Stand: 30.12.2019 09:54 Uhr

Tierschutzbund: "Es braucht einen Systemwechsel"

Knapp 20 Millionen männliche Ferkel werden bisher pro Jahr ohne Betäubung kastriert. Grund sind die Hormone und Geruchsstoffe, die erwachsene Eber produzieren. Sie können beim Zubereiten des Fleisches zu unangenehmen Gerüchen führen und den Geschmack verändern. Ab 2021 wird der schmerzhafte Eingriff in Deutschland nicht mehr erlaubt sein. Drei alternative Methoden stehen den Landwirten zur Verfügung: die Eber nicht mehr kastrieren und stattdessen gegen Ebergeruch impfen, die Tiere als Eber mästen oder die Ferkel unter Narkose kastrieren.

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Nach Ansicht des Präsidenten des Deutschen Tierschutzbundes, Schröder, funktioniert Tierschutz nur mit gesetzlichen Vorgaben.

Thomas Schröder ist Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Nach seiner Ansicht blockieren der Handel und die Schlachtunternehmen tierschonende Methoden. "Offenbar wollen sie auf die Billigproduktion nicht verzichten und deswegen nicht so richtig ran an die Alternativen. Sie kosten zusätzliches Geld und das bedeutet weniger Profit für die, die an dem Fleisch verdienen wollen," sagte Schröder auf NDR Info. Demnach handelt es sich um ein tragisches Spiel: "Die Verarbeiter sagen, der Handel nimmt mir das Fleisch nicht ab, wenn es geimpft ist. Der Handel sagt, die Verarbeiter bieten mir nicht genug geimpftes Fleisch an." Dies sei ein Schwarzer-Peter-Spiel, bei dem Stillstand entstehe.

"Qualität kann niemals durch Tierqual entstehen"

Nach Ansicht des Handels genügt Eberfleisch den Qualitätsansprüchen nicht. Eberfleisch ist laut Schröder aber als verarbeitete Ware bereits vielfach im Handel zu finden. Verbraucher hätten das nie beanstandet. Wenn Fleisch aber mit Qualen der Tiere, also mit unbetäubter Kastration produziert werde, dann könne es sich niemals um Qualität handeln, und das dürfe auch nicht am Geschmack gemessen werden.

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"Umsetzung muss 2021 geschehen"

Ursprünglich sollte eine betäubungslose Kastration schon von diesem Jahr an verboten sein, doch auf Druck der Agrarwirtschaft war die Frist noch einmal bis Ende 2020 verlängert worden. Schröder fordert auf NDR Info nun die vorgesehene Umsetzung ab 2021. Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner müsse jetzt Flagge zeigen und dürfe nicht wanken.

"Billigfleisch bleibt problematisch"

Generell ist es laut Schröder problematisch, dass der Handel weiterhin Billigfleisch anbiete. Damit könne kein Tierschutz im Stall geschaffen werden. Dies funktioniere nur, wenn die Landwirte investierten und der Handel das dem Kunden klarmache. Derzeit ginge es nur um Quantität und den billigen Preis. Laut Schröder ist ein Systemwechsel in der Masttierhaltung notwendig. Der Gesetzgeber müsse vorgeben, was gehe und was nicht, dann sei der Handel zur Umsetzung gezwungen.

"Klöckner darf nicht einknicken"

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) sei keine Moderatorin zwischen Handel, Verbrauchern und Tierschützern, sondern sie müsse Ordnungsrecht gestalten, einhalten und nicht dauernd einknicken, sagte Schröder weiter auf NDR Info. Die jetzige Bundesregierung sei dabei, das Tierschutzniveau in Deutschland massiv abzusenken. Der Tierschutz zähle für Klöckner und Bundeskanzlerin Merkel gar nichts. Ökonomische Interessen stünden immer im Vordergrund.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 30.12.2019 | 08:20 Uhr