Stand: 08.07.2020 09:57 Uhr

Motorrad-Lärm: "Mehr Kontrollen statt Verbote"

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Hunderte Motorradfahrer demonstrierten am Sonnabend auf der Hamburger Reeperbahn.

Des einen Freiheit ist des anderen Lärmbelästigung: Wenn sich ein Motorrad nähert, wird es oft laut. Anwohner an besonders beliebten Biker-Strecken in den Alpen, im Erzgebirge oder im Harz leiden häufig unter der Lärmbelastung. Der Bundesrat hat nun die Regierung aufgefordert, etwas dagegen zu tun - am besten mit Motorrad-Fahrverboten an Sonn- und Feiertagen an besonders belasteten Strecken. Gegen diesen Vorstoß haben bereits viele Motorradfahrer protestiert - so auch in Norddeutschland.

Auch die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bundestag, Kirsten Lühmann, ist gegen Motorrad-Fahrverbote: "Bevor wir Fahrverbote an bestimmten Strecken aus Lärm-Gründen erlassen, sollten wir erstmal alles andere ausprobieren", sagte die Politikerin am Mittwoch auf NDR Info. Schließlich verhalte sich die überwiegende Mehrheit der Motorradfahrer anständig.

Schwammige Vorschriften erschweren Kontrollen

Die SPD-Politikerin befürwortet stattdessen mehr Kontrollen. "Denn wenn über 90 Prozent vernünftig fahren, dann muss ich die auch weiterfahren lassen. Die anderen muss ich raus suchen", findet Lühmann. Sie verweist auf Bayern. Das Bundesland habe bereits erfolgreich eine entsprechende Kontrollgruppe eingerichtet. Die Beamten setzten dabei auf automatische Displays, die anzeigten, ob das Motorrad zu laut ist.

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Kirsten Lühmann fordert mehr Kontrollen, um die Lärmbelästigung durch Motorräder zu reduzieren.

Das Problem sei vor allem, dass bei der Zulassung nicht streng genug geprüft werde. Neue Vorschriften seien gerade in der Diskussion, müssten aber europaweit eingeführt werden. Ein weiterer Punkt sind laut Lühmann zusätzliche Bauteile. Hier sei es oftmals schwierig festzustellen, ob illegale Zusatzgeräte - also Soundverstärker - angebracht worden sind. "Hier haben wir auch sehr schwammige Vorschriften", so Lühmann. Polizisten müssten deshalb das Motorrad erstmal stilllegen, Papiere nachfordern und ein Gutachten machen.

Betriebserlaubnis sollte immer mitgeführt werden

Das muss sich laut Lühmann im Kampf gegen Lärmbelästigung ändern: "Hier sollten wir die schwarzen Schafe leichter finden können - zum Beispiel dadurch, dass die Betriebserlaubnis immer mitgeführt werden muss." So könnten gewisse Bauteile einfacher kontrolliert werden, so Lühmann. Fahrverbote - wenn auch nur auf bestimmten Strecken - lehnt sie ab. Das sei ein sehr schwerer Eingriff. Kontrollen hingegen würden, so die SPD-Politikerin, Motorräder dann auch insgesamt auf allen Strecken leiser machen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 08.07.2020 | 07:45 Uhr