Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) © dpa Foto: Jörg Carstensen

Schwesig: "Einheit ist größtes Glück der deutschen Geschichte"

Stand: 02.10.2020 09:54 Uhr

An diesem 3.Oktober jährt sich die Wiedervereinigung zum 30. Mal. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidenten Manuela Schwesig zieht im Interview mit NDR Info eine positive Bilanz: Die Wiedervereinigung sei das "größte Glück der deutschen Geschichte".

Vor allem der Norden sei gut zusammengewachsen, sagte Schwesig am Freitag im Gespräch mit NDR Info. Darin erinnerte sich Schwesig auch an ihre persönlichen Erfahrungen vor 30 Jahren. "Ich habe diese ganze Umbruchszeit mit sehr widersprüchlichen Gefühlen erlebt", sagte sie.

Einerseits habe sie als junger Menschen ein Gefühl von Freiheit und Aufbruch gespürt: "Für die junge Generation wie mich war vieles möglich". Andereseits habe sie zur gleichen Zeit auch Sorgen und Ängste der älteren Generation mitbekommen - zum Beispiel die ihres Vaters, dessen Betrieb pleite war.

Glück angesichts des Jahrestags vor Augen führen

Und dennoch: Heute - 30 Jahre nach der Wiedervereinigung - zieht die SPD-Politikerin ein sehr positives Fazit. "Heute würde ich sagen: Trotz allen Schwierigkeiten und auch noch weiter bestehenden Unterschieden, die es gibt, es ist das größte Glück der deutschen Geschichte, dass wir heute wiedervereint und in Frieden, Freiheit und Demokratie leben." Das sollte man sich gerade anlässlich des diesjährigen Jahrestags noch mal vor Augen führen.

Das Bild des "Jammer-Ossis" gebe es immer noch

Bis heute passiere es, dass sich Ostdeutsche nicht ernst genommen fühlen, so Schwesig im Interview mit NDR Info. "Wenn wir heute selbstbewusst, auch in der Politik, ostdeutsche Interessen vertreten, dann kriegt man schnell den Stempel 'Jammer-Ossi'. Wenn Markus Söder sich hinstellt und die Interessen von Bayern gegen den Rest von Deutschland vertritt, dann ist er der starke Ministerpräsident", sagte die Ministerpräsidentin.

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Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) in der aktuellen Stunde zur "Bilanz 30 Jahre Mecklenburg-Vorpommern". © dpa-Zentralbild Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

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Schwesig: Eine exemplarische Biografie für die junge ostdeutsche Generation

"Meine Biografie steht stellvertrend für viele andere junge Menschen", meint Schwesig. Denn urspünglich wollte die SPD-Politikerin Erzieherin werden - doch über Nacht war ihr eigentlicher Ausbildungsplatz nicht mehr da und niemand konnte ihr sagen, wie es weitergeht. "Deswegen bin ich dann - weil ich gut in Mathe war - im Finanzamt gelandet", erzählt die 46-jährige Politikerin. Diese Wendung in ihrer eigenen Biografie sei ein schönes Beispiel dafür, wie viele nach der Wiedervereinigung etwas völlig Neues gemacht haben, so Schwesig. Das sollte ihrer Meinung nach mehr gewürdigt werden: "Diese Stärke, sich auf eine neue Situation einzustellen, neu anzufangen und anzupacken - diese Stärke sollte mehr wertgeschätzt werden." Dies sei ihr gerade wichtig für ihre Elterngeneration, die in den vergangenen 30 Jahren unter schwierigen Bedingungen alles neu aufgebaut hat.

Vor allem Norddeutschland sei gut zusammengewachsen

Die Ministerpräsidentin des nord- und ostdeutschen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern betonte: "Gerade wir hier im Norden, wir sind gut zusammengewachsen. Wir fühlen uns als Norddeutsche", so Schwesig. Man habe in der Politik gemeinsame Foren und gemeinsame Strategien, beispielsweise bei der Zukunftstechnologie Wasserstoff. Und: "Wir haben einen gemeinsamen NDR - das ist ja etwas, was andere Bundesländer im Westen so gar nicht haben", bilanzierte die Politikerin. Deswegen hätte die Menschen im Norden eine große Chance, sich zusammengewachsen zu fühlen.

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NDR Info | Infoprogramm | 02.10.2020 | 09:54 Uhr

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