Stand: 01.03.2009 22:05 Uhr  | Archiv

Dirty Dozen, Folge 10: Max Roach "Freedom Now Suite"

von Marianne Therstappen
Max Roach (10.01.1924 - 15.08.2007), US-amerikanischer Jazz-Musiker und Schlagzeuger, beim Berliner Jazzfest 1983 © picture-alliance / dpa
Der US-amerikanische Jazz-Schlagzeuger Max Roach starb im August 2007.

Das Album-Cover in Schwarz-Weiß sagt schon viel: Da steht in schwarzen Großbuchstaben: "We Insist!"  Mit Ausrufezeichen. Und darunter: Max Roach’s – "Freedom Now Suite." Auf dem großen Photo blicken drei Afro-Amerikaner, an einer Theke sitzend, über die Schulter dem Betrachter entgegen. Jenseits der Theke schaut fast verschüchtert, ganz in Weiß, mit einem weißen Service-Käppi, aber immerhin mit einer schwarzen Fliege, ein weißer Waiter  in  die Kamera. Aufgenommen wurde dieses Photo vermutlich um 1960. Die Musik entstand in jedem Falle im Sommer 1960 in New York. Unter dem Photo ist zu lesen "Featuring Abbey Lincoln, Coleman Hawkins, Ola-tunji."   Die 1930 in Chicago geborene Sängerin Abbey Lincoln hatte sich schon früh politisch engagiert. Den Saxophonisten Coleman Hawkins, Jahrgang 1904, hätte man  in diesem Umfeld nicht  unbedingt erwartet. Und den Namen des Schlagzeugers  und Conga-Spielers  Ola-tunji aus Nigeria verbindet man heute auch mit Martin Luther King und seinem legendären Marsch auf Washington. Auf dem Album ist der Afrikaner bei "All Africa" und "Tears for Johannesburg" zu hören. Und mit diesen beiden Titeln schließt sich der Kreis, den Schlagzeuger, Komponist und Arrangeur Max Roach auch  in Zusammenarbeit mit dem Autor Oscar Brown junior geschlagen hatte.

Freedom Day

Im ersten Stück  "Driva Man"  schildert Abbey Lincoln die Qualen, unter denen die dunkelhäutigen Sklaven und ihre weißen Aufseher litten. Und nur bei diesem Stück ist Coleman Hawkins zu hören. Im Übrigen spielen ausnahmslos Musiker der nächsten Generation, nämlich Walter Benton, Saxophon, Booker Little, Trompete, Julian Priester, Posaune, und James Schenck, Bass. Ein  Pianist ist nicht dabei. Im zweiten Titel beschwört Abbey Lincoln den "Freedom Day"   herauf:  "Whisper, listen,  this is freedom day!" Der letzte Titel auf der ersten Seite des Langspiel-Albums  heißt: "Triptych". Das "Triptychon"  ist uns vertraut als dreiteiliges Altarbild.  Und so klingt es auch bei Max Roach und Abbey Lincoln.  Es beginnt mit dem wortlosen Gebet "Prayer".  Im Zentrum, betitelt mit  "Protest",  steht der -  durch Abbey’s  Stimme verkörperte  - Schmerz aller unterdrückten Kreaturen. Unter dem Namen  "Peace"  beendet ein Aufseufzen, ja, fast ein Auflachen, zuletzt ein Ausatmen - den dritten Teil von "Triptych".

Black Power

Die zweite Seite des Albums ist ganz den afrikanischen Wurzeln der Musiker gewidmet. Fremd  der Gesang in afrikanischer Sprache - vertraut der Klang der Instrumente. Thema: Protest auch hier! Also Jahre bevor "Black Power", die militante Bewegung für die Gleichberechtigung von Schwarz und Weiß,  auch in Europa wahrgenommen wurde - nicht zuletzt durch  die Bilder der beiden Afro-Amerikaner bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexico City - hatten sich politisch engagierte schwarze Jazzmusiker für die Bürgerrechtsbewegung eingesetzt. Es  hat lange gedauert, bis sich die  politischen Träume der Afro-Amerikaner  mit der Amtseinführung des Präsidenten Barack Obama  erfüllten. Für mich, schon damals von der Musik tief berührt, besitzt das Album heute weit mehr als den historischen Wert: Es bestätigt die Ahnung, dass auch der Jazz etwas bewirken kann: "Freedom Day".

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Jazz | 03.03.2009 | 22:05 Uhr

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