Stand: 23.08.2012 09:20 Uhr  | Archiv

Golz: "Ich bin stolz auf so viele Spiele"

von Florian Neuhauss, NDR.de
Rodolfo Cardoso (v.l.), Soner Uysal und Richard Golz vom HSV. © imago/cp24
Arbeitsplatz Gartenstuhl: Richard Golz (r.) bei der U23 des HSV.

Die Bundesliga ist in ihrer 50. Spielzeit. "Bis auf den Wettskandal in den 1970er-Jahren war die Bundesliga immer ein großartiger und spannender Wettbewerb", sagt Richard Golz. Der ehemalige Profi-Torwart muss es wissen, hat er doch selbst in 453 Spielen der deutschen Beletage für den Hamburger SV und den SC Freiburg auf dem Platz gestanden. Heute arbeitet Golz bei den "Rothosen" als Co-Trainer in der U23 und Coach der Nachwuchstorhüter - schließt aber bald auch sein bereits zweites Studium ab. Mit NDR.de sprach der 44-Jährige über seine Karriere und erklärt, womit er unsterblich geworden wäre.

Herr Golz, mit 453 Bundesliga-Spielen werden Sie auch nach 50 Jahren Bundesliga auf dem 24. Platz der ewigen Bestenliste liegen. Was bedeutet Ihnen diese Zahl?

Golz: Ich bin schon stolz darauf, so viele Partien absolviert zu haben. Und das bei lediglich zwei Vereinen. Bei meiner letzten Station in Hannover war ich ja nur körperlich existent, kam aber nicht mehr bei den Profis zum Einsatz. 50 Jahre Bundesliga - so ein Jubiläum passiert halt mal. Aber dass ich bei diesem Volksvergnügen eine Rolle gespielt habe, ist schon toll.

An welche Momente Ihrer Karriere erinnern Sie sich denn besonders gern zurück?

Golz: Da gibt es einige: tolle Spiele im Europa-Pokal oder der Aufstieg mit Freiburg im Sommer 2003. In besonderer Erinnerung bleibt mir aber natürlich mein erstes Spiel im Sommer 1987. Ich hatte gerade erst meinen Vertrag beim HSV unterschrieben und plötzlich stand ich am ersten Spieltag im Tor. Wir haben gegen Schalke 5:2 gewonnen.

Und was waren die bittersten Momente?

Golz: Ich bin ja mit Freiburg zweimal abgestiegen. Am bittersten war es 2002. Da haben wir beim FC St. Pauli 0:1 verloren und ich habe mich schwer verletzt. Nach einem Sehnenabriss im Oberschenkel konnte ich vier Monate lang kein Spiel mehr machen. Ibrahim Tanko musste schon während der Partie mit einem Kreuzbandriss raus, Abder Ramdane sah Rot. Von da an ging bei uns gar nichts mehr. Dabei haben wir in der Saison im UEFA-Pokal gespielt.

"Mit einem Tor wäre ich in die Annalen eingegangen"

Wie war das eigentlich, als Sie beim HSV unter Felix Magath in Rostock 1996 im Sturm ranmussten?

Golz: Das war kurios, aber nicht ganz spontan. Magath hatte vorher schon angekündigt, dass es dazu kommen könnte, weil uns die Alternativen ausgegangen sind. Ich habe zehn Minuten als Stürmer gespielt und noch zwei Viertelchancen. Hätte ich getroffen, wäre ich mit der Nummer in die Annalen der Bundesliga eingegangen.

Der junge Torhüter Richard Golz vom HSV. © imago/Kicker/Eissner
Der junge Keeper Richard Golz 1989 im Tor des Hamburger SV.

War es schwierig, nach der langen Zeit Hamburg im Jahr 1998 Richtung Freiburg zu verlassen?

