Ivenacker Eichen © NDR/Rene Stahl

Festakt: Die Ivenacker Eichen sind Waldgebiet des Jahres

Stand: 09.09.2021 18:21 Uhr

Mit einem festlichen Akt sind die Ivenacker Eichen als "Waldgebiet der Jahre 2020 und 2021" ausgezeichnet worden. Dazu luden der Bund Deutscher Forstleute (BDF) und die Landesforstanstalt Mecklenburg-Vorpommern nach Ivenack ein.

Der Bund der Forstleute verleiht diesen Titel seit 2012 jährlich auf einer Festveranstaltung und lädt zu einem Waldsymposium ein. Diese Veranstaltungen fielen 2020 wegen der Corona-Pandemie aus. Auch in diesem Jahr wurde der geplante Termin im Juni bereits verschoben. In der Podcast Folge 32 von Dorf Stadt Kreis nannte Eichenspezialist und Buchautor Jeroen Pater gleich mehrere schwerwiegende Argumente für diese Auszeichnung: Die Ivenacker Eiche ist die weitaus größte und mächtigste Eiche Deutschlands und Europas, sie ist das größte Lebewesen Deutschlands und sie ist die größte Stieleiche (Quercus robur) der Welt.

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Dorf Stadt Kreis: Porträt von Thomas Naedler  Foto: Jörn Lehmann
45 Min

Folge 32 - Ivenacker Eichen

Die 1000-jährigen Ivenacker Eichen sind 2021 vom Bund deutscher Forstleute zum Wald des Jahres gekürt worden. Er ist das erste Naturmonument Deutschlands. 45 Min

Dorf Stadt Kreis: Porträt von Thomas Naedler  Foto: Jörn Lehmann
AUDIO: Folge 32 - Ivenacker Eichen (45 Min)

Größte Eiche Europas

Stamm eines mächtigen Eichenbaumes im Waldgebiet Ivenacker Eichen ©  TMV/Growe-Lodzig
Rund 1.000 Jahre alt dürfte der gut 35 Meter hohe Baum sein, der Stamm hat einen Durchmesser von 3,50 Meter.

Mit 140 Kubikmetern hat die größte der Ivenacker Eichen fast ein Drittel mehr Volumen als das zweitgrößte Exemplar Europas, dass auf der britischen Insel steht. 5 der Eichen im Ivenacker Wald erwecken einen uralten Eindruck, sie sind wohl zwischen 800 und 1.300 Jahre alt. „Genau lässt sich das nicht feststellen, denn die Eichen sind innen hohl“, erklärt Hecker. Das Alter geht zurück auf einen Hudewald, der hier zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert im Zusammenhang mit einer slawischen Siedlung entstand. „In einen Hudewald trieben die Menschen früher ihr Vieh, um es zu mästen. Eicheln waren besonders gutes Futter. Junge Knospen hat das Vieh gefressen. Dadurch stehen die Eichen so vereinzelt und wurden so alt“, erklärt Hecker. So einen 70 Hektar großen Wald erhalten zu haben, sei laut Hecker einzigartig in Deutschland.

Deshalb habe der Ivenacker Wald 2016 auch als erster die Ehrung als Nationales Naturmonument Deutschlands erhalten. Ein Jahr später folgte der Bau eines Baumkronenpfades. Aus 40m Höhe schauen die Besucher auf die Eichen und Buchen herab und erfahren an 14 Stationen Wissenswertes über den Wald und seine Tiere. Neben Damwild wurden hier Turopolje Schweine und Konik Pferde angesiedelt, die auf möglichst natürliche Weise den Wald pflegen sollen.

Nummer Eins aller Ausflugsziele

Besucher auf dem Baumkronenpfad in den Ivenacker Eichen © imago images/Fotoagentur Nordlicht
Ein 620 Meter langer Baumkronenpfad verläuft zwischen den Baumriesen hindurch.

