bei jeder Maßnahme, jede Abstellung von Nationalspielern sorgfältig" zu überprüfen. Damit ziehe die Liga "Lehren aus den aktuellen Vorfällen". Der Ligabetrieb dürfe in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht gefährdet werden. Schmäschke hofft, dass die Bundesliga den Spielbetrieb "in irgendeiner Form" aufrechterhalten kann.

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Sport aktuell | 11.11.2020 | 11:25 Uhr

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