Stand: 28.04.2021 16:32 Uhr

Drafi Deutscher: Ein Leben zwischen Wahnsinn und Genie

Drafi Deutscher © dpa - Report
Ein bisschen verrückt, gerne mit Hut - aber immer authentisch: Drafi Deutscher liebte den großen Auftritt.

"Ich war ja ein totaler Spinner", sagte Dafi Deutscher einmal in einem Interview. "Ich habe mir mit 19 Jahren einen goldfarbenen Cadillac gekauft. Ein Cabriolet." Darin ließ sich der damals erstmals erfolgreiche Sänger von einem Chauffeur - Drafi hatte noch keinen Führerschein - offen und Champagner trinkend über den Kurfürstendamm kutschieren. "Die Berliner standen am Straßenrand und haben mir einen Vogel gezeigt!" Jugendsünde? Vielleicht. Aber Drafi Deutscher hat immer gerne provoziert - und polarisiert. Er galt als das Enfant Terrible des deutschen Schlagers. Hat aber auch mit seinen Songs, allen voran mit seinem Mega-Hit "Marmor, Stein und Eisen bricht", deutsche Schlagergeschichte geschrieben. Im Juni 2006 ist der Sänger und Komponist im Alter von 60 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben.

Raus aus dem Ghettodasein

Schon in seiner Jugend galt der kleine Drafi als unberechenbar. Und nicht ohne Grund hat ihm seine Großmutter den Spitznamen "Satansknochen" verpasst. Im Pressetext zu einer seiner letzten Platten stand: 1946 im zerstörten Berlin geboren, einfache Verhältnisse, ein hartes Leben. Drafi selbst empfand seine Situation damals als eine Art Ghettodasein: "Ich fühlte mich wie ein schwarzer Boxer in Amerika." Dennoch - oder gerade deswegen - gewinnt er mit 11 Jahren seinen ersten Talentwettbewerb. Als Teenager singt er in seiner Band "Charlie & The Timebombs" die Lieder von anderen jungen Rebellen wie Elvis Presley und Little Richard.

Komponist Christian Bruhn (r.) mit Drafi Deutscher im Aufnahmestudio - Szene aus dem Dokumentarfilm "Meine Welt ist die Musik - der Komponist christian Bruhn" © Erwin Schneider / Filmperlen Foto: Erwin Schneider
Eine Bild aus dem Jahr 1970: Dafi Deutscher (l.) zusammen mit dem Komponisten Christian Bruhn im Aufnahmestudio.

1963, Drafi ist gerade mal 17 Jahre jung, wird er bei einem Talentwettbewerb von dem Berliner Produzenten Peter Meisel und dem erfolgreichen Komponisten Christian Bruhn entdeckt und unter Vertrag genommen. Der Rest ist Geschichte - oder sagen wir, erfolgreiche Geschichte, gepaart mit Eskapaden und wildem Leben. Musikredakteurin Regina Kramer präsentiert anhand von Original-Tönen aus Interviews und seiner Musik einen spannenden Rückblick auf einen außergewöhnlichen Künstler und Menschen. Zu hören in der Sendung "Klönschnack" am Montag (3. Mai, ab 19 Uhr) und am Sonntag (9. Mai, ab 12Uhr).

Dieses Thema im Programm:

NDR Plus | 09.05.2021 | 12:00 Uhr

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