Sendedatum: 29.09.2012 22:00 Uhr  | Archiv

Als der HSV das "Wunder von der Weser" erfand

von Bernd Schlüter, NDR.de
Uwe Seeler bei einem Fallrückzieher gegen Werder Bremen. © imago/Sven Simon Foto: Sven Simon
Drei Tore von Uwe Seeler (l.) waren Teil der legendären Aufholjagd gegen Eintracht Braunschweig.

Für gewöhnlich sind Fans des Hamburger SV nicht besonders gut auf das Bremer Weserstadion zu sprechen. Und noch weniger wollen sie etwas von den "Wundern von der Weser" hören. Diese Erinnerungen an sensationelle Europapokal-Erfolge des Nordrivalen sind inzwischen zum Mythos geworden, der Fans und Mannschaft noch heute in scheinbar ausweglosen Situationen mit für Hamburger unvorstellbar großem Selbstvertrauen ausstattet. Witzig ist allerdings, dass bei genauerer Betrachtung der HSV höchstselbst das erste "Wunder von der Weser" vollbracht hat - und zwar am 26. Dezember 1957.

Posipal verletzt, 0:4 zur Halbzeit

Die Hamburger hatten vom Deutschen Fußball-Bund eine Platzsperre kassiert - Strafe für Randale nach der Roten Karte für Uwe Seeler gegen Bremerhaven am 1. Dezember. Also mussten sie ihr Oberliga-Heimspiel gegen Titelkonkurrent Eintracht Braunschweig ausgerechnet im Bremer Weserstadion austragen. Immerhin 15.000 Zuschauer reisten an. Und sie trauten ihren Augen nicht. Die Niedersachsen sahen nach Treffern von Erwin Bruske (8.), Werner Thamm (32., 44.) und Ernst-Otto Meyer (40.) schon zur Pause wie die sicheren Sieger aus, zumal sich Hamburgs Jupp Posipal schon nach fünf Minuten verletzt hatte. Weil zu jener Zeit nicht ausgewechselt werden durfte, musste der Weltmeister von 1954 bis zum Ende auf die Zähne beißen.

Sechs Tore nach der Pause machen das "Wunder" perfekt

Als Mitspieler Gerd Krug in der Kabine etwas von "die Niederlage in Grenzen halten" murmelte, wurde er von Uwe Seeler zusammengefaltet. Seeler wollte noch gewinnen. Und tatsächlich traf er auch schon Sekunden nach Wiederanpfiff zum 1:4. Ein taktischer Kniff von Trainer Günter Mahlmann bekam dem HSV-Spiel in der Folge ausgezeichnet: Der angeschlagene Posipal rückte als "Wandspieler" ins Angriffszentrum, erzielte sogar einen Treffer. Die unglaubliche Torfolge der Aufholjagd: 1:4 Seeler (46.), 2:4 Seeler (55.), 3:4 Posipal (60.), 4:4  Klaus Stürmer (70.), 5:4 Uwe Reuter (73.), 6:4 Seeler (88). Nicht nur moralisch ein wichtiger Sieg für den HSV: Am Ende wurden die Hamburger mit gerade einmal zwei Punkten Vorsprung auf die Braunschweiger Meister der Oberliga Nord.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 29.09.2012 | 22:00 Uhr

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