Sendedatum: 21.04.2012 19:20 Uhr  | Archiv

Veteranentag der Bundeswehr: Überfällig oder überflüssig?

Soldaten der Bundeswehr stehen vor dem Transportpanzer in dem der Sarg mit dem getöteten Fallschirmjäger aus Niedersachsen aufgebahrt ist. © dpa Foto: Bundeswehr/Walter Wayman
Der Bundestag schickt Soldaten in Kampfeinsätze. Sie riskieren dabei ihr Leben.

Mehr als 300.000 Soldaten der Bundeswehr waren bisher in Auslandseinsätzen. Die Missionen können riskant und gefährlich sein. In Afghanistan haben 52 Bundeswehr-Soldaten ihr Leben verloren. Beklagt wird oftmals ein "freundliches Desinteresse" (Ex-Bundespräsident Horst Köhler) der Gesellschaft an der Bundeswehr.

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) will das ändern. Sein Ministerium hat Anfang April ein Diskussionspapier über eine Veteranenpolitik veröffentlicht. Das Papier ist sehr vage und wenig konkret. Ende des Jahres will de Maizière ein Veteranenkonzept vorlegen.

Drei Soldaten liegen im Gelände hinter einem kleineren Wall. Von dort schießen sie mit automatischen Gewehren auf mutmaßliche Aufständische. © Bundeswehr/vonSöhnen Foto: von Söhnen
Der Kampfeinsatz in Afghanistan ist gefährlich. Lange hat die Bundeswehr von einem Stabilisierungseinsatz gesprochen, um die Akzeptanz der Bevölkerung für diesen Einsatz nicht zu gefährden.

Wer ist ein Veteran?

Begriffsbestimmung

Aus Sicht des Verteidigungsministeriums sind Soldaten der Bundeswehr Veteranen, wenn sie bei Auslandsmissionen eingesetzt waren:
"Anders als bei unseren Partnern, hat der Begriff "Veteran" in der Bundeswehr keine Tradition. Er entzieht sich einer festen Definition und einheitlichen Kriterien. Dennoch bezeichnen Medien und Öffentlichkeit immer häufiger Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr als Veteranen. Mittlerweile haben sich zwei Veteranenverbände der Bundeswehr gebildet, die auf private Initiativen zurückgehen. Umgangssprachlich wird bei vielen unter einem Veteran zumeist noch ein altgedienter und lebensälterer Soldat, bzw. Weltkriegsteilnehmer verstanden. Damit unterscheidet sich der Gebrauch des Begriffs in Deutschland von seiner Nutzung bei unseren Nachbarn und Partnern. Dort werden längst auch Soldaten der Nachkriegsära regelmäßig als Veteranen bezeichnet."

Veteranentag

Vor einer Brücke hält ein Militärfahrzeug mit der Aufschrift EUFOR. Ein Soldat erkundet die Brücke. © Bundeswehr/Lars Pötzsch ©  ©Bundeswehr/Lars Pötzsch Foto: Lars Pötzsch
Auf dem Balkan waren insbesondere nach dem Kosovo-Krieg mehrere tausend Bundeswehr-Soldaten im Einsatz. Inzwischen sind es erheblich weniger Soldaten. Einige sind auch im Auftrag der EU in Bosnien eingesetzt.

Anfang des Jahres hatte Verteidigungsminister de Maizière noch angeregt, den Volkstrauertag für einen Veteranentag zu nutzen. An diesem Vorstoß hat es heftige Kritik gegeben. Jetzt schlägt das Verteidigungsministerium den 22. Mai als Veteranentag vor.

Vorschlag 22. Mai

"Um die immaterielle Würdigung unserer Veteranen durch Staat, Bundeswehr und Gesellschaft zu fördern und zu erhöhen, wäre eine offizielle Geste der Anerkennung im Rahmen eines bundesweit organisierten Tages denkbar. Als ein mögliches Datum unter mehreren ist der 22. Mai vorstellbar, der Tag, an dem im Jahr 1956 die wehrverfassungsrechtlichen Grundlagen für die Bundeswehr in Kraft getreten sind. An diesem Tag könnten diejenigen, die im Rahmen der Bundeswehr einen unverzichtbaren Dienst an unserer Gesellschaft leisten, im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen."

Initiativen

Die Vorstellungen des Ministeriums

Das Verteidigungsministerium hat bereits Ideen, wie Veteranen unterstützt werden könnten:

"Es wäre wünschenswert, in Anlehnung an unsere Verbündeten und Partner auch über andere Maßnahmen zu diskutieren, so zum Beispiel über die Gründung von Veteranenheimen, über die Einführung eines an der Uniform und am zivilen Anzug zu tragenden Veteranenabzeichens, über die organisatorische Unterstützung von Veteranentreffen oder über die Einführung eines Sonderbeauftragten für Veteranen."

Soll es einen Veteranentag geben?

Drei Soldaten mit blauem Barett ziehen auf einer Fregatte ein dickes Tau um das Schiff festzumachen. © © Bundeswehr/Fischer Foto: Fischer
Seit mehreren Jahren überwacht die Deutsche Marine im Auftrag der UN das Waffenembargo vor der libanesischen Küste. Diese UNIFIL-Mission gilt als weitgehend ungefährlich.

