Stand: 05.02.2018 09:00 Uhr  | Archiv

Pagelsdorf: Erfolgreich an Ostsee und Elbe

Trainer Frank Pagelsdorf hat die größten Erfolge seiner Karriere im Norden gefeiert. Als Spieler bestritt er 236 Bundesliga-Partien, einen Namen machte sich Pagelsdorf aber vor allem als Coach in Rostock und Hamburg. Der Hannoveraner stieg mit Hansa in die Bundesliga auf und spielte Champions League mit dem HSV.

Als einer der wenigen hat Pagelsdorf in Ost und West sehr erfolgreich als Trainer gearbeitet. Bei Union Berlin - damals drittklassig - lernte er direkt die Härten des Profi-Business kennen. Zweimal gelang den Köpenickern sportlich der Aufstieg in die Zweite Liga, doch der DFB verweigerte jeweils die Lizenz. Zur Saison 1994/1995 übernahm Pagelsdorf in Rostock das Ruder. Er führte die Hanseaten in seinem ersten Jahr gleich zum Wiederaufstieg in die Bundesliga. Noch höher einzuschätzen ist allerdings die Leistung, die Kogge im darauf folgenden Jahr bis auf Rang sechs des Oberhauses geführt zu haben. Die Rostocker wären sogar um ein Haar in den UEFA-Cup eingezogen. Erst am letzten Spieltag verloren sie nach einem 0:1 gegen den 1. FC Köln den fünften Platz an den Hamburger SV. Das zweite Jahr in der Beletage gestaltete sich zwar schon schwieriger, aber Hansa hielt erneut ungefährdet die Klasse.

HSV kehrt unter "Pagel" zurück nach Europa

Für Pagelsdorf folgte nun trotzdem der nächste Schritt auf der Karriereleiter: Er zog weiter zum HSV. Der Start in Hamburg war holprig, Pagelsdorfs Team steckte in der Saison 1997/1998 lange Zeit im Abstiegskampf. Ein Last-Minute-Sieg im Derby gegen Werder brachte schließlich die Wende zum Besseren. Unvergessen, wie Pagelsdorf mit Torschütze Anthony Yeboah Arm in Arm und mit Tränen in den Augen den Sieg feierte. Nach den Plätzen neun und sieben führte er die Hamburger im Jahr 2000 auf Platz drei der Bundesliga und damit in die Champions League. Nach langen Jahren des Darbens war der Verein endlich wieder dort, wo er seiner Selbsteinschätzung nach hingehört. Zwar schieden die Hanseaten nach der Vorrunde aus, das 4:4 gegen Juventus Turin gehört jedoch zu den größten Spielen in der ruhmreichen Vereinsgeschichte. "Das war etwas, was ich so noch nicht gesehen hatte: Meine Mannschaft hat ein so unglaubliches Tempo an den Tag gelegt, dass sie Juventus in der eigenen Hälfte regelrecht erdrückt hat", sagte Pagelsdorf dem Magazin "11Freunde".

Aus dem Norden in die Wüste

Dem Coach wurde in der Folge allerdings die nicht zuletzt durch sein erfolgreiches Arbeiten gestiegene Erwartungshaltung zum Verhängnis. Im Frühjahr 2000 unterschrieb er einen neuen Vertrag für vier Jahre und erklärte: "Unser Ziel in den nächsten Jahren ist jeweils das Erreichen eines internationalen Wettbewerbs. Das ist eine schwierige, aber lösbare Aufgabe." 2001 kam der HSV allerdings lediglich als Tabellen-13. ins Ziel. Und nach sechs Spieltagen in der Saison 2001/2002 war sein Kredit auf Rang zwölf bereits endgültig aufgebraucht. "Ich hätte damit nicht gerechnet. Das Ganze fällt mir sehr schwer", sagte Pagelsdorf, der daraufhin ein erstes Mal von der Bildfläche verschwand. Erst zur Saison 2003/2004 übernahm er beim VfL Osnabrück, musste aber nach nicht einmal einem Jahr vorzeitig gehen. Im Sommer 2004 arbeitete er dann erstmals bei Al-Nasr.

"Hansa ist ein Stück meines Herzens"

2005 kehrte Pagelsdorf noch einmal zu Hansa zurück. Nach zwei Zweitliga-Jahren gelang ihm noch einmal der Aufstieg. Doch es folgte der direkte Wiederabstieg und bald darauf das Ende. "Heute Vormittag haben mich Teile des Vorstands darüber informiert, dass ich beurlaubt bin", sagte Pagelsdorf am 10. November 2008 und ward seitdem im deutschen Profi-Fußball nicht mehr gesehen. Hansa und der HSV bleiben für ihn aber ganz spezielle Vereine: "An Hansa hänge ich sehr, der Club hat mir 1994 die Möglichkeit eröffnet, als Trainer in den Profifußball zu kommen", sagte der Coach der "Berliner Morgenpost": "Der HSV war dann eine ganz andere Dimension. Als Trainer hatte ich das sportliche Ziel, in der Spitze mitzuspielen, was ja auch gelungen ist."

Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 05.02.2018 | 19:30 Uhr

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