Stand: 17.09.2012 10:14 Uhr  | Archiv

Heinz Spundflasche - chronisch unterschätzt

von Utz Rehbein, NDR.de
Heinz Spundflasche © HSV Museum / Witters Foto: Witters
Antreiber und Stratege beim Hamburger SV: Heinz Spundflasche.

Unterschätzt zu werden muss für Heinz Spundflasche ein Grundgefühl gewesen sein - jedenfalls was Fußball anging. Halbstürmer oder Außenläufer spielte der hochaufgeschossene Schlacks aus Altona - heute würde man seine Position als Spielmacher oder Zehner einordnen. Auf den ersten Blick flößte er dem Gegner trotz seiner beachtlichen Körpergröße zunächst wenig Respekt ein - zu freundlich der Blick, zu hängend die Schultern. Der Eindruck verflog regelmäßig, wenn er seine Tricks auspackte - und seine taktischen Manöver.

Krieg und Fritz Walter blockierten Karriere

Heinz Spundflasche (r.) mit Fritz Walter © imago/kicker Foto: kicker
Zwei ganz Große ihrer Zeit: Heinz Spundflasche (r.) begrüßt Fritz Walter bei einem Spiel des Norddeutschen Verbandes gegen die Südwest-Auswahl.

Zwischen 1937 und 1952 bestritt "Spundbuddel" ganze 287 Spiele für den HSV (35 Oberligatore) - lächerliche Zahlen, die die Tragik seiner Karriere widerspiegeln. Der 1919 geborene Mittelfeldspieler reiht sich ein in die Riege der Fußball-Talente, die der Zweite Weltkrieg um die besten Jahre ihrer Karriere brachte. Unterschätzt wurde und wird der HSV-Stratege auch wegen seiner Länderspielbilanz: null. Spundflasches Pech in der Vor- und Nachkriegszeit war, dass seine Position bei Bundestrainer Herberger durch den Weltklassespieler Fritz Walter hoffnungslos blockiert war. Dabei konnten sich Spundflasches taktische Vorzüge allemal neben denen des Kaiserslauterer Stars sehen lassen. Er gab die Marschroute der Mannschaft vor und entwickelte dabei eine ungeheure Kreativität: Spundflasche gilt als der Erfinder des 4-2-4- und 4-3-3-Systems. Was, nebenbei, auch eine ganze Menge über die Rolle des Fußballtrainers in jenen Jahren aussagt.

Nach Spundflasches Abgang rutschte der HSV ab

Unter seiner Regie gewann der HSV sieben Norddeutsche Titel und zweimal die Britische Zonenmeisterschaft - assistiert wurde er von Könnern wie Rudi Noack, Richard und Frido Dörfel, Erwin Seeler und Herbert Wojtkowiak. Spundflasches Wechsel 1953 zu seinem Heimatclub Altona 93 stürzte den Verein in seine bis dahin schwerste Krise. Ohne ihr "Mastermind" purzelten der Serien-Nordmeister und sein umstrittener Trainer Georg Knöpfle auf den elften Platz in der Oberliga. Spundflasche war nach seiner aktiven Laufbahn noch lange als Trainer (u.a. Altona, VfB Lübeck) tätig und lebte im Übrigen von seinem Bahrenfelder Tabakladen. Er starb am 6. November 1972.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 29.09.2012 | 22:00 Uhr

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