Politiker und Interessenvertreter halten einen Tag der Veteranen für sinnvoll. Was aber denken die betroffenen Soldaten?

FDP-Diskussionspapier

Gelandeter US-Transporthubschrauber mit Roten Kreuz im Hintergrund. Ein Verwundeter wird von Soldaten auf einer Trage aus dem Helikopter gebracht. © Bundeswehr/Bienert Foto: Andrea Bienert
Die Bundeswehr versucht, Verwundete optimal zu versorgen. Weil man zurzeit noch nicht über sogenannte MedEvac-Hubschrauber verfügt, ist die Bundeswehr auf die Unterstützung der Verbündeten angewiesen.

Bereits vor dem Verteidigungsministerium hat die FDP ein Veteranen-Papier vorgelegt. Plädiert wird darin für einen Veteranentag im April.

 

Veteranentag

"Die Etablierung eines eigenen Gedenktages, der in der Wahl des Datums in direkter Verbindung mit den Auslandseinsätzen der Bundeswehr steht, würde
die beste Möglichkeit bieten die besonderen Leistungen der Veteranen hervorzuheben. Als Datum könnte beispielsweise der 2. April gewählt werden,
den der Wehrbeauftragte Königshaus in die Debatte eingeführt hat. Am 2. April 2010 kamen drei deutsche Soldaten in Afghanistan ums Leben. Durch
eine Verbindung des Gedenkens an die Veteranen mit diesem Ereignis werden die Konsequenzen die jeder einzelne Soldat mit der Teilnahme am
Auslandseinsatz auf sich nimmt deutlich."

Veteranenkarte

Ein Verwundeter Soldat liegt auf einer Bank. Ein anderer Soldat bringt ihm eine Decke. © Bundeswehr/Bienert Foto: Andrea Bienert
Auf Übungsplätzen werden die Soldaten vor ihren Auslandseinsätzen vorbereitet - auch auf die Versorgung von Verwundeten.

Die FDP möchte Vergünstigungen für Veteranen durchsetzen. Es soll eine Veteranenkarte geben. Es wird dabei auf Unterstützung der Wirtschaft gesetzt.

Veteranenkarte

"In den USA und in mehreren europäischen Nachbarländern erhalten die Veteranen durch eine Karte die Möglichkeit bei unterschiedlichen staatlichen
Institutionen und Unternehmen Vorteile wahrzunehmen. Ein solches Modell erscheint auch für Deutschland denkbar (…) Die Einführung einer Veteranenkarte in Deutschland hätte somit keine direkte Funktion für die Versorgung der Veteranen, sondern dient vielmehr dem Zweck dem Veteranen durch den Erhalt von Bonifikationen Wertschätzung auszudrücken.
Die Etablierung eines solchen Systems bedarf daher einer besonderen Initiative der Wirtschaft. Für die Unternehmen bietet sich durch die Unterstützung der Veteranenkarte nicht nur die Möglichkeit eines Bekenntnisses zu den Streitkräften, sondern auch die Möglichkeit der Gewinnung neuer Kunden."

Bund Deutscher Veteranen

Decke eines Flurs im Bundeswehrkrankenhaus Berlin. Zwei Hinweisschilder mit der Aufschriift Testraum und Dienstraum. ©  ©Bundeswehr/Wilke Foto: Sebastian Wilke
Immer mehr Soldaten kehren aus dem Afghanistan-Einsatz traumatisiert zurück. Der Bundeswehr mangelt es an Behandlungsplätzen. Sie muss daher auf zivile Einrichtungen zurückgreifen.

Der Bund Deutscher Veteranen sieht sich als Sprachrohr von Bundeswehr-Soldaten, die im Auslandseinsatz waren. Die Vereinigung wurde erst im August 2010 gegründet. Insbesondere traumatisierten Soldaten bietet der Verein Hilfe an. Nach eigener Aussage unentgeltlich, unbürokratisch und schnell. Betroffenen würden sogenannten Fallmanager zur Seite gestellt. Denn traumatisierte Soldaten haben gegenüber der Bürokratie der Bundeswehr oftmals einen schweren Stand.

Veteranen in angelsächsischen Ländern

In den USA gilt jeder ehemaliger Soldat als Veteran, unabhängig davon, ob er in einem Auslandseinsatz war oder nicht. Gemessen an der Zahl der Mitarbeiter ist das Department of Veterans Affairs das zweitgrößte Ministerium der US-Regierung.

In Großbritannien genießen Veteranen gesellschaftliche Anerkennung. Es gibt zahlreiche Organisationen und Einrichtungen, die sich um ehemalige Soldaten kümmern und Hilfestellung geben. Vor fünf Jahren wurde die neue Dach-Organisation Veterans-UK ins Leben gerufen. Sie versteht sich als erste Anlaufstelle für Veteranen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Streitkräfte und Strategien | 21.04.2012 | 19:20 Uhr