Stand: 16.10.2012 14:27 Uhr  | Archiv

Föhr: Reiche verdrängen Inselbewohner

von Linda Luft, Brid Roesner

Nicole Hannich lebt mit ihrer Tochter auf Föhr. Noch - denn die Kartons sind gepackt für den Umzug aufs Festland. Drei Jahre hat sie für ihre kleine Familie versucht ein neues Zuhause auf der Insel zu finden - und ist gescheitert. In ihrer Wohnung bleiben kann sie aber auch nicht mehr. Die Küche ist verwinkelt und dunkel, Schimmel  hat sich unter der Tapete ausgebreitet. Der Vermieter weiß davon seit zwei Jahren, hat aber bis heute nichts dagegen unternommen. Und trotz Schimmel wird es vermutlich auch bald einen Nachmieter geben.

VIDEO: Föhr: Reiche verdrängen Insulaner (8 Min)

Immer weniger Wohnraum

Denn die Wohnung ist bezahlbar und das sind auf Föhr immer weniger. Der Immobilienboom hat die nordfriesische Insel gepackt, immer mehr Wohnraum wird zu Ferienwohnungen umgebaut, ganze Häuser abgerissen, neu aufgebaut und für teures Geld an Inselfremde verkauft. Doch diese nutzen ihren neuen Besitz kaum. Viele sehen ihr schmuckes Friesenhaus als reine Geldanlage, und so liegen auf Föhr ab dem Herbst bis zum nächsten Frühjahr ganze Straßenzüge im Dunkeln. Die Besitzer, aus Frankfurt, Hamburg, München oder gar aus Singapur lassen ihre Anwesen putzen und pflegen, mit Leben füllen tun sie sie nicht. Und die, die dort leben wollten, müssen weg.

Pendeln ist nach Föhr nicht möglich

Einige können sich vielleicht noch weniger lukrativen Baugrund leisten und ein neues Haus bauen, oder aber sie müssen jahrelang nach einer bezahlbaren Mietwohnung suchen. Und eventuell die Insel sogar verlassen. Denn anders als auf Sylt, ist Pendeln hier nicht möglich. Die Fähre fährt nur ein paarmal am Tag, ihr Fahrplan ist abhängig von den Gezeiten. Die Gemeinde hat den Bauboom zu spät erkannt. Lange meinte man das sei nur ein Problem der Nachbarinsel Sylt. Nun ist es fast zu spät zum Gegensteuern. Und so kann der Gemeinderat nur machtlos zusehen, wie die Insulaner langsam ihre eigene Insel zu verlieren drohen.

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 16.10.2012 | 21:15 Uhr

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