Stand: 08.09.2011 15:34 Uhr Archiv

... Philipp Reis?

von Katharina Höhne

Johann Philipp Reis wurde am 7. Januar 1834 in Gelnhausen geboren, einer kleinen Stadt in Hessen. Philipp war ein ziemlich pfiffiger Junge, seine Lieblingsfächer waren Mathe, Physik und Chemie. Er träumte davon, später mal ein großer Naturwissenschaftler zu werden, doch ein Studium an der Universität war viel zu teuer. Also lernte er wie die meisten Jungen in seinem Alter erst einmal einen Beruf - er wurde Kaufmann. Richtig glücklich war Philipp damit aber nicht, denn mit Naturwissenschaften hat dieser Beruf gar nichts zu tun. Als er aber eines Tages seinen alten Schuldirektor besuchte, hatte der eine Überraschung für ihn: einen Job als Lehrer.

Philipp Reis experimentiert mit seinen Schülern

Das Unterrichten machte Philipp Reis richtig viel Spaß. Endlich konnte er sein Hobby zum Beruf machen. Mit seinen Schülern experimentierte er viel und tüftelte an neuen Ideen. Stundenlang stand er in seinem Labor - einem alten Holzschuppen neben der Schule - und erfand die tollsten Sachen. Das Veloziped zum Beispiel, eine sehr frühe Form des Fahrrads, das erste Paar Rollschuhe und schließlich das Telefon.

"Als ich noch Lehrling im Farbengeschäft war, hörte ich einmal eine Vorlesung eines Professors über die Arbeitsweise der Stimme und des menschlichen Gehörs. Und seitdem habe ich die Idee, ob man nicht einen Apparat bauen kann, mit dem man die menschliche Stimme auf weite Entfernungen hörbar machen kann." (Das sagte Philipp Reis damals)

Reis steckt viel Arbeit und Zeit in seine Erfindung

Über zehn Jahre arbeitete Philipp Reis an seiner Idee, bis er 1861 seine Erfindung endlich vorstellen konnte. Das erste Telefon sah ziemlich lustig aus: Auf einem kleinen Holzkasten steckte ein großes Holzohr, das von einer dünnen Wursthaut umspannt war. Dieser Kasten war über ein langes Kabel mit einem anderen Kasten verbunden, der die Form einer Geige hatte. Sprach man in das Ohr hinein, tönte es aus der Geige heraus. Aber würde das auch funktionieren?

"Das Pferd frisst keinen Gurkensalat", war der erste Satz, der durch das Reis’sche Telefon ging. Philipp Reis hatte nämlich das Holz-Wurst-Ohr im Klassenzimmer vergessen, wo sich seine Schüler einen Spaß daraus machten, lustige Sprüche hineinzusprechen. Als Reis sein Telefon den wichtigen Leuten in Wissenschaft und Wirtschaft vorführte, waren die nicht gerade begeistert. Sie fanden die Idee zwar toll, aber mehr als eine Spielerei war das Telefon in ihren Augen nicht.

Reis stirbt, bevor das Telefon ein Erfolg wird

Obwohl Reis sehr traurig über diese Abfuhr war, ließ er den Kopf nicht hängen. Er wusste, wenn er es schaffen würde, dass sein Telefon weniger rauscht und knackt, würde die Welt begeistert sein. Doch seine Erfindung blieb unvollendet. Mit gerade mal 40 Jahren starb Philipp Reis an den Folgen von Tuberkulose, einer schweren Lungenkrankheit. Zum Glück hatte er noch vor seinem Tod verschiedene Modelle seines Telefons an Wissenschaftler auf der ganzen Welt verkauft, sodass die an seiner Idee weiterarbeiten konnten.

Schon zwei Jahre nach Philipp Reis' Tod war es soweit: Der Amerikaner Alexander Graham Bell schaffte es, ein Telefon zu entwickeln, dass weder knackte noch rauschte. Selbst der größte Nörgler war nun davon überzeugt, dass das Telefon eine großartige Erfindung ist.

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NDR Info | Mikado | 11.09.2011 | 08:05 Uhr