Stand: 01.02.2013 15:09 Uhr  | Archiv

Der Hoatzin

von Aline König
Hoatzin sitzt auf einem Ast. © fotolia, picture alliance / WILDLIFE Foto: Jakub Krechowicz, matamu
Der Hoatzin nimmt's gelassen, dass er nicht gerade ein eleganter Flugkünstler ist.

Unauffällig geht anders

Der Hoatzin ist ein ziemlich schräger Vogel, der im Südamerikanischen Regenwald lebt. Zum Beispiel in Brasilien, Peru und Kolumbien. Mit seinem blauen Gesicht, dem gebogenen Schnabel und der wilden Federkrone auf dem Kopf, sieht er ganz schön punkig aus. Und wenn man ein bisschen genauer guckt, dann fällt auf, der der Hoatzin irgendwie ein bisschen übergewichtig aussieht: denn er hat einen dicken Bauch!

Ein Vegetarier mit Gewichtsproblemen

Weil ihr Bauch so dick ist, stehen die Vögel oft gar nicht auf ihren Füßen, sondern stutzen sich auf ihrer Brust und ihrem Bauch ab. Das sieht dann aus, als wäre er vorn übergekippt und das ist auch tatsächlich so. Der Hoatzin frisst nämlich fast ausschließlich Blätter und die sind relativ schwer zu verdauen. Deshalb hat der Hoatzin einen besonderen Verdauungs-Apparat. Wie die meisten Vögel hat er einen Kropf - das ist eine Art Nahrungsspeicher in der Speiseröhre. Beim Hoatzin ist dieser Kropf aber so groß, dass der Bauch total dick wirkt. Im Kropf verdaut er die Blätter schon mal vor. So ähnlich wie eine Kuh, die auch mehrere Mägen hat, um ihr Gras zu verdauen. Man könnte den Hoatzin also auch die Kuh der Vogelwelt nennen.

Wer hat hier gepupst?

Und so wie das auch bei Kühen ist, entstehen bei der Verdauung von Blättern und anderen pflanzlichen Bestandteilen Gase! Und die kommen dann als stinkende Pupse beim Hoatzin hinten wieder raus. Deshalb wird er auch Stinkvogel genannt. Durch seinen Dickbauch ist der Hoatzin auch nicht gerade der geschickteste Vogel im südamerikanischen Regenwald. Wenn er sich zum Beispiel zum Trinken an eine Wasserstelle begibt, dann kommt es schon mal vor, dass er mit dem Gesicht nach vorne ins Wasser plumpst. Fliegen kann er auch nicht besonders gut, weil er dafür zu schwer ist.

Ein bisschen behäbig, aber ziemlich gewitzt

Hoatzin Küken im Nest © Frieder Salm
Hier könnt ihr die Krallen an den Flügeln erkennen!

Macht aber nichts, denn zumindest die Hoatzin-Küken haben eine super Rettungs-Strategie entwickelt, wenn ihnen Angreifer, wie Schlangen oder Raubvögel, zu nahe kommen: Sie haben die Angewohnheit, aus dem Nest ins Wasser zu springen, wenn es ihnen zu brenzlig wird. Denn ihre Nester bauen Hoatzine immer über Wasserläufen und so können sich die Kleinen vom Nest aus einfach ins Wasser fallen lassen. Da verstecken sie sich so lange, bis die Luft wieder rein ist. Danach hangeln sie sich dann zurück ins Nest.

Nützliches Werkzeug: Krallen aus der Urzeit!

Besonders praktisch ist dabei, dass sie an ihren Flügeln spitze Krallen haben, die ihnen beim Klettern helfen. Hoatzine sind übrigens die einzigen Vögel, die das haben. Man vermutet, dass die Urvögel das auch hatten, die sich aus den Dinosauriern entwickelt haben. Wenn sie älter werden, fallen die Krallen irgendwann wieder ab.

Der Hoatzin – Eine dicke Stinkbombe mit Babys, die sich selbst retten! Ein ganz schön verrücktes Viech!

AUDIO: Hört mal rein: Der Hoatzin (3 Min)

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Mikado | 03.02.2013 | 08:05 Uhr

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