Blaue Stunde: "Essenz"

Dmitrij Schostakowitsch bei der Arbeit an einer Partitur, 1958 © picture alliance
Der Komponist Dmitrij Schostakowitsch 1958

Essenz, die Reduktion auf das Wesentliche, den Kern des Ganzen, ist das Thema dieses Abends im Sprengel Museum. Die Auseinandersetzung mit dem Essenziellen ist ein prägender Aspekt, gerade in der letzten Lebensphase. Dass er sich in dieser befand, wusste der schwerkranke Schostakowitsch, als er 1971 seine 15. Sinfonie komponierte, die sein letztes sinfonisches Stück sein sollte. In dieser Blauen Stunde erklingt die Sinfonie Nr. 15 in der Version für Klaviertrio und Schlagzeug von Viktor Derevianko einer noch von Schostakowitsch autorisierten kammermusikalischen Essenz des Werkes.

Di, 08.06.2021 | 20 Uhr (19 Uhr: Einführung)
Mi, 09.06.2021 | 18 Uhr (17 Uhr: Einführung)
Sprengel Museum, Calder-Saal (Kurt-Schwitters-Platz)

Friederike Starkloff Violine
Nikolai Schneider Violoncello
Markus Becker Klavier
Agnieszka Arlt Schlagzeug
Oliver Arlt Schlagzeug
Raimund Peschke Schlagzeug
Klaus Reda Schlagzeug
Sonja Beißwenger Sprecherin

Essenz

DMITRIJ SCHOSTAKOWITSCH
Sinfonie Nr. 15 op. 141a
für Violine, Violoncello, Klavier und Schlagzeug
(Arrangement: Viktor Derevianko)

In meinen Kalender eintragen

Vom Spielzeugladen bis zur Intensivstation

Schostakowitsch war ein Meister der Doppeldeutigkeit, in seinen Werken stets mit Gesten des Humors, der Trauer, der Ironie und Tragik spielend ein musikalischer wie politscher Jongleur, der in seiner sowjetischen Heimat immer ganz nah am Abgrund stand. Auch die 15. Sinfonie ist in der charakteristischen Tonsprache Schostakowitschs formuliert. Auffallend sind in die vielen Selbstzitate und Zitierungen anderer Komponisten. Da erklingt z. B. im seltsam heiteren ersten Satz das allseits bekannte Thema aus Rossinis "Wilhelm Tell". Dieser Satz erzähle von seiner Kindheit, "ein Spielzeugladen, mit einem wolkenlosen Himmel darüber", meinte Schostakowitsch. Am Beginn des letzten Satzes ist hingegen deutlich das Motiv der "Todesverkündigung" aus Wagners "Walküre" zu vernehmen. Besonders unter die Haut gehen die Schlusstakte dieses finalen sinfonischen Opus mit seinen gespenstischen Schlagzeugklängen. Der Dirigent Kurt Sanderling assoziierte damit die Situation und die Geräusche auf einer Intensivstation: "Ein letztes Aufbäumen und alles ist vorbei."

Reduziert instrumentiert mit Schostakowitschs Segen

Viktor Derevianko war einer der Pianisten, die dem UdSSR-Komponistenverband die Sinfonie Nr. 15 vor der eigentlichen Uraufführung in einer Version für zwei Klaviere präsentierte. Schostakowitsch hatte die Fünfzehnte bereits vergleichsweise sparsam instrumentiert, jedoch mit umfangreichem, sublim eingesetztem Schlagwerk. Derevianko war von dieser Klangdisposition fasziniert und erstellte mit dem ausdrücklichen Segen Schostakowitschs eine Fassung, die den Schlagzeugpart weitgehend unberührt übernahm und die übrigen Orchesterstimmen reduziert auf Klaviertrio-Besetzung einrichtete.

Weitere Informationen
Eindrücke von der Blauen Stunde "Zwischen-Zeit" im Sprengel Museum © NDR Foto: Volker Crone

Die Blaue Stunde

Für das Auge, für das Ohr und für den Geist sowieso: die Blaue Stunde. mehr

Orchester und Chor