Drei Jahrzehnte mit der NDR Radiophilharmonie

Dimitar Penkov © NDR / Helge Krückeberg Foto: Helge Krückeberg
Vor seiner Emigration nach Deutschland war der in Sofia gebürtige Dimitar Penkov Mitglied des Streichquartetts des Bulgarischen Rundfunks und trat oft solistisch auf.

Seit 1986 ist Dimitar Penkov Solo-Bratscher der NDR Radiophilharmonie. Ende November verabschiedet er sich nach dem Konzert mit Christoph Eschenbach in den Ruhestand.

Kurz bevor er beim NDR anfing, spielte der Bratschist Dimitar Penkov bei dem Festival für zeitgenössische Musik in Metz die französische Erstaufführung des Bratschenkonzerts von Krzysztof Penderecki. Sein neuer Chef beim NDR, der Dirigent Aldo Ceccato, zeigte sofort Interesse und wollte Pendereckis Bratschenkonzert auf CD aufnehmen. Die Arbeit mit diesem Dirigenten hat Dimitar Penkov in bester Erinnerung: Er war für ihn ein "echter Maestro", ein "sehr intelligenter, offener Mensch", der über den Dingen gestanden habe. Da die Musiker mit ihm über alles reden konnten, war er für sie auch "ganz einfach ein Kumpel". Lachend erinnert sich Penkov: "Die Bratschengruppe war seine Lieblingsgruppe, obwohl das damals vielleicht die undisziplinierteste Gruppe der NDR Radiophilharmonie war."

Krzysztof Penderecki bespricht den Ablauf des Konzerts. © Franz Bumann Foto: Franz Bumann
Bei der Aufführung der 8. Sinfonie von Krzysztof Penderecki spricht Dimitar Penkov mit dem Komponisten.
Qualitätssprung im Orchester

Als Eiji Oue Chefdirigent geworden war, beobachtete Penkov eine spürbare Veränderung im Orchester: "Eiji Oue hat wahnsinnig viel beigetragen zur Entwicklung und zum Klang des Orchesters", erzählt der Bratschist, er habe mit "Mitteln der Liebe und Freundschaft" gearbeitet und viel erreicht. Außerdem sind in dieser Zeit viele neue junge Kollegen zum Orchester gestoßen, und die NDR Radiophilharmonie habe auch durch diese neue Zusammensetzung einen Qualitätssprung erlebt. "Momentan sind viele gute junge Menschen bei uns, die sehr viel für die Entwicklung des Orchesters beigetragen haben", meint Penkov und nennt als Beispiel die junge Konzertmeisterin Friederike Starkloff: "Sie ist eine Solistin, die wir glücklicherweise als Konzertmeisterin haben, und nicht anders herum."

Dimitar Penkov © Francois Lefevre Foto: Francois Lefevre
Mit seinen Kollegen von der NDR Radiophilharmonie verbindet Dimitar Penkov eindrucksvolle Konzerterlebnisse und wichtige Gastspiele.
Bleibende Erinnerungen

Sehr gut in Erinnerung sind ihm noch "Spitzenkonzerte" mit Künstlern wie Giora Feidman oder auch mit berühmten Jazzern wie Chet Baker: Nur zwei Wochen vor seinem überraschenden Tod 1988 spielte die Jazz-Legende ein Konzert mit der NDR Bigband und dem Rundfunkorchester Hannover. An die hohe Qualität dieser Konzertereignisse denkt Dimitar Penkov noch gern zurück. Ein besonderes Erlebnis war für ihn ebenfalls das Festival zu Ehren von Sofia Gubaidulina im Jahr 2011, bei dem die NDR Radiophilharmonie unter anderem mit Anne-Sophie Mutter das Violinkonzert "in tempus praesens" aufgeführt hat.

Dimitar Penkov © NDR/ Amrei Flechsig Foto: Amrei Flechsig
Mehrfach trat Dimitar Penkov gemeinsam mit seiner Frau Evgenia-Maria Popova auf, hier beim NDR Musikfest als Dirigent eines Violinkonzerts von Mozart.
Faible für zeitgenössische Musik

Zeitgenössische Musik liegt ihm sowieso sehr am Herzen: So hat er mit seiner Frau Evgenia-Maria Popova im Rahmen der Kammermusik-Matineen im Jahr 2012 die deutsche Erstaufführung von Pendereckis Ciaccona für Violine und Viola gespielt. Der bulgarische Komponist Georgi Minchev hat ihm sogar ein Konzert für Bratsche und Orchester gewidmet: "Monodia und Concerto grosso", das Dimitar Penkov 2007 in Sofia uraufgeführt hat. Wie aktiv er auch neben seiner Tätigkeit in der NDR Radiophilharmonie ist, belegen zahlreiche weitere CD-Aufnahmen, darunter die erste Gesamtaufnahme der Sonaten von Jean-Marie Leclair, die er gemeinsam mit dem ARD-Preisträger Johannes Flieder in Hannover eingespielt hat. Mittlerweile ist er außerdem auch als Dirigent unterwegs: Für ein in Sofia live von TV 1 aufgenommenes Projekt hat er gemeinsam mit seiner Frau alle fünf Konzerte für Violine und Orchester von Mozart aufgeführt, wobei er selbst auch Solist in Mozarts Sinfonia concertante war.

 

Orchester und Chor