VIDEO: Die Spitzenrunde zur Wahl in Mecklenburg-Vorpommern (4 Min)

Landtagswahl MV: Schwesigs SPD triumphiert - CDU erlebt Debakel

Stand: 27.09.2021 09:53 Uhr

Die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig als triumphale Siegerin und ein "katastrophaler" Abend für den bisherigen Koalitionspartner CDU: Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern kommen die Sozialdemokraten laut vorläufigem Endergebnis ihrem bisher besten Ergebnis von 2002 nahe und haben mehrere Koalitionsoptionen. Die AfD wird zweitstärkste Kraft, die Linke verliert deutlich. Grüne und FDP sind wieder im Landtag vertreten.

Laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis kommen die Sozialdemokraten auf 39,6 Prozent (+9,0). Zweitstärkste Kraft im Landtag wäre demnach die AfD mit 16,7 Prozent (-4,1), gefolgt von der CDU mit 13,3 Prozent (-5,7) und der Linken mit 9,9 Prozent (-3,3). Die derzeit nicht im Landtag vertretenen Grünen (6,3/+1,5 Prozentpunkte) und die FDP (5,8/+2,8 Prozentpunkte) können demnach wieder in den Landtag einziehen. Damit sind im künftigen Landtag erstmals sechs Parteien vertreten.

Schwesig sprach in einer ersten Reaktion von "einem wunderbaren Abend für unser Land und für unsere SPD. Wir haben unser Wahlziel ganz klar erreicht. Wir sind wieder stärkste Kraft und haben sogar noch richtig zugelegt." Die Wahl habe ein ganz klares Wählervotum für die SPD gebracht. Es wäre das zweitbeste Landtagswahlergebnis der SPD in der Geschichte des Bundeslandes. Schwesig kündigte einen Dreiklang aus starker Wirtschaft, sozialem Zusammenhalt und Natur- und Umweltschutz als Agenda für die nächste Legislaturperiode an.

CDU-Generalsekretär Waldmüller: "Eine Katastrophe" - Landeschef Sack lässt seine Zukunft offen

"Wir sind dankbar für das eindeutige Wahlergebnis", sagte Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD) bei NDR MV Live. Dies sei ein überwältigender Vertrauensbeweis für Ministerpräsidentin Schwesig. Klare Worte fand CDU-Generalsekretär Wolfgang Waldmüller: "In Mecklenburg-Vorpommern ist das für uns eine Katastrophe." Das müsse man in dieser Deutlichkeit sagen, so Waldmüller. Ähnlich äußerte sich CDU-Spitzenkandidat Michael Sack bei NDR MV Live: "Es ist ein schwerer Abend heute für die CDU. Wir haben ein katastrophales Ergebnis bekommen." Seine Zukunft ließ der CDU-Landesvorsitzende Sack offen. Der Wahlabend sei nicht der richtige Moment, um über weitere Schritte zu sprechen. "Wir werden das alles besprechen", so Sack bei NDR MV Live auf die Frage nach persönlichen Konsequenzen. Am Montag tage der Parteivorstand. "Dann werden wir auch Entscheidungen treffen." Der Spitzenkandidat der CDU im Nordosten zur Bundestagswahl, Philipp Amthor, sprach von einem "schweren Tag" für die CDU im Nordosten. An die Adresse Sacks gerichtet, sagte Amthor: "Man gewinnt gemeinsam, man verliert gemeinsam. Wir stehen hinter Dir." Sack war im Wahlkampf blass geblieben und war bis zuletzt einem Großteil der Wähler unbekannt.

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Jubel bei SPD, FDP und AfD, betretene Stille bei CDU-Wahlparty

Bei der Veröffentlichung der Prognose um 18 Uhr brach bei der Wahlparty der SPD in Schwerin Jubel aus, bei der CDU herrschten ob des historisch schlechten Abschneidens betretene Gesichter vor. Große Freude gab es bei den Wahlpartys von FDP, AfD und Grünen. "Wir sind sehr zufrieden", sagte AfD-Landeschef Leif-Erik Holm in einer ersten Reaktion. Man habe den Wahlkampf in einem sehr schwierigen Umfeld führen müssen. Bürgerlich-konservative Politik sähen die Bürger bei der CDU nicht mehr, sagte Holm mit Blick auf das schwache Abschneiden der Christdemokraten. Für die Linke könnte es das schlechteste Ergebnis seit der Wiedervereinigung werden. Spitzenkandidatin Simone Oldenburg zeigte sich dennoch zufrieden. Bei einer so übermächtigen SPD sei es klar, dass alle anderen Parteien unter die Räder kommen, so Oldenburg. Zu möglichen Koalitionen sagte Oldenburg nichts. Die Wähler im Nordosten hätten jedoch die CDU abgewählt und wünschten sich einen Linksruck.

Der Grünen-Politiker Harald Terpe - auf der Landesliste auf Platz zwei - sprach von einer "hoffnungsvollen Prognose", verwies aber zugleich darauf, dass der Abend noch lang sei. "Die Bündnisgrünen werden wegen ihrer Themen gewählt, die in Mecklenburg-Vorpommern - insbesondere was den Klimaschutz betrifft - in den Köpfen der Wähler noch nicht so weit verbreitet sind." "Was für ein wunderschöner Abend", rief FDP-Spitzenkandidat René Domke seinen Unterstützern zu. Domke verwies auf die hohe Bedeutung von Wirtschaftsthemen für die Wähler für das gute Ergebnis: "Ich denke schon, dass die Menschen jetzt tatsächlich nach der Pandemie auch Antworten wollen, wie es mit der Wirtschaft weitergehen soll."

Schwesig lässt Koalitionsfrage offen - Zweier-Bündnis mit CDU und Linken möglich

Die derzeit noch mit der CDU regierende SPD kann sich ihren Koalitionspartner aussuchen. Schwesig hielt mögliche Koalitionsoptionen offen. Die Parteigremien würden am Montagabend beraten und schauen, "mit wem wir Gespräche führen werden". Zunächst müsse das endgültige Ergebnis abgewartet werden. Wichtig für die künftige Regierungsbildung seien drei Punkte. Es müsse "stabile Mehrheiten" geben, die SPD müsse ihre Themen voranbringen können und "es müssen verlässliche Partner sein", sagte Schwesig. Als Partner für eine Zweier-Koalition käme rechnerisch die CDU und die Linke infrage. Auch eine Ampel aus SPD, Grünen und FDP hätte eine Mehrheit.

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1,32 Millionen Menschen in Mecklenburg-Vorpommern waren aufgerufen, gleichzeitig mit der Bundestagswahl einen neuen Landtag zu wählen. In den vergangenen Wochen hatten 24 Parteien mit landesweiten Listen und einige regionale Kandidaten und Gruppierungen um Stimmen geworben. Die SPD hatte ihren Wahlkampf ganz klar auf Schwesig ausgerichtet. Auf die Frage am Wahlabend, ob sie ganze fünf Jahre Regierungschefin bleiben werde, antwortete Schwesig am Sonntag: "Ja, ich habe mich zur Wahl als Ministerpräsidentin gestellt." Die SPD-Politikerin betonte, sie sei gerne Ministerpräsidentin des "schönsten Bundeslandes". An anderer Stelle blieb sie etwas unverbindlicher. Sie sei "eine starke Stimme für die SPD, und das werde ich auch mit Sicherheit bleiben - für Mecklenburg-Vorpommern und Deutschland bringe ich mich ein."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 27.09.2021 | 05:00 Uhr

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