Rund 120.000 Besucher zählten die Ivenacker Forstleute 2020. Doppelt so viele wie vor dem Bau des Baumkronenpfades. Damit sind die Ivenacker Eichen zum größten Touristen-Magneten der Mecklenburgischen Seenplatte avanciert. In den Neustrelitzer Tiergarten kommen rund 90.000, in das Slawendorf Neustrelitz 30.000 , in das Agroneum Alt Schwerin und das Müritzeum Waren knapp 50.000 und zur Müritz-Saga in Waren rund 20.000 Gäste jährlich.

Der Spagat zwischen Naturschutz und Touristenattraktion wird mit jedem Jahr größer. „Das ist unser größter Anspruch, den wir haben, die vielen Interessen unter einen Hut zu bringen“, sagt Hecker. Das Forstamt würde für die Eichen nicht mehr werben. Die Leute kämen durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Was Hecker aber gut finden würde, wenn noch mehr Schulklassen den Weg in seinen Wald finden würden. „Besonderen Wert legen wir auf unser waldpädagogisches Angebot für Kinder und Familien“, erklärt Hecker. Rund 3.000 Kinder zählen seine Mitarbeiter jährlich.

Mit den uralten Eichen verbinden sich auch viele Sagen. So sollen die sieben ältesten Eichen verwunschene Nonnen sein, die aus dem benachbarten Kloster geflohen waren. Unter der Pferdekopfeiche versteckten die Ivenacker im 18. Jahrhundert das berühmteste Pferd der Region, Herodot, vor den Franzosen. Diese Eiche steht heute noch unmittelbar unter dem Baumkronenpfad. Seit 50 Jahren grünt sie nur noch an einem Ast.

Forstamt zieht in den Pferdestall

Eine alte Zeichnung des Hengstes Herodot
Napoleon ritt das Englische Vollblut Herodot angeblich in seinen Schlachten zwischen 1806 und 1814.

Herodot wuchs im Ivenacker Marstall auf und verstarb dort auch. Seine Leiche soll tatsächlich unter einer Eiche begraben liegen, allerdings nicht im Ivenacker Wald. In den Marstall zieht im Herbst das Forstamt Stavenhagen ein. Derzeit wird er wie der gesamte Ivenacker Schlosskomplex saniert. Ein Hotel mit 70 Betten und ein Restaurant mit 170 Plätzen sollen entstehen. „Wir setzen auf Tourismus“, sagt der Leiter des Amtes Stavenhagen, Stefan Guzu, der selbst in der Gemeinde Ivenack lebt: „Im Einklang mit der Natur müssen wir vor allem in die Infrastruktur investieren.“ So sollen neue Parkplätze entstehen. Guzu denkt aber auch an einen Fahrradverleih, Wanderwege vom Bahnhof Stavenhagen aus und einen Shuttle-Verkehr zwischen der 3 km entfernten Stadt Stavenhagen und den Ivenacker Eichen. Dass die Ivenacker Eichen ein gewaltiges Potenzial haben, daran glaubt auch Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus. Für ihn ist der einstige Hudewald ein „Ort der Superlative“: „Hier stehen die ältesten Bäume Mecklenburg-Vorpommerns und mit Stammumfängen von mehr als 11 Metern die stärksten Eichen Europas. Für mich sind die Ivenacker Eichen ein „Nationalpark auf kleinstem Raum“, in dem es nicht nur um die ökologische Bedeutung des Areals, sondern auch um den Erlebniswert für den Menschen geht.“

Statistik: Wald des Jahres in Deutschland
2012Meulenwald in der EifelRheinland-Pfalz
2013Solling im WeserberglandNiedersachsen, Hessen, Nordrhein-Westfalen
2014Schönbuch in SchwabenBaden-Württemberg
2015Grunewald in BerlinBerlin
2016Küstenwald Insel UsedomMecklenburg-Vorpommern
2017FrankenwaldBayern
2018Wermsdorfer WaldSachsen
2019Urbane Wälder Rhein/RuhrNordrhein-Westfalen
2020Ivenacker EichenMecklenburg-Vorpommern
2021Ivenacker EichenMecklenburg-Vorpommern
Weitere Informationen
Stamm eines mächtigen Eichenbaumes im Waldgebiet Ivenacker Eichen ©  TMV/Growe-Lodzig

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 09.09.2021 | 18:00 Uhr

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