Stand: 10.09.2016 08:04 Uhr

Warm-up für "Hannover Proms"

von Amrei Flechsig

Die Standing Ovations und der Schlussapplaus hätten gleich der Auftakt für den nächsten Abend sein können: Hier hatte die Stimmung bei der Generalprobe für "Hannover Proms" ihren Höhepunkt erreicht. Nach einem solchen "Warm-up" versprach der Abend im Kuppelsaal mit Liveübertragung in den Stadtpark zu einem Konzertereignis der Extraklasse zu werden. Musikalisch konnte es kaum besser werden: Unter der Leitung von Andrew Manze liefen die NDR Radiophilharmonie und die Solisten Angel Blue und Makoto Ozone bereits bei der Generalprobe zu Hochform auf.

Jazz oder Klassik?

"Ist das Jazz oder Klassik?" hat der Pianist Makoto Ozone sich wohl als Kind gefragt, als er Gershwins Rhapsody in Blue zum ersten Mal hörte. In seiner eigenen Interpretation macht er als Jazzpianist dieses "Zwitterwesen" zum Prinzip: Er spielt das Stück nicht einfach nur, sondern improvisiert immer wieder über Gershwins Musik. Da entstehen ganz neue Linien und ein ganz neuer Groove aus Gershwins beliebter Komposition - jede Aufführung wird so zu einem einzigartigen Erlebnis. "Makoto Ozones Gershwin ist einfach umwerfend", schwärmt die Konzertmeisterin Friederike Starkloff. Dass Ozones Verbindung zur NDR Radiophilharmonie sehr eng ist, merkte man dem gemeinsamen Spiel an. Sie haben schon mehrere Male gemeinsam gespielt. "Das ist meine Familie, ich liebe diese Menschen", erklärte Ozone lachend.

Stimme mit Gänsehaut-Effekt

Die Auswahl ihrer Lieder war für Angel Blue eine kleine Reise in ihre Kindheit: "Ich wuchs quasi mit diesen Liedern auf", so die Sängerin, denn sie waren auf einer CD von ihrer Lieblingsopernsängerin Leontyne Price. Angel Blues Bühnenpräsenz und die Wandelbarkeit ihrer Stimme waren bereits bei der Generalprobe überwältigend: Von strahlenden Orchesterliedern wechselte sie mühelos zum Jazz im Duo mit Makoto Ozone. Geradezu Gänsehaut verlieh ihre Version von "My Funny Valentine". Ihr letztes Projekt mit dem Orchester hat sie noch in bester Erinnerung: "Wenn ich an die Zusammenarbeit mit der NDR Radiophilharmonie denke, kommt mir nur ein Wort in den Sinn: Spaß. Wir hatten so viel Spaß zusammen, es war wie eine große Party. Da es jetzt ein lockereres Programm ist als "La Bohème", wird es vielleicht diesmal noch mehr Party."

Chorlieder mit Herz

Im Kontrast zu rhythmischen Straßenfegern wie Bernsteins "Mambo" waren die Lieder von Aaron Copland mit dem Mädchenchor und Johannes-Brahms-Chor eher "Musik fürs Herz". Für die folkloristische Leichtigkeit dieser Musik hatte Andrew Manze in der Probe am Vorabend sogar die Orchesterbesetzung noch einmal reduziert. Auch für ihn kamen mit dem Programm Kindheitserinnungen auf, da er diese Lieder früher selbst im Chor gesungen hat.

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"Hannover Proms" mit der NDR Radiophilharmonie © NDR Foto: Amrei Flechsig

Standing Ovations für "Hannover Proms"

Die Begeisterung im Kuppelsaal und im Stadtpark war groß: Mit "Hannover Proms" ist die NDR Radiophilharmonie am Sonnabend in die neue Saison gestartet - jetzt zum Nachschauen. mehr

Die Stimmung steigt

Das Publikum hatte sich im Verlauf des Abends allmählich in Fahrt gebracht, schließlich gehört es zu den Hauptakteuren bei "Hannover Proms". Als Andrew Manze vor der letzten Viertelstunde ankündigte, "ab jetzt werden wir morgen live im Fernsehen sein", kam endgültig Stimmung im Saal auf: Sein neuer Auftritt "für's Fernsehen" wurde lautstark bejubelt. Bis zur finalen Gesangseinlage des Publikums nahm die Begeisterung des Publikums immer mehr zu, am Ende gab es Standing Ovations für alle Beteiligten. Matthias Ilkenhans, Manager der NDR Radiophilharmonie, freut sich schon auf den nächsten Abend: "Ich bin sehr zufrieden mit der Probe, es hat musikalisch sehr gut funktioniert. Man merkte vielleicht noch etwas, dass der Ablauf heute zum ersten Mal so gemacht wurde, und das wird morgen sicher noch einmal erheblich besser, wenn alles mit mehr Selbstverständlichkeit funktioniert." Und da kann das Publikum dann richtig Gas geben.

Orchester und Chor