Golz: Natürlich, ich habe mit der Jugendzeit insgesamt 13 Jahre beim HSV gespielt. Dementsprechend groß war dann der Schritt. Anfangs habe ich mich auf dem Trainingsplatz noch manchmal gefragt: "Was machst du hier eigentlich?" Aber insgesamt waren die acht Jahre eine tolle Erfahrung. Es war alles anders als in Hamburg. Aber wahrscheinlich hat es gerade deshalb wahnsinnig viel Spaß gemacht.

Sie haben schon früh in Ihrer Zeit in Freiburg ein Fernstudium zum Sportmanager abgeschlossen und dann auch noch ihre Trainer-A-Lizenz gemacht. War es Ihnen so wichtig, sich auf die Zeit nach der Karriere einzustellen?

Golz: Ich habe früh angefangen, mich zu orientieren. Außerdem hat es mir immer gut getan, etwas zu machen, das über den Fußball hinausgeht. Ich war immer ganz froh, auch andere Dinge im Kopf zu haben.

Die Aufgabe in der Freiburger Marketing-Abteilung, die Sie in Ihrer letzten Saison beim SCF schon innehatten, war aber nicht das Richtige?

Golz: Ich habe in der Zeit einen neuen Verein gesucht. Es war also klar, dass das nur übergangsweise sein würde. Ich weiß auch noch nicht, ob ich weiter als Trainer arbeite. Ich schließe demnächst ein Hochschulstudium im Bereich Sport- und Eventmanagement in Österreich ab.

"Ich habe meine Karriere voll ausgereizt"

Trainer Volker Finke (l.) und Torhüter Richard Golz vom SC Freiburg. © imago/Heuberger
Die Zeit unter Volker Finke (l.) hat Richard Golz "sehr geprägt".

Fiel es Ihnen schwer, Ihre Fußball-Schuhe an den Nagel zu hängen?

Golz: Ich wollte und habe meine Karriere bis zum letzten Moment ausgereizt. Ich wache morgens auf und es tut nicht alles weh. In Hannover hatte ich noch einmal zwei Jahre lang großen Spaß. Dort habe ich auch das beste Teamerlebnis meiner Karriere gehabt. Das war ein schöner Abschluss meiner 21-jährigen Zeit als Profi. Und das meine Familie und ich damit in den Norden zurückkehren konnten, war auch schön.

Wie sieht Ihr Tag in Hamburg denn nun aus?

Golz: Der hat manchmal zu wenige Stunden. Die U23 des HSV trainiert ja teilweise auch vormittags. Danach fahre ich zum Torwarttraining in Norderstedt mit den Keepern von U15 bis U23. Und wenn die Familie abends ins Bett geht, sitze ich oft noch am Schreibtisch und lerne.

Die "Welt" schrieb 2008: "Es würde überraschen, wenn Richard Golz nicht eines Tages selbst auf der Trainerbank eines Proficlubs anzutreffen wäre." Ist das überhaupt noch eine Option?

Golz: Ich kann das heute mit ziemlicher Sicherheit ausschließen. Der Journalist hat es damals gut gemeint. Aber um überhaupt für den Fußball-Lehrerschein zugelassen zu werden, müsste ich zum Beispiel erst einmal eine eigene Mannschaft trainieren. Was ich bisher noch nicht gemacht habe.

Haben Sie einfach nicht den richtigen Coach gehabt? Trotz Profi-Arbeit unter Möhlmann, Finke, Magath, Hecking und anderen haben Sie einmal Happel und Ristic als Ihre Lieblingstrainer bezeichnet.

Golz: Ich habe die beiden als Jugendlicher im Training beim HSV erlebt. Aber Sie haben Recht, ich müsste wohl auch noch Volker Finke dazunehmen. Die Arbeit mit ihm in Freiburg war sehr speziell, aber auch sehr prägend. Er ist ganz anders als alle anderen und hat gezeigt, was man damit alles erreichen kann. Ich glaube aber nach meinen Erfahrungen nicht, dass der Job als Bundesliga-Cheftrainer etwas für mich ist.

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 05.06.2012 | 10:25 Uhr

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