Stand: 01.09.2013 14:23 Uhr  | Archiv

"Pissverein" - Lieberknecht platzt der Kragen

von Thomas Luerweg, NDR.de
Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht (r.) stützt den Kopf auf. © dpa-bildfunk Foto: Peter Steffen
Braunschweiger Frust: Torsten Lieberknecht (r.) ist bedient.

Es waren ungewohnte Töne aus dem Mund des Braunschweiger Trainers Torsten Lieberknecht, die er sichtlich erregt nach der 0:4-Pleite beim HSV ins NDR Mikrofon sagte: "Es gab dann wieder Momente, wo Du merkst, Du bist dieser kleine Pissverein. Du bist dieser Pissverein, der auch bei den Schiedsrichtern nicht diese Wahrnehmung hat. Sind es 50:50-Entscheidungen, fallen sie immer für den Großen aus. Und damit kämpfen wir." Starker Tobak aus dem Mund eines Mannes, der sonst als besonnen und beherrscht gilt und der entscheidenden Anteil daran hat, dass die Eintracht ins Fußball-Oberhaus zurückgekehrt ist. Und ein Indiz dafür, wie tief der Frust in Braunschweig sitzt.

Torsten Lieberknecht © fishing4

AUDIO: Lieberknecht: "Nur ein kleiner Pissverein" (4 Min)

Angefressener Trainer hadert mit dem Pech

Die vierte Niederlage im vierten Spiel hat offensichtlich Spuren hinterlassen, Fußballlehrer Lieberknecht zeigte sich dünnhäutig und angefressen: "Ich bin nicht ungeduldig, ich bin erbost darüber und enttäuscht, dass das, was wir jeden Tag abrufen, nicht belohnt wird." Noch in der Vorsaison gab die Eintracht ein ganz anderes Bild ab: Lieberknechts Team versetzte die Zweite Liga in Erstaunen und konnte die Trainingsleistungen ausgezeichnet auch in den Spielen abrufen. Der Frust darüber, dass dies in der neuen Saison nicht gelingen will, sitzt beim Architekten des Erfolgs tief: "Ein erster abgefälschter Fuck-Ball geht dann rein. In dem Spiel gegen Frankfurt war es genau dasselbe: Was war das 1:0 für ein Tor? Ein abgefälschtes Scheißding war das, sowas kotzt mich an", wetterte er.

Rundumschlag in alle Richtungen

Die Angst davor, von Beginn an chancenlos im Tabellenkeller zu versinken, ist greifbar. Lieberknecht witterte eine Benachteiligung seines Teams: "Es ist nicht nur so, dass meine Mannschaft auf dem Platz kämpft wie die Berserker und alles versucht, sondern wir müssen mit viel mehr Dingen kämpfen." Längst drängen sich Vergleiche mit anderen Clubs auf. Etwa mit Greuther Fürth, die in der Vorsaison nicht die nötige Qualität für den Erstliga-Alltag hatten und die finanziell mit den Etats der Ligakonkurrenz einfach nicht mithalten konnten. Auch Braunschweig könnte Verstärkungen gut gebrauchen, besonders in der Defensive. Doch kurz vor dem Ende des Transferfensters sind diese nicht in Sicht. Das war wohl auch Lieberknecht klar, als er nach den 0:4 in alle Richtungen austeilte: "Und dann wirst Du hier noch von vierten Offiziellen zugetextet, weil Du einmal irgendetwas Vernünftiges sagst und das ist diese Pisswahrnehmung, die Du hast als kleiner Verein."

Richtungsweisende Partie gegen Nürnberg

Die Partie gegen Nürnberg nach der Länderspielpause am übernächsten Sonntag (17.30 Uhr) dürfte eine wichtige Weichenstellung sein und Auskunft darüber geben, ob die Eintracht auf Augenhöhe mit anderen Teams der Liga agieren kann. Vielleicht fällt dann eine 50:50-Entscheidung ja auch einmal zugunsten der Braunschweiger.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 31.08.2013 | 15:00 Uhr

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