Stand: 17.06.2009 18:15 Uhr  | Archiv

Tears Of Sound - Zum Tod von Charlie Mariano

von Mattias Wegner
Gitarrist Gerardo Núñez © Georg Tuskany/ACT Foto: Georg Tuskany
Der US-Amerikaner Charlie Mariano hat nach wechselvollen Jahren Köln zu seiner Wahlheimat gemacht.

Die Musikwelt trauert um Charlie Mariano. Der amerikanische Saxofonist ist am 16. Juni 2009 im Alter von 85 Jahren in seiner Wahlheimat Köln verstorben. Er war ein großartiger Musiker und ein äußerst sympathischer Mensch. Seine Karriere als Musiker lässt sich grob einteilen in zwei Phasen: in Marianos amerikanische Karriere bis Mitte der 60er-Jahre und in seine europäische Phase ab den frühen 70er-Jahren. Allerdings war Charlie Mariano auch ein Weltenbummler und verbrachte einige Zeit in Japan und in Indien.

Beginn bei Stan Kenton

Geboren 1923 in Boston, spielte Charlie Mariano zunächst Klavier und wechselte - vergleichsweise spät - mit 17 Jahren zum Saxofon. Sein erstes prominentes Engagement hatte er 1953 in der Band von Stan Kenton. Kurz danach avancierte er zu einem gefragten West-Küsten-Musiker. Von großer Bedeutung war dann Anfang der 60er-Jahre sein Mitwirken in der Band von Charles Mingus, mit dem er legendäre Alben aufnahm. Als es ab Mitte der 60er-Jahre schwieriger wurde, als Jazzmusiker in den USA zu existieren, zog es Mariano hinaus in die Welt. Zwischenzeitlich ging er nach Japan und verbrachte ab Ende der 60er-Jahre immer wieder viel Zeit in Indien. Dort spielte er mit indischen Musikern und hat wie nur wenige westliche Musiker die indische Musik verinnerlicht.

Wahlheimat Köln

Ab Anfang der 70er-Jahre hat Mariano dann verstärkt in Europa gearbeitet. Er hat mit bedeutenden - ganz unterschiedlichen - Bands gespielt wie zum Beispiel Jazzrock mit "Embryo" und dem "United Jazz & Rock Ensemble" und auch eher Folk-orientierte Musik mit der Band "Pork Pie". Mariano lebte einige Zeit in Holland, dann zwischenzeitlich in Stuttgart und zog 1986 nach Köln, wo er bis zuletzt blieb. Mariano konnte sich auch vom Jazz entfernen. Er war unglaublich offen und spielte in den Bands von Konstantin Wecker und auch auf dem Herbert Grönemeyer-Album "Bochum". Insgesamt ist Charlie Mariano auf über 300 Alben zu hören und war ein sehr aktiver Live-Musiker. Besonders gerne trat er mit jungen Musikern auf, die teilweise seine Enkel hätten sein können. Die Töne, die er auf seinem Instrument spielte, gingen unter die Haut, trafen einen oft mitten ins Herz. Charlie Mariano war ein unglaublich sympathischer Zeitgenosse, der viel und gerne lachte. Er war zugleich auch ein tiefgründiger und sehr weiser Mensch.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Jazz | 17.06.2009 | 22:05 Uhr

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