Sendedatum: 19.03.2009 22:05 Uhr Archiv

Dirty Dozen, Folge 12: Count Basie "The Atomic Mr. Basie"

von Michael Laages

Ganz gleich, ob zunächst das Werbe-Bild da war oder der Titel für die neue LP der Band von Count Basie - das Cover war und blieb lange Zeit eine Frechheit. Vielleicht war es ja auch eine gezielte Regelverletzung. In jedem Fall kam eine der für immer und ewig hinreißendsten Bigband-Aufnahmen mit ziemlich brillantem Marketing in die Plattenläden: "The Atomic Mr. Basie". Die LP mit brandneuen Arrangements für Basies Orchestra, aufgenommen im Oktober 1957, zierte auf der Hülle vorn allen Ernstes das Foto eines Atompilzes - ein früher Urahn abseitig Werbegeschmäcker von heute, so scheint es. Dabei hätte es dieses Hinkuckers eigentlich gar nicht bedurft - denn was Neal Hefti da an Material für das seit jeher feurigste der großen Jazz-Orchester geschrieben hatte, war und blieb einer der Marksteine des Bigband-Sounds überhaupt.

Durchbruch für Arrangeur Neal Hefti

Neal Hefti, Komponist und Arrangeur für dieses Album, ist im Oktober 2008 gestorben. Er wurde 86 Jahre alt. Trompeter und Arrangeur war er gewesen in zahlreichen Bands, bei Earl Hines und Harry James, Mitte der 50er-Jahre dann bei Basie. Das "Atom"-Album war auch sein Durchbruch. Wie so viele wichtige Komponisten und Arrangeure ist er dann allerdings beim Fernsehen gelandet. Titel-Musik für TV-Serien wie "Batman" oder "Männerwirtschaft" mit Jack Klugman und Tony Randall stammt aus seiner Werkstatt. Bei Basie aber ist eindrucksvoll das Handwerkszeug zu besichtigen, mit dem Hefti zu arbeiten verstand: sehr eng geführte, dichte Instrumentalsätze zu außerordentlich relaxten Melodien, in denen sich die Basie-Solisten jener Jahre mit relativ kurzen Solo-Spots ins Zentrum spielen konnten, Eddie Lockjaw Davis etwa oder Harry Edison. Auch Balladen konnte Hefti schreiben wie kaum ein anderer sonst. "Li'l Darlin'" ist vermutlich eine der schönsten aller Zeiten, vor allem der Farben wegen, die der Arrangeur Basies Orchester entlockt.

Ein Feuerwerk an Motiven

"The Kid from Red Bank" - so hieß der kleine Ort, wo der 1904 geborene William Basie aufwuchs - entfesselt auf zeitlich engstem Raum ein Feuerwerk an Motiven für alle Band-Sätze, während der "Count" trotzdem immer noch so viel Solo spielt wie selten. Nachdem Basie die Band Anfang der 50er-Jahre aus ökonomischen Gründen schon mal auf ein Septett reduzieren musste, war er mit dieser Produktion denn auch wieder voll da. Trotzdem aber ist "The Atomic Mr. Basie" in allererster Linie ein Denkmal für Neal Hefti - denn die Songs dieser Basie-Produktion sind komplett und ohne Ausnahme eine Art Rezeptsammlung für jeden angehenden Arrangeur - auch und gerade, wenn er später nicht beim Fernsehen enden will.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 19.03.2009 | 22:05 Uhr

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