Stand: 03.12.2019 18:00 Uhr

Ein kleines Stück Energiewende in Bordesholm

von Christian Wolf

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In dem klimatisierten Gebäude sind gut 48.000 Akkus verbaut.

In Schleswig-Holstein ist am Wochenende ein kleines Stück Energiewende gelungen. Erstmals wurde eine Gemeinde nur mit erneuerbarer Energie versorgt. Die Haushalte in Bordesholm (Kreis Rendsburg-Eckernförde) wurden von 15 bis 16 Uhr vom allgemeinen Stromnetz getrennt. In dieser Zeit sorgten die Bordesholmer Versorgungsbetriebe für Energie - aus einem Blockheizkraftwerk, Solarzellen und einer Biogasanlage. Möglich gemacht hat den Test ein Batteriespeicher, der über eine Leistung von 10 Megawatt und eine Kapazität von 15 Megawattstunden verfügt.

Hintergrund: Das allgemeine Stromnetz ist sensibel. Die Netzfrequenz des Verbundnetzes liegt bei 50 Hertz (Hz). Abweichungen darf es kaum geben. Die Toleranz ist mit 0,2 Hz gering. Wird diese über- oder unterschritten, kommt es zum sogenannten Black-Out, also zum Stromausfall, wie im vergangenen Jahr in Lübeck. Zum Zeitpunkt des Tests betrug die Leistungsabnahme der Haushalte in Bordesholm nach Angaben der "Kieler Nachrichten" 2,5 Megawatt.

Batterien sollen Lebensdauer von 20 Jahren haben

Der Batteriespeicher funktioniert wie ein Regulator. In Bordesholm wurden 4.000 Haushalte auf Knopfdruck vom allgemeinen Netz getrennt. Die gut 48.000 Akkus in einem kleinen, flachen, klimatisierten Gebäude auf dem Betriebsgelände sorgten nach Angaben der Versorgungsbetriebe für eine konstante Frequenz im Bordesholmer Netz. Der Batteriespeicher nimmt Überkapazitäten auf und gibt diese wieder ab, sobald die Frequenz zu sinken droht.

Die Anlage macht das laut den Versorgungsbetrieben so gut, dass die Haushalte nichts von der Umschaltung mitbekamen. "Wir freuen uns, den Beweis angetreten zu haben, dass es ohne fossile Kraftwerke sehr wohl systemstabil geht, nur mit erneuerbarer Energie", sagte der Geschäftsführer der Versorgungsbetriebe, Frank Günther. Das Unternehmen rechnet damit, dass die Batterien 20 Jahre halten.

Energiewendeministerium: Hilfreich für Debatte

Aus Sicht von Günther könnte der Batteriespeicher für die Energiewende zukunftsweisend sein. Aus seiner Sicht würden für das Verbundnetz, das sich Deutschland mit fünf anderen Staaten teilt, 150 dieser Speicher genügen, um das Stromnetz stabil zu halten und mit erneuerbarer Energie zu versorgen. "Die Investitionen dafür würden sich auf einmalig etwa 1,5 Milliarden Euro belaufen", rechnet Günther vor.

Die Bereitstellung von Atom- oder Kohlekraftwerken, um im Fall eines Netzverlustes einzuspringen, beziffert der Geschäftsführer der Versorgungsbetriebe mit Kosten von jährlich drei bis fünf Milliarden Euro.

Dies könne in der Debatte rund um Speichermöglichkeiten für Strom aus erneuerbaren Energien hilfreich sein, hieß es aus dem schleswig-holsteinischen Energiewendeministerium. Das Land hat den Bau des Batteriespeichers mit knapp 1,7 Millionen Euro gefördert.


03.12.2019 22:10 Uhr

In einer früheren Version dieses Artikels fehlten Angaben zur Funktionsweise des Batteriespeichers. Wir haben den Text entsprechend ergänzt. Vielen Dank für die Hinweise.

 

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