Stand: 16.11.2021 06:18 Uhr

Die Afrikanische Schweinepest: Fragen und Antworten

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist für den Menschen harmlos. Für Tiere und Wirtschaft aber umso gefährlicher. Eine Auswahl von Fragen und Antworten zum Virus und dessen Auswirkungen finden Sie hier.

Was ist die Afrikanische Schweinepest?

Die Afrikanische Schweinepest ist eine hochansteckende und anzeigepflichtige Tierseuche. Sie befällt ausschließlich Wild- und Hausschweine, für Menschen und andere Tiere stellt sie keine Gesundheitsgefährdung dar. Das Krankheitsbild der Afrikanischen Schweinepest ist sehr variabel. Hauptsymptom ist sehr hohes Fieber, hinzu kommen häufig Apathie und Blutungen aus Nasen oder Ohren. Im Durchschnitt sterben Haus- und Wildschweine innerhalb von etwa zehn Tagen an der Infektion. Einen Impfstoff gegen den Erreger, das Afrikanische Schweinepest-Virus, gibt es noch nicht.

Was ist der Unterschied zur Klassischen Schweinepest?

Sowohl die Afrikanische Schweinepest als auch die Klassische Schweinepest sind in der EU anzeigepflichtig und weisen ein ähnliches Krankheitsbild auf. Um welchen Erreger es sich handelt, können nur Laboruntersuchungen zeigen. Gegen die Klassische Schweinepest gibt es einen Impfstoff, zudem überleben Wildschweine diese Krankheit häufiger.

Gibt es die Afrikanische Schweinepest in Deutschland?

Ja. Das Virus gab es ursprünglich nur auf dem afrikanischen Kontinent, 2007 kam es vermutlich über den Schwarzmeerhafen Ponti nach Georgien und erreichte 2014 die Europäische Union. Seitdem verbreitete es sich überwiegend in den osteuropäischen Ländern.

Im September 2020 wurde der Kadaver eines Wildschweins im Spree-Neiße-Kreis in Brandenburg entdeckt. Der Fundort ist nur wenige Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze und rund 300 Kilometer von Mecklenburg-Vorpommern entfernt. Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit auf der Insel Riems bestätigte einen Tag später, dass das tote Wildschwein mit dem ASP-Erreger infiziert war. Im November 2021 wurde der das Virus erstmals bei einem Haustierbestand in Mecklenburg-Vorpommern nachgewiesen.

Wie wird die Afrikanische Schweinepest übertragen?

In afrikanischen Ursprungsländern übertragen Lederzecken die Krankheit. In Deutschland und Europa läuft die Verbreitung auf unterschiedlichen Wegen ab. Erstens direkt, von Tier zu Tier. Das Virus wird hierbei durch Blut, Sperma oder Sekret weitergegeben. Das kann in Ställen, auf Weiden oder in der freien Natur passieren.

Der zweite Übertragungsweg führt über kontaminierte Speiseabfälle, die illegal an Hausschweine verfüttert oder von Wildschweinen gefunden und gefressen werden. Der ASP-Erreger ist sehr widerstandsfähig: Er kann Wochen in Fleisch, Fleischwaren sowie Schlachtabfällen überleben, in gefrorenem Fleisch sogar mehrere Jahre.

Da das Virus zudem außerordentlich lange ansteckend bleibt, kann ASP zudem über nicht gereinigte und desinfizierte Fahrzeuge, Ausrüstung und unsaubere Kleidung weiterverbreitet werden, zum Beispiel von Jägern, Tierärzten oder im Transportwesen.

Ist das Virus für den Menschen gefährlich?

Nein, für Menschen ist der Erreger ungefährlich. ASP ist nicht auf den Menschen übertragbar, weder durch den Verzehr von infiziertem Schweinefleisch, noch über direkten Kontakt mit einem erkrankten Tier. Das gleiche gilt für alle anderen Tierarten außer Schweinen. Menschen und andere Tiere, auch Hunde und Katzen, können das Virus nur weitertragen.

