Stand: 30.03.2020 07:20 Uhr

Lauterbach: Markt für Schutzkleidung vor Kollaps

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Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach meint, Deutschland müsse seine Corona-Schutzkleidung selbst produzieren können.

Deutschland soll Schutzkleidung für Ärzte, Sanitäter und Pflegekräfte selbst produzieren um in der Corona-Krise unabhängig zu sein. Das fordert der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Man müsse in der Lage sein, den Bedarf für die nächsten Monate oder gar den Rest des Jahres selbst decken zu können, sagte Lauterbach auf NDR Info. Der Bund solle dies koordinieren, es müsse eine Behörde geben, bei der alle Fäden zusammenlaufen.

Zum jetzigen Zeitpunkt halte ich es für gefährlich, sich darauf zu verlassen, dass die Beschaffung aus dem Ausland oder auf dem Markt in ein paar Monaten noch funktioniert.

Weltmärkte werden wegen Corona leer gekauft

Er fürchte, dass in einigen Wochen der Weltmarkt für Schutzmasken oder -anzüge kollabieren könnte, sagte Lauterbach. Zum einen steige der Bedarf immer weiter, zum anderen würden Zwischenhändler in den Markt drängen um Profite mitzunehmen. Die Vereinigten Staaten stünden vor einer Riesenkatastrophe und würden auf den Weltmärkten mit ihrer Finanzmacht deswegen aggressiv auftreten. Auch die Chinesen hätten das Problem mit dem Coronavirus noch nicht gelöst, so dass man sich auch auf Lieferungen aus China nicht unbedingt verlassen könne, so der Gesundheitsexperte.

Lauterbach: Aus Fehlern lernen

Die entsprechenden Kapazitäten könnte man nach Lauterbachs Ansicht nach und nach aufbauen, man müsse dafür den Unternehmen aber eine Perspektive bieten, auch über die Corona-Krise hinaus. Wenn es bei der Produktion Überschüsse gebe, könne man diese in europäische Länder exportieren, die ebenfalls Bedarf an Schutzkleidung haben. Dass Deutschland sich auf diesen Fall bislang nicht vorbereitet habe, erklärte Lauterbach damit, dass die einheimische Industrie sich auf komplexe Produkte spezialisiert habe. Doch jetzt dafür Schuldige zu suchen sei der falsche Weg. Man solle vielmehr aus diesen Fehlern lernen, so der SPD-Politiker.

Bei der Bekämpfung des Coronavirus gehe es derzeit darum, die Ausbreitung des Erregers so stark zurückzudrängen wie man könne. Auch in Zukunft sollte man darauf schauen, dass sich so wenig Menschen infizieren wie möglich. Wer Covid-19 überlebe, behalte oft schwere Schäden zurück, so Lauterbach, und das werde unterschätzt. Patienten müssten nach einer Infektion oft für Monate in Rehabilitation - das müsse man mitdenken.  

"Diskussion über Einschränkungslockerung verfrüht"

Dass derzeit schon über eine Lockerung der Corona-bedingten Einschränkungen diskutiert werde, stößt bei Lauterbach auf wenig Gegenliebe. Solche Diskussionen würden einen Druck aufbauen, den man derzeit nicht gebrauchen könne.

Jeder weiß, dass wir das nicht länger machen als wir müssen. Wir machen das ja nicht zum Spaß. Aber man muss ein gutes Konzept haben, man muss sicher fahren können und die Drängelei leuchtet mir nicht ein.

Erstmal müsse es nun eine gute Strategie für die Zeit nach der Aufhebung der Einschränkungen geben. Dabei gehw es auch um die Frage, was wir dann benötigen - sei es der Ausbau der Testkapazitäten oder Vorbereitungen, um an Schulen wieder zum Normalbetrieb zurückzukehren.

Der Gesundheitsexpterte Karl Lauterbach, SPD, bei einer Rede. © imago Foto: imago/Paul Zinken

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NDR Info -

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 30.03.2020 | 07:20 Uhr

05:34

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