Sendedatum: 28.01.2012 19:20 Uhr  | Archiv

Pendler-Armee Bundeswehr – Marsch ins gesellschaftliche Abseits?

Ein Bundeswehr-Hubschrauber des Typs CH-53 in der Luft. © Bundeswehr/Sebastian Wilke Foto: Sebastian Wilke
Die Bundeswehr verfügt in Afghanistan zurzeit über nur sechs eigene CH-53-Hubschrauber.

Die Stimmung in der Bundeswehr ist schlecht. Die Soldaten sind insbesondere durch die Bundeswehr-Reform verunsichert. Der Wehrbeauftragte führt dies vor allem auf die Ungewissheit der Soldaten über die eigene Zukunft zurück. Im vergangenen Jahr hat es erste Entscheidungen gegeben. Der Umfang der Streitkräfte wurde festgelegt. Der Verteidigungsminister hat außerdem die Schließung und Verkleinerung zahlreicher Standorte angekündigt.

Der Jahresbericht

Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, hält den Jahresbericht des Wehrbeauftragten 2011 in die Kamera. © dpa bildfunk Foto: Stephanie Pilick
Der FDP-Politiker legte zum dritten Mal den Jahresbericht vor.

Der Wehrbeauftragte verweist in seinem Jahresbericht 2011 nicht nur auf Ausrüstungsmängel  der Bundeswehr. Die Entfernungen zwischen Wohn- und Dienstsitz würden durch die Schließung von weiteren Standorten immer größer. Inzwischen pendeln rund 70 Prozent der Soldaten. Tendenz steigend.

Eine Frau mit einem Kind auf dem Arm winkt einem Bundeswehr-Soldaten hinterher. © Bundeswehr/Herholt Foto: Herholt
Rund 70 Prozent der Soldaten müssen pendeln.

Bei der Vorstellung des Jahresberichts bedauerte Hellmut Königshaus, dass der Verteidigungsminister  mit seinem Standortkonzept nicht die Chance  genutzt hat, Verbände und Truppengattungen zusammen- zufassen.  Auf diese Weise hätten lange Anfahrtswege für Soldaten vermieden werden können.

Ankündigungen der Bundeswehr

Ein Soldat und eine Soldatin in Uniform stehen an einem deutschen Bahnhof vor einer Anzeigetafel mit den Abfahrtszeiten der Züge. © Bundeswehr/Stollberg Foto: Stollberg
Das Pendeln ist eine Belastung. Die Trennungs- und Scheidungsquote soll bei bis zu 80 % liegen.

Das Verteidigungsministerium hat Maßnahmen angekündigt, die Attraktivität der Bundeswehr zu erhöhen. Das Reformbegleitprogramm soll die Voraussetzungen für die Verkleinerung der Bundeswehr schaffen. Doch es gibt noch keine Entscheidungen. Alles steht unter einem Finanzierungsvorbehalt.

Umfrage

Ein Soldat in Uniform hält ein Kind auf dem Arm. © Bundeswehr/Herholt Foto: Bundeswehr/Herholt
Soldaten sind häufig nicht zu Hause.

Die Bundeswehr hat Probleme, geeigneten Nachwuchs zu gewinnen.  Eine Umfrage des Bundeswehr- verbandes über die Berufszufriedenheit hat 2007 ergeben, dass mehr als 70 Prozent der Berufssoldaten  den eigenen Kindern nicht empfehlen können, zur Bundeswehr zugehen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Streitkräfte und Strategien | 28.01.2012 | 19:20 Uhr