Welche Auswirkungen hat die Seuche für Deutschland?

Deutschland ist weltweit einer der größten Exporteure von Schweinefleisch. Mit dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest hat die Bundesrepublik ihren Status als "seuchenfrei" verloren. Das hat massive wirtschaftliche Folgen für Schweinehalter: Haupthandelspartner China verhängte am 12. September 2020 ein Import-Verbot für deutsches Schweinefleisch. Als direkte Folge sank der Kilo-Schlacht-Preis für die Schweinebauern um 13 Prozent. "Wir appellieren an alle Beteiligten in der Lebensmittelkette, die Krisensituation nicht zu Lasten der Schweinehalter auszunutzen", sagte Joachim Rukwied, Präsident des Bauernverbands.

Wie kann man die Ausbreitung verhindern?

Da es keinen Impfstoff und keine Therapiemöglichkeiten gibt, kann die Verbreitung des Virus lediglich über hygienische Maßnahmen eingedämmt werden. Landwirte sollten Hausschweine nur auf speziell eingezäunten Weiden halten, damit sie nicht mit Wildschweinen in Kontakt kommen. Schweinehalter, die auch Jäger sind, müssen vor Betreten der Ställe ihre Kleidung wechseln, Werkzeug und Fahrzeuge desinfizieren. Auch Hunde und Katzen können das Virus übertragen und sollten von Schweinen ferngehalten werden.

Jeder Bürger sollte zudem bei der Entsorgung von Schweinefleischprodukten darauf achten, dass sie für Wildschweine nicht zugänglich sind. Das heißt: Picknick-Reste nicht im Wald-Mülleimer entsorgen, sondern Zuhause in die Tonne werfen. Zudem sollte derzeit darauf verzichtet werden, Schweinefleisch, Wurst oder Schinken aus betroffenen Ländern mitzubringen. Und: Wer ein totes Wildschwein im Wald findet, sollte dem Förster oder Amtstierarzt Bescheid geben.

Wie schnell verbreitet sich die Seuche?

Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit wurden 2014 in Polen, Tschechien, Rumänien, der Ukraine und den drei baltischen Staaten insgesamt rund 300 Fälle der Seuche gemeldet. Seitdem haben sich die Zahlen jedes Jahr nahezu verdoppelt. Die Gefahr liegt dabei weniger in der Übertragung durch Wildschweine, sondern eher in kontaminierten Schweineprodukten. Als Beispiel: Ein infiziertes Tier legt an einem Tag viel weniger Kilometer zurück als das Mettbrötchen eines Fernfahrers.

Was passiert mit infizierten Tieren?

"Beim Ausbruch in Hausschweinebeständen müssen alle Schweine der betroffenen Bestände getötet und unschädlich beseitigt werden", so das Bundeslandwirtschaftsministerium. Zudem werden großflächige Sperrbezirke und Beobachtungsgebiete eingerichtet. In diesen Bereichen ist das Transportieren von Tieren und deren Erzeugnissen untersagt (Ausnahmen sind möglich). Für das Krisenmanagement sind die örtlichen Behörden zuständig.

Wird ASP bei Wildschweinen festgestellt, wird ein sogenannter gefährdeter Bezirk festgelegt und eine Pufferzone eingerichtet, die nicht von der Tierseuche betroffen ist. Hausschweine und Schweinefleischprodukte dürfen dieses Gebiet dann grundsätzlich nicht verlassen (Ausnahmen sind möglich). "Zudem werden zahlreiche Maßnahmen zum Management der Schwarzwildpopulation ergriffen", so das Bundeslandwirtschaftsministerium. Dabei wird auch über das Aussetzen der Schonzeit im April und März diskutiert, wie es in der Region um Berlin bereits geschehen ist.

Weitere Informationen

Fragen und Antworten zur Afrikanischen Schweinepest

Umfangreiche Informationen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 16.11.2021 | 06:00 Uhr

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