Fünf Jahre Vorpommern im Fokus - eine Bilanz

Stand: 18.03.2021 14:48 Uhr

Vorpommern-Fonds, Vorpommern-Rat und Vorpommern-Staatssekretär sollen es richten: Der Landesteil soll unterstützt werden. Thomas Naedler und Anna-Lou Beckmann werfen in der aktuellen Folge unseres Podcasts Dorf-Stadt-Kreis einen Blick auf diesen Kurs der Landesregierung.

von Anna-Lou Beckmann

Die Situation und die Rolle Vorpommerns lässt sich mit der Vergangenheit begründen. Professor Haik Thomas Porada forscht seit Jahren zu dem Thema. Die DDR habe den östlichen Landesteil strukturell vernachlässigt, indem die Bezirksstädte in Rostock und Neubrandenburg angesiedelt wurden. Vorpommern gerät politisch und ökonomisch ins Hintertreffen. Auch die regionale Identität des östlichen Landesteils wird unterdrückt. Die Wende bringt keine Neustrukturierung. "Die Dominanz der Bezirksstädte ist immer noch vorhanden. Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat sich überhaupt nicht um die Landesteile gekümmert, weder um die Region Mecklenburg-Strelitz noch um Vorpommern. Man hatte gar kein Interesse daran, dass die Landesteile wieder eine stärkere Bedeutung erfahren", so Porada. Bis heute ist die Wirtschaftskraft in Vorpommern geringer als in Mecklenburg, die Arbeitslosigkeit ist größer. In vielen Bereichen droht laut Kassenärztlicher Vereinigung eine medizinische Unterversorgung. Die Netzabdeckung ist schlecht und es gibt Nachholbedarf im Bereich Mobilität.

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"Kümmerer vor Ort" und Geld für Region sollen es richten

Patrick Dahlemann mit Mitgliedern des Vorpommern-Rats. © NDR/Kersten Schüssler
Patrick Dahlemann mit Mitgliedern des Vorpommern-Rats.

Diesem Trend will die Landesregierung entgegentreten. Patrick Dahlemann (SPD) wird Parlamentarischer Staatssekretär für Vorpommern. Seine Aufgaben: Interessenvertreter der Region am Kabinettstisch in Schwerin und Ansprechpartner vor Ort sein. Seit 2018 gibt es auch den sogenannten Vorpommern-Fonds. Drei Millionen jährlich stehen für Projekte in Vorpommern zu Verfügung. Mit dem Geld soll die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung unterstützt, der gesellschaftliche Zusammenhaft gefördert und die regionale Identität gefördert werden. Mehr als neun Millionen Euro sind in insgesamt 875 Projekte geflossen.

Kritik an Personal- und Sachkosten

Immer wieder wird Kritik an dem Amt des Staatssekretärs laut. Rund 600.000 Euro jährlich kosten die Personalstellen und die Räumlichkeiten. Geld, das nach Meinung einiger lieber direkt in den Vorpommern-Fonds und damit in Projekte vor Ort fließen sollte. Ein weiterer Vorwurf, den sich Dahlemann stetig anhören muss, ist, dass er lediglich Förderbescheide übergebe, sonst aber nichts für die Region tue.

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Leuchtturmprojekte und kleine Förderungen

Demgegenüber stehen diverse Projekte, die die Landesregierung, beziehungsweise ihr Parlamentarischer Staatssekretär, vorzeigen kann. Dazu zählt beispielsweise die Entscheidung zum Wiederaufbau der Darßbahn, die Bewegung zur Wiederinbetriebnahme der Karniner Eisenbahnbrücke zwischen Berlin und Usedom und die jüngste Entscheidung des Kabinetts, einen Teil der Anlage von Prora zu kaufen, um ein Dokumentationszentrum zu errichten. Ebenfalls auf der Habenseite finden sich seine Bemühungen bei der Sanierung des Schlosses in Ludwigsburg, der Entwicklung des Industrieparks Berlin-Stettin in Pasewalk und die Mitteleinwerbung für die Anklamer Projekte Ikareum, Schwimmhalle und Schulcampus.

Weiße Flecken und weiterhin schwerwiegende Probleme

Auch wenn vieles in den vergangenen Jahren angestoßen wird, so bleibt auch Kritik. Ein Blick auf die Förderkarte zeigt: Einige Regionen haben nichts vom Geldregen aus dem Vorpommern-Fonds abbekommen und auch der eine oder andere Bürgermeister kennt Patrick Dahlemann nur von seiner anfänglichen Ämtertour durch die Region. Die Kritik geht weiter: Grundsätzliche Probleme der Region sind nach wie vor vorhanden. Das Lohnniveau ist zu gering. Arbeitsplätze sind häufig nicht sicher. Es fehlen Radwege, ausgebaute Straßen, Zug- und Busanbindungen. Junge Menschen wünschen sich eine Perspektive.

Vorpommern-Strategie als Leitlinie für die nächsten Jahre

Alle Bürger in Vorpommern haben im vergangenen Jahr Gelegenheit, diese Probleme offen bei Bürgerforen anzusprechen. Insgesamt 600 Bürger nutzten die Möglichkeit bei Präsenzterminen und Online-Angeboten. 200 Ideen für die Region sind so entstanden. Sie sind die Basis für die sogenannte Vorpommern-Strategie, die im April veröffentlicht wird. Sie soll die Leitlinien für die nächsten Jahre vorgeben. Entscheidend wird dabei unter anderem das Projekt "Metropolregion Stettin". Ziel dessen ist es, die grenzübergreifende Zusammenarbeit mit dem Nachbarland Polen zu stärken und Potentiale für Vorpommern auszuschöpfen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 18.03.2021 | 17:40 Uhr

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