Stand: 09.03.2009 17:34 Uhr  | Archiv

Dirty Dozen, Folge 5: Benny Goodman "The Carnegie Hall Concert"

von Michael Laages

Heute wäre so was ein Mega-Event - oder Giga. In jedem Fall war Benny Goodmans Konzert in der New Yorker Carnegie Hall am 16. Januar 1938 das erste Ereignis dieser Art; und das nicht nur, weil sich die beteiligten Manager redlich Mühe gaben bei der Herstellung einer Legende. Längst hatten Count Basie und Duke Ellington andere edle Show-Paläste zum Swingen und zum Kochen gebracht - aber die Carnegie Hall war zu diesem Zeitpunkt einfach der Olymp für Konzerte. Und nur die Klassiker hatten hier Zutritt. Die Preise waren entsprechend - olympisch eben. Also für den gemeinen Jazz-Fan viel zu hoch.

Crème de la Crème des Jazz

Auch darum ließ sich Goodman, ein Twen von gerade 28 Jahren, an diesem Abend die Show derart voll packen - denn auf sanften Druck seiner Berater schickte er ja nicht nur die eigene, schon höchst erfolgreiche Bi Band ins Rennen, sondern auch noch ein Projekt, das "20 Jahre Jazz" überschrieben war - und damit die Zeit der auf Schallplatten konservierten Musik meinte - und noch ein All-Star-Ensemble versammelte: etwa Johnny Hodges, Cootie Williams und Harry Carney aus Ellingtons Orchester und Teile der Basie-Band, mit dem "Count" selbst am Klavier. Und als wäre das noch nicht genug Star-Parade, legte in der Mitte des Konzerts auch noch Goodmans Quartett los: mit Gene Krupa am Schlagzeug, Teddy Wilson am Klavier und dem neu zu Goodman gestoßenen Lionel Hampton am Vibrafon. Wer ein für allemal wissen will, was "Swing" bedeutet, der höre sich fünf Minuten "I got Rhythm" an - und er - oder sie - wird es nie mehr vergessen.

Aber auch Goodmans eigene Band markiert die Meisterschaft in jedem Titel - von "Don’t be that way", das den Sound des Abends setzt, bis zu "Sing, sing, sing", dem Ever-Seller im Finale, vor der Zugabe; mit jenem unvergleichlichen Klavier-Solo von Jess Stacy, das ahnen lässt, dass die gemütliche Swing-Zeit demnächst enden wird.

Eineinhalb Jahre später steht Europa im Krieg. Und als der aus ist, sind auch die Bigbands (fürs erste) am Ende.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Play Jazz! | 09.03.2009 | 22:05 Uhr

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