Stand: 29.02.2020 06:00 Uhr

Schwefel im Abgas: Wie Schiffe kontrolliert werden

Sie soll wirken wie ein Blitzer für die ganz dicken Pötte: die Messanlage, die am Ufer der Kieler Förde in Laboe (Kreis Plön) steht und die Abgase misst. Sie erfasst unter anderem Schwefel- und Stickoxidgehalt eines jeden einfahrenden Schiffes erfasst. "Das hat eine abschreckende Wirkung", sagt Andreas Weigelt vom zuständigen Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH).

Zu hoher Wert? Die Polizei übernimmt

Weil zu viel Schwefel gefährlich für Gesundheit und Umwelt sein kann, regeln gesetzliche Grenzwerte, wie viel Schwefel im Kraftstoff eines Schiffes sein darf. Die Messstation an der Kieler Förde kontrolliert das seit Ende 2018 - und ordnet die Ergebnisse einzelnen Schiffen zu. Ist der Wert zu hoch, informiert das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie die Wasserschutzpolizei. In Kontrollgebieten wie der Nord- und Ostsee darf der Anteil von Schwefel im Schiffskraftstoff nicht höher sein als 0,1 Prozent, außerhalb nicht höher 0,5 Prozent.

Weitere Messstationen stehen in Wedel (Kreis Pinneberg) und in Bremerhaven. Im Sommer wird das BSH laut Weigelt eine mobile Station auf einem Pkw-Anhänger in Betrieb nehmen, die an verschiedenen Orten entlang der Küste aufgestellt werden soll. Auch das neue BSH-Schiff "Atair" ist mit Geräten ausgestattet, die Schiffsabgase analysieren können. Es soll dann auf offener See messen.

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Strafverfahren möglich

"Wir kriegen vom BSH eine Mail mit der Feststellung des Schwefelgehalts, der Schiffsdaten und der Fahrtrichtung", berichtet Andreas Liesenfeld-Schubsda von der Wasserschutzpolizei Kiel. Verstößt das Schiff gegen die geltenden Werte, kann ein Strafverfahren eingeleitet werden. Im vergangenen Jahr hat die Wasserschutzpolizei 34 Meldungen erhalten. Eingeleitet wurden allerdings nur zwei Verfahren. Die Gründe: Einige Schiffe wurden doppelt gemessen - zum Beispiel auf dem Hin- und Rückweg, manche Verstöße war nicht gravierend genug - erst wenn der Messwert doppelt so hoch ist wie erlaubt, kann laut Liesenfeld-Schubsda ein Strafverfahren eingeleitet werden. Und: Wenn das betroffene Schiff schon ausgelaufen ist, müssen die Wasserschutzpolizisten den Fall abgeben. Seit die Anlage steht, ist die Zahl der Verstöße rückläufig.

Hohe Stickoxidwerte ohne Konsequenzen - bisher

Doch wenn der Wind aus der falschen Richtung kommt, liefert die Messstation überhaupt keine Daten. Ein Laser könnte Abhilfe schaffen - ist aber noch in der Erprobung. Und: In Laboe wird nicht nur Schwefel gemessen. Auch Stickoxid, Kohlendioxid und Ozon werden erfasst. Ist der Stickoxid-Ausschlag hoch, bleibt das für die Schiffe jedoch konsequenzenlos - noch. "Die Stickoxidemissionen haben wir auf der Schifffahrtsseite überhaupt nicht reguliert. Da brauchen wir internationale Regulierungen", fordert Malte Siegert vom Naturschutzbund Deutschland. Ab 2021 gelten auf Nord- und Ostsee Regeln für den Stickstoffanteil in Schiffsabgasen. Die Grenzwerte hängen allerdings vom Alter der Schiffe und von der Art der installierten Motoren ab. Faustformel: Je jünger das Schiff, desto strenger die Anforderungen. Schiffe, die nach dem 1. Januar 2021 gebaut wurden, müssen am saubersten sein. Diese Regelung kritisiert Siegert: "Bis die Flotte da einmal durchgetauscht ist, vergehen nochmal 20 bis 30 Jahre. Und das ist zu lang", sagt Siegert.

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Schleswig-Holstein Magazin | 29.02.2020 | 19:30 Uhr

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